Einen ganz besonderen Draht zu Petrus haben die Friedrichshafener Narren am Samstag gehabt. Mit fast frühlingshaften Temperaturen, blauem Himmel und Sonnenschein versüßte er den großen Umzug, der sich mit 54 Narrenzünften und Kapellen als närrischer Lindwurm durch die Stadt bis zum Graf-Zeppelin-Haus zog.
„Gockelores – Kikeriki“, da klingt der Narrenruf der Seegockel gleich doppelt so schön.Gleich zu Beginn hieß es für die jungen Mädchen in Deckung zu gehen, um nicht den Fischbacher Bächlesfischern ins Netz zu gehen, die dieses Jahr ihr Jubiläum der Gründung vor 50 Jahren feiern. Dafür wurde der Bächlesfischer-Gruppenführer Bernd Wolferseder – er kommentierte den Umzug in der Eugenstraße – von den nächsten Jubilaren in die Pflicht genommen. Die 60-jährigen Riedhänsele aus Lottenweiler ließen den „Bäfi“-Chef über ihre Karbatsche Seil hüpfen, bevor sie sie kräftig schnellen ließen.
Das konnte dem Häfler Zunftmeister Uli Müller nicht passieren, denn er war auf der Ehrentribüne in Sicherheit. „Hier kommen ja mehr Waldhexen als Ailingen Einwohner hat“, rief er der starken Gruppe entgegen. Dafür bekamen die Göhrelöchner aus Kluftern ihr Fett ab, als sie ein Umzugsloch entstehen ließen. „Im Badenerland dauert halt alles etwas länger“, scherzte Uli Müller.
Der Narrenruf „Siesch dr Butz gucka – mit ra Zahnlucka“, ging noch nicht so flüssig von den Lippen der Zuschauer, war die Narrengilde Schwaaz'r Butz aus Unterschwarzach doch zum ersten Mal beim Häfler Narrensprung dabei. Auch bei „Ja verreck – dr Rälle kommt oms Eck“ mussten die Zuschauer am Straßenrand in den Narrenfahrplan schauen, um dem Wolfsrälle aus Ringschnait richtig und schnell genug antworten zu können. Premiere auf Friedrichshafens Straßen feierten die schaurigen Esch-Dämonen aus dem Seewiesenesch mit grüner Maske und roten Augen. „S' Böse lacht – Dämonennacht“ lautet ihr Narrenruf, mit dem sie sich in die Reihe gruseliger Gestalten einreihen.
Zahlreiche Musikkapellen, Fanfarenzüge und Lumpenkapellen brachten nicht nur die Masken- und Hästräger, sondern auch die närrisch aufgelegten Zuschauer am Straßenrand in Stimmung. Auch optisch ein besonderer Hingucker war der Trommlerzug Graf Ferdinand vom Ines im Kuhkostüm. Verwuschelte Haare, Hüte und Mützen, die von einem Kopf zum anderen wandern, Konfetti im Kragen und ein Bad im Papierschnipselbottich: Die Narren trieben ihren Schabernack mit den Zuschauern. Für die Kinder war natürlich der Bonbonregen von den Festwägen und die Leckereien aus der Hand der Narren noch wesentlich wichtiger.
Am Ende schallte es nochmals „Gockelores – Kikeriki“ durch die Straßen, als die Narrenzunft Seegockel den Umzug von hinten aufrollte. Nach dem Motto „Das Beste zum Schluss“ sprangen Pauliner Kuckuck, Seewald-Kobolde, Buchhornhexen, Seegockel, Hafennarren und Seegrendl.