Friedrichshafen Gedenkstunde gegen das Vergessen des Holocausts

Mit einer Gedenkstunde ist am Montagabend auf dem Friedrichshafener Fridolin-Endraß-Platz an die Befreiung der Holocaust-Opfer im Jahre 1945 erinnert worden. Gewürdigt wurde die Zivilcourage von Häfler Widerstandskämpfern wie Fridolin Endraß.

Gedrückte Stimmung auf dem nahezu dunklen Fridolin-Endraß-Platz. Lediglich ein Scheinwerfer erhellt die Stelle am Mikrofon für die Redner. Aufrufe, gegen Rechtsextremismus wachsam zu bleiben und Zivilcourage zu zeigen, hat es dort gestern Abend während einer Gedenkstunde für Nazi-Opfer und Widerstandskämpfer gegeben. Zur öffentlichen Veranstaltung am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz (1945) haben Oberbürgermeister Andreas Brand namens der Stadt sowie das „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“ eingeladen. Dieter Stauber, SPD-Stadtrat und gestern Redner für das Bündnis, spricht von Zeichen, die zu setzen seien: Mahnung, Hoffnung, Erinnerung sowie Wachsamkeit. Stauber beleuchtet die Rolle des Häfler Bahnangestellten und Widerstandskämpfers Fridolin Endraß, der für sein Engagement wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet wurde. Endraß hatte mit Bahngewerkschaftern Informationen über Kriegsvorbereitungen in die Schweiz gebracht sowie von dort beispielsweise Flugblätter in Fahrradreifen zurückgeschmuggelt.

Stauber beleuchtet unweit der einstigen Wohnadresse Endraß', unweit der Ernst-Lehmann-Straße 4, die Rolle von Friedrichshafener Industrie-Chefs während des Nationalsozialismus': „Die führenden Köpfe der Betriebe Luftschiffbau Zeppelin, Maybach Motorenbau und Zahnradfabrik Friedrichshafen wurden zu Wehrwirtschaftsführern ernannt und für die Umstellung auf Kriegsproduktion instruiert.“ Außerdem wartet Stauber mit zwei geschichtsträchtigen Daten auf: „Vor 100 Jahren hat der Erste

Weltkrieg begonnen. Vor 70 Jahren – in der Nacht zum 28. April 1944 – jährt sich der schlimmste von elf Luftangriffen, die unsere Stadt im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört haben.“ Die Bombardierungen seien kein Zufall gewesen, da in Friedrichshafen Rüstungsbetriebe waren: Die Luftschiffbau Zeppelin GmbH stellte ab 1940 Parabolantennen für Radargeräte, Sperrballone und Teile von Minen her. Ab 1943 wurden Flugzeug-Torpedos hergestellt und eingeschossen, ebenso gab es ein Raketenprojekt, das in den Auftrag zum Bau der Rakete V 2 in Serienproduktion führte, mit einem Raketen-Test- und Abnahmegelände in Raderach… „Bei Luftschiffbau Zeppelin waren auch KZ-Häftlinge im so genannten Außenlager des KZ Dachau zur Zwangsarbeit gezwungen. Bei Maybach wurden Motoren für Kettenfahrzeuge der Wehrmacht hergestellt, bei der Zahnradfabrik wurden Getriebe für schwere Fahrzeuge und im Dornier-Werk Flugzeuge hergestellt“, listet Stauber auf.

Oberbürgermeister Andreas Brand nennt neben Endraß weitere Widerstandskämpfer: „Ich möchte Georg Elser, Liselotte Hermann, Artur Göritz, Stefan Lovasz und Josef Steidle nennen. Auch das waren Menschen, die hier vor Ort Widerstand geleistet haben. Sie alle bezahlten für ihre Zivilcourage mit ihrem Leben.“ Nach wie vor ist laut Brand das Erinnern gegenwärtig: „In Friedrichshafen ist – auch dank unserer Geschichtspfadtafeln – überall im Stadtgebiet das Gedenken sichtbar. „Wir betreten Gebäude, in denen Unrecht geschehen ist, wie das heutige Technische Rathaus, dessen alter Teil für die NSDAP gebaut wurde. Dort wo heute Bauanträge bearbeitet und unsere Stadt geplant wird, hielt die Gestapo ihre Sondergerichte ab“, legt Brand dar. Und er mahnt an, Konsequenzen aus der Erinnerung der grausamen Geschehnisse zu ziehen – immer wieder aufs Neue.

Im Gebet spricht Codekan Gottfried Claß von „der Schande des Vergessens, die unter der Asche der Vernichtungen brennt“. Die Verantwortung für das während des Nazi-Regimes Geschehene bleibe bestehen.

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