Friedrichshafen Frauen feiern Jubiläum
Eine Forderung, die Lilo Rademacher, Erste Bevollmächtigte der Industrie-Gewerkschaft Metall (IGM), am Samstag beim Arbeitnehmerinnenempfang im Graf-Zeppelin-Haus erneut gestellt hat.
„Die junge Generation Frauen gehört zu den am besten ausgebildeten Frauen, die es je in Deutschland gegeben hat, die aber, und das ist die bittere Wahrheit im Jahr 2011, immer noch 23 Prozent weniger Geld bekommen im Vergleich zu den Männern. Habe ich eine dreieinhalbjährige Ausbildung und gehe dann in den Beruf, bekomme ich als Frau 18,7 Prozent weniger bei gleichen Voraussetzungen, auch das ist ein Skandal im Jahr 2011 und ich sage auch noch einmal deutlich, es gibt steuerliche Anreize, wie das Ehegattensplitting, die solche Verhältnisse und solche Rollenbilder auch weiterhin prägen“, so Lilo Rademacher.
Es seien die alten Rollenbilder, die unsere Gesellschaft im Jahr 2011 prägen. „Was machen wir Frauen noch immer für einen Spagat, um berufstätig sein zu können, ohne als Rabenmutter zu gelten?“, sagte Rademacher zur Lage. In die Führungspositionen der 30 DAX-Unternehmen hätten es die Frauen auch mit Spagat nicht geschafft. In den Vorständen und im Management auf der zweiten Ebene sitzen nach Angaben der IG Metall nur 2,1 Prozent Frauen und in den 200 größten Unternehmen in Deutschland sind es drei Prozent. „Im Aufsichtsrat der ZF sitzt neben mir als Arbeitnehmervertreterin auf der Kapitalseite nur eine Frau, die ist Vorstandsmitglied bei Siemens“, so Lilo Rademacher.
Familienministerin Schröder vertritt deshalb in Rademachers Augen ein veraltetes und reaktionäres Frauenbild. „Da hilft nur eine gesetzliche Quote, damit endlich die Männerherrschaft in den Vorstandsetagen aufhört. Es gibt genügend qualifizierte Frauen für diese Positionen“, lautet ihre Meinung. Die IG Metall hat beschlossen, dass bei den nächsten Wahlen mindestens 30 Prozent Frauen auf der Arbeitnehmerbank in den Aufsichtsräten vertreten sind. „Das wird ein schwerer Kampf, weil wir es in der Elektro- und Metallindustrie mit den vielen Betriebsratsvorsitzenden aufnehmen müssen, die schon vom Status her meinen, sie gehörten als Erste in den Ausschuss“, so Lilo Rademacher.
Nicht weniger deutlich aber mit viel mehr schwäbischem Humor machte sich Ingrid Koch, „Worthandwerkerin“ aus Tettnang, einen Reim auf dieses Thema. Sie konnte die rund 60 versammelten Arbeitnehmerinnen mit warmherzigem Witz davon überzeugen, dass dem lieben Gott gravierende Fehler bei der Schöpfung des männlichen Prototyps unterlaufen sind. So hat er beispielsweise den Weichspüler vergessen, aber er hat es halt noch immer nicht gemerkt.
