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Friedrichshafen Die militärgeschichtliche Sammlung von Wolfgang Kneifl ist groß

Menschen am See: Wolfgang Kneifl investiert seine gesamte Freizeit, um mit seiner militärgeschichtlichen Sammlung ein Stück Stadtgeschichte zu retten.

Friedrichshafen (afr) Fahnen, Wappen, Ansichtskarten, Uniformen, Wimpel, Abzeichen, Urkunden und noch viel, viel mehr, die militärgeschichtliche Sammlung von Wolfgang Kneifl ist in den vergangenen 25 Jahren auf mehr als 500 Teile angewachsen. Sie deckt die Zeit von 1913 bis 1993 ab. "Weil Friedrichshafen insgesamt 80 Jahre Garnisonsstadt gewesen ist", sagt er. Derzeit trägt der Häfler Sammler als größter Leihgeber mit rund hundert Exponaten zur Ausstellung "Ça va Friedrichshafen?" bei.

Die Ausstellung im Stadtarchiv befasst sich mit der französischen Besatzung in Friedrichshafen, dem Lieblingsthema von Wolfgang Kneifl. Denn mit dem Abzug der Soldaten ging es los. Quasi über Nacht waren die französischen Besatzer aus der Stadt verschwunden. Für den damals knapp 30-Jährigen ein prägendes Erlebnis, der Beginn einer neuen Zeitrechnung, Friedrichshafen war nicht mehr Garnisonsstadt. Die Franzosen, die für Kneifl ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehört hatten, waren, bis auf ein paar Zivilisten, plötzlich fort. Die militärischen Gebäude wurden abgerissen oder umgenutzt. Viele Dinge, die an die Militärgeschichte erinnerten, wurden achtlos weggeworfen. Wolfgang Kneifl beschloss, dieses Stück Stadtgeschichte zu retten und sammelte nach Kräften. Ende der 90er Jahre hatte er für seine Exponate sogar einen Ausstellungsraum im Fallenbrunnen, aber dann wurde der Platz von der Swiss International School benötigt. Seither lagert die Sammlung bei einem Freund. Wieder dauerhaft auszustellen, vielleicht Führungen an militärhistorischen Orten anzubieten und diesen Teil der Stadtgeschichte für seine Webseite aufzuarbeiten, ist sein Ziel.

"Das Material für alle zugänglich zu machen wird mal meine Rentenbeschäftigung", sagt der 55-Jährige, der seine gesamte Freizeit investiert. Die Zeit drängt, die letzten Zeitzeugen verschwinden. Und was noch an Erinnerungsstücken da ist, fliegt bei Wohnungsauflösungen meist in den Müll. Aber vielleicht findet die Sammlung ja doch noch ihren Weg ins Museum, als kleiner Teil der großen Häfler Stadtgeschichte. Bis dahin sammelt Kneifl weiter. Am liebsten wären ihm ein paar Gleichgesinnte, die mithelfen, die militärische Seite der Stadtgeschichte vor dem Vergessen zu bewahren, denn das, so sagt er, sei wirklich viel Arbeit.

Kontakt: E-Mail: kontakt@garnisonfn.de oder telefonisch unter 0 75 41/7 00 56 52. Informationen im Internet: www.garnisonfn.de

Die Serie

In der Serie stellen wir in loser Folge Menschen vor, die etwas Außergewöhnliches leisten, einen besonderen Job oder eine besondere Lebensgeschichte haben oder einfach nur Spannendes zu erzählen – „Menschen am See“ eben. Haben Sie einen Vorschlag? Dann schreiben Sie uns an friedrichshafen.redaktion@suedkurier.de unter dem Betreff „Menschen am See“.

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