Friedrichshafen - Jetzt könnte alles flott gehen: Die rechtlichen Hürden, die dem Thermalbad-Projekt in den vergangenen fast zehn Jahren im Weg standen, sind weggeräumt. Der Bebauungsplan für das Areal am Fischbacher Seeufer ist "wasserdicht". Nun liegt der Spielball beim Schweizer Investor Kurt Eicher, denn die Stadt wird ihm bis zur Sommerpause den vorläufigen Bauvorbescheid ausstellen, sagt Oberbürgermeister Josef Büchelmeier auf Anfrage des SÜDKURIER.
Damit ist eine zentrale Frage noch nicht geklärt: Kann Kurt Eicher dieses 35 Millionen Euro teure Projekt schultern? "Er hat uns zugesagt, fünf Monate nach Erteilung des Bauvorbescheids die Finanzierung nachzuweisen", sagt Büchelmeier. Spätestens bis Jahresende müsste Eicher demnach eine Bankbürgschaft über die komplette Summe vorlegen. Das allein reicht dem OB jedoch nicht mehr: "Ich möchte wissen, wer dahinter steht, um auszuschließen, dass es Gelder aus dubiosen Quellen sind. Und wir brauchen die Sicherheit, dass das Ganze wirtschaftlich zu betreiben ist."
Doch vor allem die Vorgeschichte in Blankenburg, wo Eicher ebenfalls ein Colani-Bad bauen wollte, nährt Zweifel, ob es dem Schweizer tatsächlich ernst mit seinen Bäderprojekten ist: Im März 2003 vereinbarte er mit der Stadt Blankenburg, dort eine Soletherme mit Kurgastzentrum auf einem sofort verfügbaren Areal zu bauen. Ende 2004 lief die Frist für eine Kaufoption dieses Grundstücks erstmals ab. Eicher teilte dem Bürgermeister Frank Schade kurz vorher mit, dass er das Geld nicht beisammen habe. Solch ein Vorhaben sei eine "zu exotische Immobilie" für klassische Immobilienfonds. Er benannte ein "hohes Risiko einer Betreiberimmobilie" bei Banken und auch Großinvestoren.
Der Finanzplan für das 50 Millionen Euro teure Projekt in Blankenburg sah vor, dass 18 Millionen Euro aus dem Eigenkapital der früher von Eicher gegründeten Aedis Immobilien Management AG (die ein Stammkapital von rund 400000 Euro hat) "und weiteren Investoren" kommen. 10 Millionen Euro sollten aus der Wirtschaftsförderung fließen, 22 Millionen Euro über "Darlehen aus verschiedenen Förderungsprogrammen und Banken" finanziert werden. Da Eicher die "Ängste und Risikoabschätzung der klassischen Finanzdienstleister und Investoren" aber nicht teile, halte er an dem Projekt fest und wolle daher die Vereinbarung mit der Stadt verlängern, schrieb er Schade. Ein Jahr später bat er erneut um Aufschub. Nach drei Jahren erfolglosen Suchens nach Geldgebern teilte Eicher schließlich vor acht Wochen dem Blankenburger Bürgermeister mit, dass die Finanzierung des Projekts zumindest derzeit "nicht darstellbar" und daher eine weitere Verlängerung der Verträge "nicht sinnvoll" sei (wir berichteten).
Seltsam ist ein Detail der Beziehungen zwischen Eicher und der Stadt Blankenburg. Für das Therme-Projekt samt Kurgastzentrum wurden im Oktober 2003 zwei Firmen gegründet: die Sole Therme GmbH sowie die Aedis Hotel und Bäder Betriebs GmbH, beide mit Firmensitz in der Harzstraße 3 in Blankenburg - der Adresse der Rathauses! Geschäftsführer der beiden Firmen ist Kurt Eicher
Gesetzt den Fall, Kurt Eicher bekäme das Geld für das Therme-Projekt in Fischbach zusammen, bleibt eine weitere zentrale Frage: Was soll in dem "Gesundheitszentrum" angeboten werden? Klare Aussagen ist der Investor bisher schuldig geblieben. Den seit Jahren im Raum stehenden Vorwurf, er wolle am Bodensee ein Esoterikzentrum etablieren, hielt er nur eine wenig konkrete Zusatzvereinbarung entgegen, die er 2003 mit der Stadt schloss: Es werde hier nur Heilmethoden Raum gegeben, die "Gesundheit, Autonomie und Selbstverantwortung des Einzelnen fördern".
