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Überlingen Ganz schön scharf, diese Schoten

29.07.2008
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Magenkrämpfe. Erbrechen. Die Gefahr von Ohnmacht. Und das Rote Kreuz ist auch schon da. Was wie eine besonders unangenehme Krankheit klingt, nehmen die Teilnehmer eines Chili-Wettessens, das die Firma "Hot Mamas" in Überlingen veranstaltet, als mögliche Folgen der Teilnahme freiwillig in Kauf. Über die Risiken klären die Veranstalter auch auf und schmücken diese sogar noch ein wenig aus: "Wenn Sie ein Kribbeln im Ohr verspüren, sollten Sie sofort aufhören zu essen. Das ist das Notsignal des Körpers."

Kribbeln in den Ohren verspüren die Teilnehmer zwar nicht, dafür treten ihnen aber Schweißperlen auf die Stirn und Tränen in die Augen. Schon als sie eine besonders scharfe Bratwurst zu sich nehmen, haben einige Teilnehmer zu kämpfen - einer der Kandidaten muss sogar ausscheiden, weil er es schlicht nicht aushält. Dabei ist die Currywurst nur der Gewöhnungshappen. Ans Eingemachte geht es, als die Wettbewerbsteilnehmer Hundertgrammweise echten roten, klein geschnittenen Chili vorgesetzt bekommen. Und der hat einen Schärfegrad von 180000 Scoville. "Man braucht viel Flüssigkeit, um nur einen Tropfen hiervon zu neutralisieren", informieren die Mitarbeiter von "Hot Mamas". Wobei Wasser im Notfall nichts nutzt. Deshalb wird den Teilnehmern zur Sicherheit Milch und Brot auf den Tisch gestellt - das neutralisiert. Wer zu diesem Rettungsanker greift, scheidet allerdings automatisch aus dem Wettbewerb aus. Olivenöl dürfen die Teilnehmer hingegen verwenden, damit der Mud schmerzunempfindlicher wird.

Um ganz sicher zu gehen, dass die Teilnehmer im Notfall gut versorgt sind, haben die Veranstalter das Rote Kreuz angefordert und dafür auch bezahlt, wie Thomas Weber vom DRK Überlingen auf Nachfrage des SÜDKURIER sagt. Weber relativiert die Gefahr des Chili-Wettbewerbs auch ein wenig und erläutert: "Medizinisch gesehen kann gesunden Menschen dadurch eigentlich nichts sehr bedrohliches passieren. Das Chili gaukelt dem Körper Verbrennungen vor, es kann zu Magenschmerzen, Erbrechen oder Kreislaufproblemen kommen." Ohne Frage handle es sich bei der Aufnahme von so viel Chili aber um eine Belastung für den Kreislauf, für Herzkranke könne so etwas durchaus gefährlich werden. Auf die Frage, was Thomas Weber und das DRK von derlei Aktionen halten, will er sich nicht äußern. Er sagt lediglich: "Es muss jeder selber wissen, ob er bei so was mitmacht oder nicht."

Um sich rechtlich abzusichern, legen die Veranstalter den Teilnehmern vor Wettbewerbsbeginn einen Vertrag vor, in dem steht, dass die Firma keine Haftung übernimmt, falls jemand mit Herzproblemen oder Kreislaufproblemen teilnimmt und zu Schaden kommt. Wie die Teilnehmer den Chili vertragen, ist ohnehin recht unterschiedlich. Gewinner Ralf Müller hat am Ende 160 Gramm Chili verspeist. "So etwas hatten wir noch nie", sagt Klaus Lorenz von "Hot Mamas" begeistert. "Hot Mamas" sieht das Chili-Wettessen als PR-Maßnahme. Auf die Frage, ob es nicht eher abschreckend wirkt, wenn die Besucher vor Augen geführt bekommen, was Chili für unangenehme Nebenwirkungen hervorrufen kann, sagt Klaus Lorenz: "Diese Wettbewerbe sind einfach gerade im Trend. Und wem es zuviel wird, der kann ja einfach aufhören, zu essen." Eva-Maria Bast

Kommentar "Scharf oder dumm?"

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