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Friedrichshafen Er nimmt seinen Hut: Stephan A. Jansen verlässt die Zeppelin-Uni nun offiziell als Lehrender

Der Ex-Präsident der Zeppelin-Universität geht damit endgültig. Sein Lehrstuhl und Institut werden in Friedrichshafen nicht fortgeführt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor.

Die Zeit Stephan A. Jansens an der Zeppelin-Universität geht heute endgültig zu Ende. Der im September 2014 unter dem Eindruck massiver Vorwürfe zurückgetretene Uni-Präsident und Geschäftsführer des Hochschulbetriebs scheidet heute offiziell auch als Lehrstuhl-Inhaber aus. Reguläre Veranstaltungen unter seiner Leitung fanden in den vergangenen Monaten an der Uni in Friedrichshafen ohnehin nicht mehr statt. Jansen hatte bis zuletzt Hausverbot.

Ermittlungen dauern an

Angesichts dessen verwundert es nicht, dass es nach Angaben der ZU keine Abschiedsfeier für den langjährigen Vordenker der Uni gibt. Mit Beginn des Sommersemesters am 1. März gehört Stephan A. Jansen zum Lehrpersonal der Karlshochschule in Karlsruhe. Er hat eine Teilzeit-Professur am neu geschaffenen Lehrstuhl für Philantrophy und Civil Society. Am 9. März hält er an der privaten Fachhochschule seine Antrittsvorlesung.

Gegen den Ex-Präsidenten wird nach wie vor strafrechtlich ermittelt. Im Zentrum der Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Ravensburg steht nicht nur die frühere Provisionspraxis an der Privathochschule. Dabei geht es um den Verdacht des Betrugs zu Lasten jener Förderer, die private Gelder für Wissenschaft und Forschung an der Häfler Privat-Uni zur Verfügung gestellt haben – ohne zu wissen, dass bis zu zehn Prozent der Drittmittel und Spenden als Provisionen in private Taschen fließen. Hauptnutznießer dieses jahrelang angewandten Boni-Systems war der ehemalige ZU-Präsident selbst. Er hatte nach Recherchen dieser Zeitung maßgeblich darüber verfügt, wer in den Genuss der Boni kam. Die Staatsanwaltschaft lässt aber auch ein Netzwerk prüfen, das offenbar von Auftragsvergaben der ZU profitierte. „Es ist nicht absehbar, bis wann die Ermittlungen abgeschlossen sein werden“, teilt Erste Staatsanwältin Christine Weiss von der Staatsanwaltschaft Ravensburg auf Anfrage mit.

Zeppelin-Uni gibt bisherigen Lehrstuhl Jansens auf

Mit Jansens Abschied an der ZU gibt die Uni dessen Lehrstuhl auf und löst auch das von ihm geleitete Institut auf. „Die Zeppelin-Universität verfügt bereits über eine Reihe von Lehrstühlen, die sich intensiv mit den Themenfeldern Management und Finanzierung in Forschung und Lehre befassen und hochqualifiziert besetzt sind“, erklärt Pressesprecher Rainer Böhme auf Anfrage, warum Jansens Lehrstuhl für Stategische Organisation und Führung nicht unter neuer Leitung fortgeführt wird. Dazu gehöre beispielsweise der Lehrstuhl für Strategisches Management und Medien, den ZU-Präsidentin Insa Sjurts innehat.

Ebenfalls nicht mehr fortgeführt wird das „Civil Society Center“, das nach Auskunft der ZU seit Herbst 2010 eine Reihe von drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten bearbeitet hat, vor allem in Zusammenarbeit mit der Caritas, der Siemens-Stiftung, der Kfw-Bankengruppe und dem Forschungsnetzwerk der Stiftung Mercator. „Diese Projekte sind nunmehr abgeschlossen“, so Böhme. Teile des Themenfeldes, das das CiSoC vor allem im Zusammenhang mit Zivilgesellschaftsfragen bearbeitete, würden künftig vom Leadership Excellence Institute Zeppelin (LEIZ) an der ZU wahrgenommen.

Mit einem Abschiedsbrief, der auf der Internetseite der Zeppelin-Universität veröffentlicht wurde, hinterlässt Stephan A. Jansen ein letztes Statement. Er dankt darin den Mitarbeitern und Partnern. Nun gehe „eine kleine Ära mit vielen Projekten der Forschung, Lehre und Praxis zu Ende“.

Abgeschlossen ist dieses Kapitel für die Privat-Uni, die den Neuanfang geschafft hat, jedoch erst, wenn die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob es zur Anklage kommt oder nicht.

 

Zur Person

Stephan A. Jansen wurde 2003 zum Präsidenten der Zeppelin-Universität ernannt, die damals noch Fachhochschule war. Ende 2003 verlieh ihm das Wissenschaftsministeriums des Landes den Titel eines Professors als Berufsbezeichnung, als er den Lehrstuhl für Strategische Organisation und Finanzierung übernahm. Habilitiert hat sich Jansen nicht. Am 8. September 2014 trat er als ZU-Präsident zurück und wurde von allen Verantwortlichen mit großem Dank verabschiedet. Der Vorsitzende des ZU-Stiftungsvorstands, Werner Allgöwer, distanzierte sich erst im August 2015 öffentlich von ihm.

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