Wie sich jetzt herausstellte, ist Eicher selbst Mitglied des "Schweizerischen Verbandes für Natürliches Heilen" (SVNH), dem etwa 6500 Mitglieder angehören, wobei viele als Heiler, Medien oder Handaufleger tätig sind und mit sanften Energien aus übersinnlichen Sphären arbeiten. Seit Monaten werden interne Querelen um die Verbandsspitze öffentlich ausgetragen. Einer der Aktivposten der "Bewegung Pro SVNH", die den Heilerverband reformieren wollen, ist Eicher. Auf der homepage (www.bewegung-pro-svnh.ch) bezeichnet er sich nicht nur als Bauunternehmer, sondern nennt sich "spiritueller Heiler". Zudem tritt er als Präsident des Vereines "Wise Crystal" und der Friedensuniversität in Erscheinung - wiewohl er hier übertreibt. Bei der Berliner "Friedensuniversität", einem Sammelbecken von Aktivisten der spirituellen und esoterischen Szene, war er lediglich Schatzmeister. Und bei Wise Crystal, dem "Verein zur weiteren Untersuchung der Wasserkristalle und -qualitäten mit, nach und im Sinne von Masaru Emoto" war er Vizepräsident.
Wie dem auch sei: Bis Ende 2007 sollte klar sein, ob es mit dem Colani-Bad von Eicher etwas wird. Auch für Büchelmeier ist dann das Ende der Fahnenstange erreicht: "Ich bin nicht bereit, das länger auszuhalten."
Info:
Die Verträge der Stadt mit Investor Kurt Eicher über den Bau des Thermalbads mit Gesundheitszentrum datieren von 1999. Zum einen wurde ein Rahmenvertrag geschlossen. Zum anderen wurde ein Vertragsangebot für den Abschluss eines Erbbaurechts- und Pachtvertrages für das Areal See- und Freibad Fischbach verfasst, der für beide Seiten fünf Jahre bindend war. Dieses Vertragsangebot wurde von Kurt Eicher bislang drei Mal verlängert und gilt aktuell bis November 2007. Der eigentliche Erbbaurechts- und Pachtvertrag kommt jedoch erst mit der notariellen Beurkundung der Annahme-Erklärung seitens der Stadt zustande. Das heisst, dass der Gemeinderat nach wie vor darüber entscheiden kann, ob er dieses Vertragsangebot annehmen will oder nicht.
Für den Fall, dass Kurt Eicher - aus welchen Gründen auch immer - das Thermalbad nicht baut, müsste die Stadt neu entscheiden. Verschiedene Alternativen stehen allemal zur Wahl: von der Suche nach einem anderen Investor bis zu völlig anderen Überlegungen, was aus dem heutigen Familienbad in Fischbach werden soll. Fakt ist, dass die baulichen Anlagen des Frei- und Seebads marode sind und derzeit Jahr für Jahr das Nötigste geflickt wird, um das Bad in der Saison öffnen zu können. (kck)
Kommentar:
"Zeit für Notbremse"
Mit Verlaub: Wer glaubt jetzt eigentlich noch daran, dass Kurt Eicher für das Projekt in Fischbach - und noch dazu binnen eines halben Jahres - die nötigen Geldgeber findet? Geschlagene drei Jahre hat Blankenburg darauf gewartet, dass der Möchtegern-Investor das baureife Areal kauft, um dort die Soletherme und das Kurgastzentrum à la Colani zu bauen, das dem Fischbacher Projekt überaus ähnelt. Keine Klagen, keine Gegner, keine Probleme mit dem Bebauungsplan gab es dort. Aber drei Jahre blieb er den Finanzierungs-Nachweis schuldig.
Dagegen ist die Stadt Friedrichshafen mit Millionen-Beträgen in Vorleistung gegangen, hat viel Geld für die Bohrung nach Thermalwasser, für die Änderung des Landschaftsschutzgebietes in Fischbach, für den neuen Bebauungsplan, für Gutachten und Rechtsanwälte und nicht zuletzt für Notreparaturen am Seebad selbst berappt. Um dieses beliebte Bad an exponierter Stelle einem spirituellen Heiler zu überlassen?

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