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Friedrichshafen Durchsichtiges, eindringliches Klangbild

26.04.2010
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Das SinfonieorchesterFriedrichshafen begeistert mit einem anspruchsvollen Konzert im GZH

Zu welcher Qualität das Sinfonieorchester Friedrichshafen unter der Leitung von MD Joachim Trost fähig ist, beweisen die rund 90 Musiker am Samstagabend im Graf-Zeppelin-Haus. Mit Werken von hohem Anspruch bescheren sie im Hugo-Eckener-Saal einen genussreichen Konzertabend. Für ein Liebhaber-Orchester, das auch aus Amateurmusikern besteht, stellt dies eine besondere Herausforderung dar, die das Orchester sehr souverän und mit außerordentlicher Spielfreude bewältigt.

Flexibilität und Wandlungsfähigkeit offenbart sich schon in der Ouvertüre zur Oper „Oberon” von Carl Maria von Weber, die mit großer Dynamik und Feinsinnigkeit Webers Tonsprache wiedergibt: betörender Zauber, in stürmische Passagen umgesetzte Naturgewalt oder geheimnisvolles orientalisches Kolorit. Alles in allem ein rauschender Auftakt, in dem sich das Sinfonieorchester mal kraftvoll zupackend, mal einfühlsam oder schwärmerisch zeigt – hier sind besonders die duftigen Geigen ausschlaggebend.

Dann folgt das 2. Klavierkonzert f-Moll, op. 21 von Chopin mit dem herausragenden Pianisten Kevin Kenner. Seine exquisite Anschlagskultur allein ist schon hörenswert. Seine Interpretation ist eine Offenbarung, und man fragt sich, warum es ihm nicht jeder gleich tut. Wunderbar, dieser klare, präzise Anschlag, diese energische Kraft einerseits und diese Zartheit andererseits, und so leise, als würde Kenner die Tasten kaum berühren. Überragend ist seine Kunst auch deshalb, weil er es versteht, in nur wenigen Takten Spannung zu erzeugen und dadurch zu differenzieren, dass er zum Beispiel im Tempo verzögert, die Töne auskostet, um sich dann mit Leidenschaft in die nächste Phrase zu stürzen.

Mit einer Mischung aus Intensität, Kraft, Poesie und Emotion bei gleichzeitiger technischer Brillanz hat Kenner alles, was man sich nur wünschen kann: bestechende Akkuratesse, markante Akzente, sanft perlende oder wild sprudelnde Läufe. Auch im zweiten Satz, in dem das Orchester stimmungsvolle Klangbilder malt, zelebriert Kenner die Musik, bis hin zu silberhellen, verhauchenden Tönen, um dann gleich wieder furios in die Tasten zu preschen.

In seiner Begleitfunktion zeigt das Sinfonieorchester große Einfühlsamkeit und Flexibilität, gerade in den vom Solisten vorgegebenen Tempiwechseln und Differenzierungen. Als intoniertes Tanzthema, mit der Bravour eines Perpetuum mobile, rollt Kenner das Finale, Allegro vivace, ab, wobei er sich meist in kapriziös, elegant und spritzig dahinjagenden Triolenpassagen und -läufen bewegt und in einen, vom Solohorn angekündigten dahineilenden Schluss steigert.

Und weil der Applaus nicht enden will, gibt Kenner noch eine atemberaubende, seelenvolle Zugabe. „Mich erwärmt und begeistert dieses Werk ganz besonders, weil ein kühner Schwung, eine tiefe Leidenschaft darin ist, wie in keinem anderen von Roberts Werken”, soll Clara Schumann über die 2. Sinfonie C-Dur, op. 61, ihres Mannes gesagt haben. Trotz des hohen Schwierigkeitsgrades in der Umsetzung der Stimmungsschwankungen, Rhythmenwechsel und Dynamik gelingt es dem Sinfonieorchester, dies in einem durchsichtigen Klangbild mit fein ausgeleuchteten Details den Zuhörern zu vermitteln. Vor allem die Geigen mit ihren rasenden Achtelläufen sind hier zu bewundern. Deshalb verlangt das Publikum auch noch eine Zugabe. Und wird mit einem knackigen, spritzigen Ausschnitt aus der Nussknacker-Suite von Tschaikowsky belohnt. Auch diesmal hat das Sinfonieorchester musikalischen Genuss auf hohem Niveau beschert.

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