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Friedrichshafen Feuer wütet in Asylbewerberheim

21 Männer lebten in der Unterkunft, die meisten schliefen, als das Feuer ausbrach. Heute beginnen Ermittler des Landeskriminalamtes mit der Suche nach der Brandursache.

Feuer überrascht Bewohner im Schlaf

Beißender Rauchgeruch liegt in der Luft, die Fenster sind teilweise zerborsten, das Dach vom Feuer zerstört. Ahmad Hemn schaut verzweifelt nach oben in das zerstörte Wohnheim, wo er die letzten Monate lebte. Er hatte geschlafen, als das Feuergegen 5 Uhr im ersten Obergeschoss ausbrach. „Jemand hat an mein Fenster geschlagen und dann habe ich auch schon den Rauch gerochen“, sagt er mit brüchiger Stimme.

Er schafft es gerade noch, sich anzuziehen, alles andere lässt er in seinem Zimmer zurück und springt aus dem Fenster. „Es war die reine Panik, alle haben geschrien und gerufen, wir haben noch versucht, die anderen zu wecken“, sagt der 32-jährige gebürtige Iraker, der schon seit zwölf Jahren in Deutschland und hier geduldet ist. „Wir hatten alle fürchterliche Angst“, sagt er. Auch Mahmut Hassal Shiwa steht vor dem Wohnheim und ist fassungslos. „Es ging alles so schnell. Als ich merkte, was los war, habe ich noch meine Tür geöffnet. Doch im Flur schlugen mir die Flammen entgegen – also sprang ich aus dem Fenster“, erzählt er. Er hatte zuerst gehört, dass Scheiben klirrten. Doch es war kein Streit, wie er zunächst vermutete, sondern das Bersten der Fenster durch die große Hitze.



Brandursache Unklar - Kriminalpolizei leitet Ermittlungen ein

Mahmut Shiwa und Ahmad Hemn sind die ersten beiden Bewohner, die aus dem Haus ihre Sachen holen wollen. Mit Tüten bepackt können die beiden das Nötigste mitnehmen – sie werden in Notunterkünften untergebracht werden. Die anderen Männer, die hier wohnten, wurden gestern nach dem Brand vom Deutschen Roten Kreuz betreut. Einsatzleiter Jürgen Bauer koordinierte die Hilfsmaßnahmen: „Die Männer waren alle ziemlich durcheinander. Aber jetzt geben wir ihnen Kleidung und sorgen für ihre Verpflegung“, sagte Bauer. Im Rotkreuz-Zentrum wurde gestern ein provisorisches Notquartier für die 21 Asylbewerber eingerichtet. Salipo Lemnyuy aus Kamerun ist einer der sechs Verletzten. Er erlitt Schnittverletzungen an der Hand, als er seine Fensterscheibe einschlug und verletzte sich am Knöchel, andere erlitten Rauchvergiftungen. Als er das Feuer bemerkte, stand der Flur längst in Brand, überall war Panik. „Ich stehe immer noch unter Schock, es war alles sehr schrecklich“, sagt der 40-Jährige.

Noch ist nicht klar, wie das Feuer entstehen konnte. Fest steht nur, dass es im Aufenthaltsraum des Gebäudes begann und sich von dort rasch ausbreitete. Die Kriminalpolizei leitete gestern Ermittlungen ein, wie Kriminaloberkommissar Thomas Oedingen bestätigte. „Wir ermitteln in alle Richtungen und haben Spezialisten vom Landeskriminalamt angefordert“, so der Kripo-Kommissar. Die werden heute ihre Arbeit in Waggershausen aufnehmen. Wie brisant ein Feuer in einem Wohnheim für ehemalige Asylbewerber ist, zeigte sich auch darin, dass sowohl Oberbürgermeister Andreas Brand als auch Sozialdezernent Andreas Köster vor Ort waren, um sich genau über die Umstände des Brandes zu informieren.

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