In der Friedrichshafener Tognum AG brummen die Motoren wird kräftig: Bis Ende des Jahres sollen weltweit rund 1000 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Am Stammsitz Friedrichshafen sollen 320 neue Stellen geschaffen werden. Ursache dafür ist ein stetiges Wachstum der Auftragseingänge im ersten halben Jahr.
Der Dieselmotorenbauer Tognum AG (Friedrichshafen) sucht dringend Fachkräfte. Anlässlich der Präsentation der positiven Bilanzzahlen für das erste Halbjahr dieses Jahres kündigte Vorstandsvorsitzender Volker Heuer an, dass im laufenden Jahr weltweit knapp 1000 neue Stellen im Konzern geschaffen werden, die Hälfte gibt es bereits. Von den 630 neuen Arbeitsplätzen in Deutschland sind 320 am Stammsitz in Friedrichshafen vorgesehen. Gesucht werden Facharbeiter, Ingenieure, aber auch Betriebswirte.
Ursache für die große Zahl an neuen Stellen ist das weitere Wachstum bei den Auftragseingängen. Deren Volumen ist in den ersten sechs Monaten des Jahres um knapp 19 Prozent gestiegen. „Auch im zweiten Quartal ist es gelungen, den wirtschaftlichen Aufschwung voll zu nutzen“, sagte Heuer. Profitieren konnte die Tognum AG vor allem im Geschäftsfeld Öl und Gas dank höherer Investitionen beispielsweise in Fördertechnik aufgrund der gestiegenen Rohstoffpreise. Nur in einer Sparte, nämlich im Rüstungsbereich schrumpfte der Umsatz, da mehrere Projekte planmäßig ausliefen.
Noch keine konkreten Angaben konnte Heuer auf Nachfrage dieser Zeitung zu einem geplanten Rüstungsgeschäft mit dem Heer der US-Armee machen. Drei Firmenkonsortien haben sich mit ihren Panzern um den Zuschlag beworben – alle Kettenfahrzeuge fahren mit Tognum-Motoren. Der Dieselmotorenbauer vom Bodensee ist also in jedem Fall im Geschäft. Und Heuer geht davon aus, dass es für dieses geplante Rüstungsprogramm keine Einschnitte geben werde. Schließlich seien damit Arbeitsplätze verbunden und diese benötige die US-Wirtschaft. Über das mögliche Finanzvolumen eines solchen Geschäfts wollte Heuer keine Aussagen machen. Denn es sei noch nicht klar, welche Motoren mit welchen Ausstattungen bestellt würden. „Sehr intensiv“ beobachtet das Tognum-Management auch, ob es den geplanten Verkauf von Leopard-Panzern nach Saudi-Arabien geben wird. Doch bisher seien weder Anfragen noch Bestellungen eingegangen. Die deutschen Panzer werden von Motoren der Tognum-Tochter MTU angetrieben.
Der Vorstandsvorsitzende sagte weiter, dass im Zuge der Übernahme der Tognum AG durch Daimler und Rolls-Royce bis spätestens im September „klare Verhältnisse“ geschaffen seien. Die europäische Kartellbehörde hat die Übernahme genehmigt. Die Entscheidungen der US-amerikanischen wie der chinesischen Wettbewerbswächter stünden noch aus. Heuer erwartet aber keine Probleme.
Noch in diesem Jahr werde sich das Tognum-Management für einen neuen Produktionsstandort in Osteuropa entscheiden. Heuer bestätigte Informationen dieser Zeitung, dass sich unter den vier Ländern, die noch in der Auswahl sind, Polen und die tschechische Republik finden. Bis zum Jahresende werde ein Kaufvertrag unterzeichnet sein. Dies sei nötig, da ab 2013 in dem neuen Werk produziert werden soll.
Für Heuer war die Präsentation der Zahlen seine letzte. Er scheidet am 30. September aus dem Unternehmen aus. Sein Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter, Joachim Coers.
Kommentar: Keine Hängepartie