Hoch empor" zieht es ihn - hoch hinaus will er, um tief ins eigene Ich zu blicken. Je höher der Berg, so scheint es, desto tiefer die Einsicht. Solcherart losgelöst von trendigen Alpinrekorden oder sportivem Leistungsdruck erlebt Uli Sorg seine Bergtouren auf einer eher feinsinnlichen, fast musisch-meditativen Bewusstseinsebene. Denn wenn der 51-jährige Tettnanger einen Berg besteigt, dann trägt ihn der Wunsch nach purem Naturerlebnis, nach innerer Harmonie und intensivern Wahrnehmungen im Grenzbereich der Wahrnehmbarkeit.
Über diese besondere Art des Bergsteigens hat er in vierjähriger Arbeit ein Buch geschrieben: "Hoch empor". Es bietet facettenreich allerlei Geschichten, Gedanken, Gefühle und Bilder aus der Welt oberhalb des Tagesgeschäfts. Am Donnerstag hat Sorg sein Debütwerk in der Friedrichshafener Buchhandlung Fiederer vorgestellt. Gemeinsam mit Ehefrau und Weggefährtin Elke las er zu Lichtbildprojektionen von Kilimandscharo- Matterhorn- oder Voralpen-Besteigungen.
Ein Kapitel ist allein der Stille gewidmet. Stille in menschenleerer Schneelandschaft - auch sie führt ihn an die Grenze sinnlicher Wahrnehmung. Sorg umschreibt Stille nicht als Mangel, nicht als Leere, sondern als Offenbarung, als Freiraum der sich allmählich mit Bewusstsein füllt. Ähnlich, seine Visionen von der Zeit. Er liebt es, Zeit auszugeben, eben weil der Alltag ihn oft genug zwinge, Zeit einzusparen. Daher hat er Langsamkeit und Rhythmus als wertvolle Lebensparameter für sich entdeckt. "Ich wusste nicht, dass ich so langsam gehen kann", erzählte er von seiner Kilimandscharo-Tour. Eine weitere philosophische Erkenntnis: Auf dem Weg nach oben sind die Pausen so wichtig wie die Schritte.
Als Beispiel stilistischer Vielfalt sei die einfühlsame Landschaftsbeschreibung durch das Bouquet eines Tessiner Rotweins erwähnt. Im Schlusskapitel überrascht der Autor mit kulinarischem Gipfelglück. Ein Campingkocher, raffiniert vorbereitete Zutaten im Rucksack und genussvoll zelebrierte Kochkunst unterm Gipfelkreuz. Die Rezeptvorschläge reichen von Maultaschen, marinierten Kalbsschnitzeln, Rissotto-Kreationen bis zur rustikalen Kartoffelpfanne. Unter anderem dieser thematischen Vielfalt wegen wurde "Hoch empor" von der Zeitschrift Alpin zum Buch des Monats gekürt.
Peter Möbius
Das Buch hat 270 Seiten, beinhaltet 400 Bilder und ist im uweb-Verlag Tettnang erschienen. Zu bestellen über www.hochempor.de, Tel. 07542/953614; Preis: 29,90 Euro

Ein dickes Ausrufzeichen
Jetzt beginnt die entscheidende Phase
Marco Reich mit dominantem Auftritt