Wieder einmal waren alle gekommen, die rund um Friedrichshafen Rang und Namen haben, zu den Freunden und Förderern der Zeppelin-Universität zählen sich sowohl Wirtschaftsgrößen, als auch führende Vertreter der Wissenschaft, der Politik und Kultur. Die Zeppelin-Universitätsgesellschaft (ZUG) hatte zum „Fundraising-Dinner“ ans Seemoser Horn geladen, und konnte auch in diesem Jahr gewissermaßen mit einem Stargast aufwarten: Frank-Walter Steinmeier, ehemaliger Vizekanzler und Außenminister und heutiger Fraktionschef der SPD-Bundestagsfraktion. Die Mensa und das Foyer der ZU war bis auf den letzten Platz besetzt, als Steinmeier gegen 18.30 Uhr eintraf.
Nach einer Begrüßung der studentischen Vizepräsidentin der Uni, Nora Schäfer, die sich bei der ZUG für die hervorragende finanzielle Unterstützung bedankte, war es Peter Buck, stellvertretender Vorsitzender der ZUG, der Steinmeier herzlich begrüßte. Er plädierte für eine „Europäisierung des Wissens“ und dankte den vielen Förderern der ZUG, die allein im letzten Jahr 276.000 Euro zur Verfügung stellten, um zahlreiche studentische Projekte zu fördern.
Stephan A. Jansen, Präsident der ZU, freute sich ganz besonders, Frank-Walter Steinmeier – den „ehemaligen Troikaner der SPD“ in Friedrichshafen zu Gast zu haben. „Damit machen Sie uns und Ihrem Kanzlerkandidaten eine besondere Ehre“, sagte Jansen in Richtung Steinmeier. Er ließ es sich auch nicht nehmen, kurz – aber prägnant – auf die fehlende „physische Mobilität“ in der Bodenseeregion hinzuweisen und bat Steinmeier, sich doch in Berlin einmal direkt um den Bau der B 31 zu kümmern: „Könnten Sie nicht einmal prüfen, wie das so ist mit unserer Bundesstraße?“, fragte er verschmitzt den SPD-Fraktionschef.
Nach Vorspeise (herbstliche Komposition verschiedener Terrinen) und Steinpilzsüppchen trat schließlich Frank-Walter Steinmeier ans Rednerpult. Er sei sehr gerne der Einladung an den Bodensee gefolgt. Zum einen, weil hier das Wetter immer besser als in Berlin sei, zum anderen, weil er nach dem Besuch des Stockacher Narrengerichts ein Trauma aufzuarbeiten habe und weil er drittens gerne an Universitäten komme, habe er doch selbst 35 Jahre lang die Wissenschaft als seine geistige Heimat angesehen. Eine Stunde lang referierte er dann zum Thema „Mut, Vernunft, Verantwortung: Europa am Scheideweg?“ – in Zeiten der Finanzkrise ein Thema, das alle interessierte. Neben einigen Abstechern in die Innenpolitik sprach sich der erfahrene Außenpolitiker klar für Europa aus: „Einen Rückzug ins nationale Schneckenhaus ist nicht möglich“, sagte er und plädierte dafür, trotz aller Schwierigkeiten weiter an der Zukunft Europas zu arbeiten.
Am Schluss verwies er auf die Philosophie des Grafen von Zeppelin: „Wir müssen das Wollen nicht nur Denken, sondern auch umsetzen, das Unwahrscheinliche wahrscheinlich machen.“
Nach der Hauptspeise (glacierte Perlhuhnbrüstchen an Biersenfsauce) ging es dann zum eher lockeren Teil des Abends über – und der Ehrengast war stundenlang mit den Studenten in Gesprächen vertieft. Die 234 Freunde und Förderer der ZU warteten derweil gespannt, auf die Ziehung der Tombola – die gesamten Einnahmen des abwechslungsreichen Abends mit dem SPD-Politiker werden den Studenten der ZU zugute kommen.
Die Zeppelin-Universitätsgesellschaft (ZUG) wurde im Herbst 2006 gegründet und hat derzeit rund 160 Mitglieder. Das Ziel des Vereins ist es, die Universität stärker in der Region zu verankern und die kreativen Ideen der Studenten finanziell und ideell zu unterstützen und zu ermöglichen. Jedes Jahr werden so ausgewählte Projekte der ZU-Studenten unterstützt, aber auch andere Investitionen, wie etwa für Musikinstrumente getätigt. (mom)
Die Zeppelin Universität (ZU), früher Zeppelin University, ist eine private, staatlich anerkannte Universität in Friedrichshafen. Die ZU erhielt im September 2011 als erste Privat-Uni in Baden-Württemberg das Promotionsrecht.
