Vom Anstrich bis zur Zentralheizung, vom Apfelstrudel bis zur Zahnprothese: Unter dem Motto „Die Wirtschaftsmacht von nebenan: Handwerk zu Lande, zu Wasser und in der Luft“ trafen sich Handwerker des Kammerbezirks Ulm, der bis an den Bodensee reicht, am Samstag anlässlich des zweiten bundesweiten Tags des Handwerks in Friedrichshafen.
Die Leistungen des Handwerks würdigen und gleichzeitig auf Probleme hinzuweisen sei das Ziel, sagte Anton Gindele, Präsident der Handwerkskammer (HK) Ulm, bei der Begrüßung der rund 170 Handwerker aus 80 Gewerken zwischen Aalen und Friedrichshafen. „Modernes Leben ist ohne Handwerk nicht vorstellbar“, betonte Gindele in seiner Rede. So erwirtschaften die rund 18 000 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk mit mehr als 100 000 Mitarbeitern jährlich einen Umsatz von mehr als 11 Milliarden Euro.
Sorge bereitet dem HK-Präsident die Unterversorgung der Berufschulen mit Lehrern: „Die duale Ausbildung ist der Garant dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland so niedrig ist wie sie ist.“ Im Blick hat die Handwerkskammer auch die Energiewende. „Die Energieeffizienz muss dringend voran gebracht werden, trotzdem muss Energie bezahlbar bleiben“, forderte Gindele. In jedem Fall werde die Energiewende jedoch ohne das Handwerk nicht gelingen.
Neben dem CDU-Bundestagsabgeordneten Lothar Riebsamen und dem grünen Landtagsabgeordneten Martin Hahn war auch die Europa-Abgeordnete Elisabeth Jeggle (CDU) zum Tag des Handwerks nach Friedrichshafen gekommen. „Viele können heute einen tropfenden Wasserhahn nicht mehr selbst reparieren“, unterstrich Jeggle den Stellenwert des Handwerks. Darüber hinaus würden die Vertreter der Kammern regelmäßig für die Interessen des Handwerks auf politischer Ebene eintreten. „Es ist wichtig, dass Sie Präsenz zeigen und den Politern sagen, was geht und was nicht geht“, forderte Jeggle auf. In Sachen Energiewende sprach sie den Handwerkern aus dem Herzen: „Es kann nicht sein, dass große Unternehmen steuerlich entlastet werden und die kleinen nicht“, sagte die Europa-Parlamentarierin.
Friedrichshafens Bürgermeister Holger Krezer betonte, wie wichtig das Handwerk in Friedrichshafen als Standortfaktor und stabile Größe sei. „Das Handwerk ist festes Fundament des marktwirtschaftlichen Geschehens und gibt auch der Industrie wichtige Impulse“, sagte er. Christof Binzler, Kreishandwerksmeister des Bodenseekreises, stellte jedoch fest, dass das Handwerk im Vergleich zur Industrie nicht das ihm zustehende Ansehen genieße.
„Jährlich bilden wir in rund 2200 Handwerksbetrieben zirka 880 Jugendliche aus“, sagte Binzler. Allerdings würden die aktuell 140 vakanten Ausbildungsplätze eine deutliche Sprache sprechen. Nichts desto trotz würden laut einer Umfrage 73 Prozent der Handwerker weiterhin mit einer guten wirtschaftlichen Lage rechnen. „Wir brauchen uns also vor der Industrie nicht verstecken und das muss auch in den Köpfen der Jugendlichen ankommen“, betonte der Kreishandwerksmeister.
