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Friedrichshafen Handzeichen beenden Rätselraten

Friedrichshafen – Der zwölf Monate alte Marlon hält alle Fingerspitzen der rechten Hand zusammen und führt sie zweimal zum Mund. Sprechen kann er noch nicht, aber der Junge kann seinen Eltern mit den Händen mitteilen, was er will: essen.

Gabriela Schmidt mit ihrem einjährigen Sohn Marlon, der „essen“ zeigt.
Gabriela Schmidt mit ihrem einjährigen Sohn Marlon, der „essen“ zeigt.

„Ich möchte meinem Kind ein Angebot machen, frühzeitig seine Bedürfnisse ausdrücken und kommunizieren zu können. Ich hoffe dadurch den Frust zu verringern und unserer Familie ein schöneres und stressfreieres Miteinander zu ermöglichen“, sagt Gabriela Schmidt. Sie ist Ansprechpartnerin für „Zwergensprache“ im Bodenseekreis-Ost. Ihr Anliegen ist es, die Babyzeichensprache hierzulande bekannter zu machen.

Babyzeichen sind einfache bildhafte Zeichen, abgeleitet von der deutschen Gebärdensprache, und für Kinder leicht verständlich. Sie verdeutlichen Eigenschaften, Tätigkeiten und Gegenstände. Babys und kleine Kinder empfänden die Sprachflut, die auf sie einstürzt, oft als ein Sprachrauschen, denn sie könnten die einzelnen Wörter noch nicht voneinander trennen. Wird anfangs pro Satz ein Wort mit einem Babyzeichen untermalt, so erleichtere dies dem Kind das Verständnis, erklärt Schmidt.

Babyzeichen dürften niemals isoliert angewendet werden, sondern immer nur parallel zur gesprochenen Sprache. Babys können bereits im Alter von sechs bis neun Monaten einfache Babyzeichen zeigen und „sagen“, was sie gerade bewegt: dass sie Hunger haben oder sich über die Blume am Wegesrand freuen. Für Kinder sei es ein großes Erfolgserlebnis, von ihrer Umgebung verstanden zu werden, bevor sie sprechen können. „Die Muskeln der Hände sind weitaus früher entwickelt und koordinierbar als die Muskeln, die zum verständlichen Sprechen benötigt werden“, sagt Gabriela Schmidt. Im Alltag können daher mit der Babyzeichensprache verblüffende Ergebnisse erzielt werden.

Sie fördere die Verständigung und vor allem die Freude an der Verständigung zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen. Unruhe- und Stresssituationen könnten reduziert und das Vertrauensverhältnis zu Eltern und Geschwistern gesteigert werden. Außerdem ermögliche die gleichzeitige Aufnahme akustischer, visueller und motorischer Reize ein besseres Erlernen der Grundzüge der Sprache. Begriffsbildung und Wortschatzbildung würden gefördert. Dies belegten amerikanische Forschungsergebnisse. Mehrjährige Studien hätten gezeigt, dass die Zwergensprache die gesamte frühkindliche Entwicklung positiv beeinflusse. Neben einer besseren Sprach- und Gehirnentwicklung würden die motorischen Fertigkeiten, das Selbstvertrauen und die Selbstwahrnehumng gefördert. Bei Kindern, die mit Babyzeichen aufwachsen, sei ein verstärktes Interesse an Büchern beobachtet worden.

In Amerika gibt es die Babyzeichensprache bereits seit den 80er Jahren. Sie wurde speziell für hörende Babys bis zu zwei Jahren entwickelt und ist auch für Kinder mit erschwertem Spracherwerb (beispielsweise Down-Syndrom, Mehrsprachigkeit) hilfreich.

In Deutschland können in Babykursen (Eltern-Kind-Gruppen) für Kinder ab sechs bis neun Monaten bis zwei Jahren Eltern das Grundvokabular der Babyzeichensprache für den Alltag erwerben und gemeinsam mit ihren Kindern vertiefen. Workshops bieten eine Einführung in die Babyzeichensprache. Gabriela Schmidt ist Kursleiterin und steht als Ansprechpartnerin in allen Fragen gern zur Verfügung.

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