Der schöne Schein trügt nur allzu oft. Diese Erfahrung hat die Polizei während der vergangenen „Tuning World“-Messen schon häufig gemacht. Daher starteten gestern mit Beginn des Auto-Spektakels auch wieder großangelegte Verkehrskontrollen, an denen neben der Friedrichshafener Polizei auch die Bundespolizei und Beamte aus der Schweiz beteiligt sind.
Gleich zu Beginn der Aktion beim Landratsamt gelang den Beamten ein geradezu beispielhafter Fang, wie Kontrollstellenleiter Alexander Ehninger erklärte. Ein Ford, nach allen Regeln der Kunst aufgemotzt. Papiere konnte die junge Fahrerin aber nicht vorlegen. Ehninger dazu: „Das ist eine beliebte Masche, doch davon lassen wir uns nicht täuschen.“ Die Wahrscheinlichkeit, dass etwas gesetzeswidrig verändert wurde, sei in so einem Fall nämlich hoch. Deshalb nahmen es die Beamten bei der Kontrolle des Fahrzeugs sehr genau. Jede Veränderung wurde dokumentiert, fotografiert und in einem Mängelbericht festgehalten. Das Ganze wurde der Fahrerin schließlich überreicht, verbunden mit der Aufforderung, das Auto beim zuständigen TÜV vorzustellen. „Wenn die Auflagen nicht erfüllt werden, droht die Zwangsstilllegung des Autos“, sagt Ehninger. Außerdem drohen ein Bußgeldverfahren und Punkte in Flensburg.
Im Laufe des Nachmittags kontrollierten die Polizisten bis zu 50 Autos pro Stunde. Etliche Verstöße wurden festgestellt. „Das große Problem sind Billigteile“, sagt Peter Streich von der Friedrichshafener Polizei. Ganze Produktpaletten werden in Osteuropa und Asien kopiert und an junge Fahrer verkauft. Dass das Material oft gar nicht den deutschen Sicherheitsvorschriften entspricht, werde nur allzu oft ignoriert. Daher konzentrierten sich die Polizisten bei der Kontrolle eben gerade auf dieses Klientel, schildert Einsatzleiter Jürgen Renz.
Das Vorgehen der deutschen Kollegen war besonders für die Vertreter der Schweizer Polizei von großem Interesse: „Die Richtlinien sind in der Schweiz teilweise strenger, aber es ist wichtig zu sehen, wie das in Deutschland gehandhabt werden“, erklärte Heinz Wipf von der Polizei Schaffhausen. Außerdem erleichterte die Unterstützung der Schweizer Polizei die Arbeit für die deutschen Beamten. Rechtliche Fragen konnten direkt geklärt und Schweizer Datenbanken abgefragt werden.
Bei vielen Betroffenen sorgte die Kontrolle durchaus für Unmut: „Das ist die reine Schikane. Eine echte Frechheit“, machte sich ein Schweizer Trio Luft. Aber es gab auch andere Meinungen: „Ich finde es total in Ordnung“, sagte ein anderer Tuner: „Es gibt genügend Verstöße, die gefährlich sind.“
Dass die verschärften Verkehrskontrollen während der „Tuning World“ notwendig sind, davon ist auch Einsatzleiter Renz überzeugt: „Das ist die achte Veranstaltung dieser Art und bisher hatten wir noch keine schweren Unfälle.“ Und Erfolge konnten die Beamten auch verbuchen. Dutzende schwere Verstöße wurden geahndet. Nicht immer handelte es sich dabei um technische Belange. Auch Fahren unter Drogeneinfluss wurde festgestellt.
Dass die erhöhte Polizeipräsenz indes langfristige Wirkung hat, darüber machen sich die Beamten keine Illusionen. Denn ein Umdenken sei bei den Freunden heißer Flitzer nicht festzustellen. Im Gegenteil: Nach wie vor stehen Billig-Tuning und illegale Autorennen bei vielen Messe-Besucher hoch im Kurs. Daher werde die Polizei während des Messewochenendes wieder einmal alle Hände voll zu tun haben, ist Jürgen Renz überzeugt.
Auto-Tuning, Lifestyle und Club-Szene stehen im Mittelpunkt der Tuning World Bodensee. Die größte Tuningmesse Europas lockt jährlich rund 90.000 Besucher auf das Messegelände in Friedrichshafen.
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