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Seehasenfest

Friedrichshafen

Friedrichshafen Eine Stadt feiert ihr Heimatfest

16.07.2010
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Der Einstieg in das 62. Seehasenfest ist mit einem traumhaften Eröffnungstheater geglückt.

Mehr als 300 Schülerinnen der Mädchenrealschule St. Elisabeth zogen bei der gestrigen Premiere alle Register und bezauberten mit „Lillys Buch“ die begeisterten Zuschauer im ausverkauften Graf-Zeppelin-Haus. Oberbürgermeister Andreas Brand blieb es vorbehalten, das Seehasenfest offiziell zu eröffnen und zusammen mit dem ganzen Saal das Heimatlied der Stadt Friedrichshafen anzustimmen.

Schüler haben ihre Sorgen und Nöte – das war schon immer so. Auch die Schülerinnen des Mädcheninternats St. Angela – gedankliche Parallelen zur Häfler Mädchenrealschule sind wohl nicht ganz zufällig und dürfen gerne gezogen werden. Logo, dass am Schuljahresende alle nach Hause fahren. Alle, außer Lilly (in der Premiere von Lena Lang gespielt). Sie fühlt sich „so leer und allein“ und bringt ihre Gefühle durch ein intensives Lied zum Ausdruck. Doch sie findet das Tagebuch von Agnes, einer früheren Schülerin, und begibt sich auf eine ganz andere, eine ganz eigene Reise. Also zurück in die Annalen der Schule und in eine fremde Welt.

„Wir sind stark, wir sind cool, wir sind unser eigener Held“ wird gesungen, während auf der Leinwand Fotos aus einem halben Jahrhundert gezeigt werden. Was gab es nicht alles: Boris Becker, Diddl-Figuren, Zauberwürfel, natürlich auch Seehasenumzüge und den Zeppelin NT. 50er Jahre: Vieles ist so „strange“, also anders. Damals gab's noch keinen Computer, dafür einen Tanzclub, den sich die Mädels auf dem Dachboden eingerichtet haben. Der Gesprächsstoff ist klar: Es geht um Backfische und Pauker, natürlich um eine Schwester Oberin und um „Hungerhaken“, die sich an den entsprechenden Stellen ausstopfen.

Dass „Kerle Kurven mögen“, wird nicht nur vom präsenten Chor klasse rübergebracht, sondern auch tänzerisch stimmig umgesetzt. Ein paar Jahre danach schwärmen allen vom coolen „James“, tanzen Boogie-Woogie und kaufen die ersten „Nietenhosen.“ Und später? Flower Power in den 60ern und „Null Bock“ in den 80ern – was sonst. Natürlich passen sich auch sprachliche Gepflogenheiten und Ausdrücke dem jeweiligen Zeitgeist an.

Idee, musikalische Umsetzung, einfallsreiche Bühnengestaltung, fetzige Choreographie, spannendes Schwarzlichttheater, nicht zuletzt die Klasseleistung der Solisten und des ganzen Ensembles – unter der Gesamtleitung von Karin Bank, Ulrich Meister und Eva Thaler passt alles. Auch an netten Regieeinfällen mangelt es nicht. Wenn einige Lehrer in kurzen „Gastrollen“ – wie etwa ein wirklich rassiger James Dean – glänzen, dann ist auch für Lacher im Publikum gesorgt. Am Schluss geht's zurück in die Zukunft und zur Erkenntnis, das jetzt vieles klarer erscheint. Gratulation für eine hervorragende Gesamtleistung!

Antrommeln auf dem Adenauerplatz Seehasen-Fanfarenzug zu Gast beim SÜDKURIER
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