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Friedrichshafen Experte lehrt Selbstverteidigung mit „Combatives“

Kampfsportexperte Dieter Stadler bietet im Rahmen des Häfler Sommerferien-Sportprogrammes einen kostenlosen Selbstverteidigungskurs für Frauen an – die Verteidigungstechniken „Combatives“ sollen zu mehr Sicherheit verhelfen.

Welche Kampfsportarten haben Sie erlernt?

Ich trainiere seit über 20 Jahren. Beispielsweise Taekwondo, Wing Tsung, Fechten und innere chinesische Kampfkünste. Arnis natürlich auch.

 

Warum machen Sie Kampfsport?

Ich habe als junger Mann damit angefangen. Es ist ein toller Ausgleich für mich. Auch ein Ventil für alltägliche Aggressionen, die jeder Mensch hat. Andere gehen eben joggen oder angeln, ich trainiere Kampfsport.

 

Seit wann üben Sie selbst „Combatives“ aus?

Ich beschäftige mich seit 2011 ernsthaft damit.

 

Was macht diese Selbstschutzform so effektiv?

Sie beschränkt sich auf reelle Übergriffe. Die Techniken von Combatives sind auf den grobmotorischen Körperfunktionen aufgebaut, die auch unter Adrenalin noch funktionieren. Die Techniken dürfen nicht koordinativ schwierig sein. Jede Art von Gewalt, die in der Realität auftritt, wird berücksichtigt. Unsere Trainer waren selbst mit echter Straßengewalt konfrontiert und wissen, worauf es ankommt. Einer von ihnen war beispielsweise Türsteher in London. Wir versuchen das Gelernte weiterzugeben.

 

Warum sind „Combatives“ besonders für Frauen geeignet?

Wir arbeiten auch mit Täuschungs- und Ablenkungsmethoden. Das ist gut für Frauen anwendbar: Gehen wir von einem sexuellen Angriff aus, bei dem die Frau allein mit dem Täter ist. Sie sollte vortäuschen, seinen „Forderungen“ nachzukommen, um ihn dann abzuwehren und zu schlagen, wenn er seine Deckung nicht mehr oben hat und abgelenkt ist. Wenn einige Menschen um sie herum sind, sollte sie versuchen, so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf sich zu ziehen.

 

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihren Kursen?

Ich möchte den Menschen einen Werkzeugkasten in die Hand geben, um sich selbst verteidigen zu können. Je nach Situation kann man dann die passende Technik herausnehmen. Ich möchte verschiedene Möglichkeiten aufzeigen. Außerdem steht im Vordergrund, Gefahrensituationen zu erkennen und sie bewerten zu können. Jemanden „umzunieten“ ist am wenigsten wichtig. Das Ziel ist es, nicht kämpfen zu müssen. Außerdem ist es mir wichtig kein falsches Selbstbewusstsein zu schulen.

 

Glauben Sie, dass es unbedingt notwendig ist, eine Selbstschutzart zu erlernen?

Selbstschutztraining kann man auch als eine Art Versicherung betrachten. Bei einer Versicherung zahlt man regelmäßig Beiträge. Im Selbstschutztraining geht man eben jede Woche ins Training und die Beiträge sind Schweiß und harte Arbeit. Ich finde es wichtig, sich mit Gewalt bewusst auseinander zu setzen und nicht wegzuschauen. Außerdem haben Kampfsportarten und Selbstschutzkonzepte im Gegensatz zu anderen Sportarten einen zweiten Zweck. Hier steht nicht unbedingt der Sport im Vordergrund, sondern sich selbst schützen zu können.

Meiner Meinung nach sollte in Schulen der „Selbstschutzunterricht“ ein Bestandteil des Sportunterrichts sein.

 

Wie gefährlich schätzen Sie Friedrichshafen ein?

Auch hier in Friedrichshafen gibt es Prügeleien, sexuelle Übergriffe oder andere Gewalttaten. Man sollte immer davon ausgehen, dass man selbst auch in eine solche Situation kommen kann. Im Vergleich zu Großstädten ist Friedrichshafen jedoch kaum gefährlich. Doch ich gehe davon aus, dass die Gewalt auch hier steigen wird. Das hängt besonders auch mit dem erhöhten Alkoholkonsum zusammen.

 

Manche Menschen sagen, Gewalt hätte sich in der Hinsicht verändert, dass es früher zwar mehr Gewalt gab, aber nicht so brutal und skrupellos. Was denken Sie darüber?

Ich stimme dem zu. Früher war ein Kampf beendet, wenn jemand zu Boden geht. Heute fängt er gerade erst an.
 

Zur Person: Dieter Stadler

Dieter Stadler ist hauptberuflich im Qualitätsmanagement bei ZF Friedrichshafen tätig. Freiberuflich ist er Trainer der Kampfsportart Combatives und der Stockkampfart Arnis in Friedrichshafen. Seit mehr als 20 Jahren betreibt er Kampfsportarten. Im Friedrichshafener Sommerferien-Sportprogramm gibt er kostenlose Kurse. Anmeldung per E-Mail: info@vfb-fn-arnis.de.

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