Hausärzte im Allgemeinen und Landärzte im Besonderen haben es in diesen Zeiten nicht immer leicht – vor allem, wenn es darum geht, die eigene, meist bekannte und gut gehende Praxis an einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu übergeben, um so das eigene Lebenswerk auch im Alter in guten Händen zu wissen.
Man hört volkstümliche Musik, sieht Badenixen, den Bodensee, knackiges Obst, den Zeppelin, natürlich auch das in die wunderschöne Landschaft eingebettete Berger Kirchlein und ein Ortsschild, das darauf hinweist, dass es nur vier Kilometer nach Friedrichshafen-City sind. Und man sieht Wilhelm Beiter bei seiner Praxistätigkeit. „Der Doc ging aber, wenn er könnte, am liebsten jedoch in die Rente. Deshalb wünscht er sich jetzt sehr einen Amtsnachfolger her.“
In Reimform darum zu werben, dass es für einen jungen Mediziner durchaus überlegenswert sein könnte, in der Berger Ortsmitte eine seit Jahrzehnten gut eingeführte Arztpraxis zu übernehmen, das macht allerdings ein anderer: Egon Ludwig vom Häfler Schmalfilmclub, der den Streifen mit der Unterstützung von Adelinde Beiter in deren Semesterferien drehte. Doch damit nicht genug: Eine hübsche, heiratsfähige Maid in Gestalt von Adelinde winkt zum Schluss vielsagend vom Balkon des Hauses – um damit zu demonstrieren, dass es nicht allein um die Praxis zu gehen braucht. „Ich habe nichts gewusst und davon erst erfahren, als das Video bereits im Netz stand“, sagt Wilhelm Beiter und bekennt, dass er dem Medium Internet sonst eher zurückhaltend gegenübersteht. „Ich weiß aber, dass meine Tochter das Ganze initiiert hat, um mir zu helfen. Sie studiert selbst Medizin. Ich kann aber nicht so lange warten, bis sie selbst so weit ist, eine Praxis zu übernehmen.“
Bei allem Spaß, den das Anschauen des Videos macht, ist der Hintergrund doch ernst. Der Wunsch, einen Nachfolger zu finden, wird für den 65-Jährigen seit mittlerweile einem Jahr zu einer Nerven aufreibenden Suche nach der Nadel im Heuhaufen. „Seit 20 Jahren weiß man um die Problematik“, sagt Wilhelm Beiter, früher Mitglied in der Ärztekammer und im Ärzte-Kreisvorsitz. „Eines der Hauptprobleme, das viele sich nicht anzusprechen trauen, ist, dass inzwischen 70 Prozent der Medizinstudenten Frauen sind – von denen aber anschließend nur etwa ein Drittel ihren Beruf langfristig ausüben“, so Beiter. Außerdem gingen viele Ärzte ins Ausland, weil dort Arbeitsbedingungen und Einkommen besser seien.
„Als Hausarzt braucht man nicht nur breite Ausbildung, sondern trägt auch das unternehmerische Risiko, und die anfänglichen Investitionsprobleme gehen ohnehin bis an die Grenzen des Machbaren“, weiß Beiter. „Als Arzt, der sich rund um die Uhr für seine Patienten einsetzt und nach wie vor viele Hausbesuche macht, bin ich leider ein Auslaufmodell“, sagt er desillusioniert. Wie die Suche ausgeht, ist noch offen. Wer auch immer sein Nachfolger werden wird, „bodenständig“ sollte er oder sie in jedem Fall sein. „Ich möchte nicht, dass aus meiner Praxis ein Anti-Aging-Club wird“, sagt Dr. Wilhelm Beiter, Allgemeinmediziner, Hausarzt, Landarzt aus Berg, vier Kilometer von Friedrichshafen-Stadt entfernt.
"Praxis und Braut zu vergeben" - Sehen Sie hier das Video!
