Es brodelt in Sachen Mammutbaum immer höher: eine inzwischen gegründete Bürgerinitiative PRO MAMMUT wird am Samstag, 18. August, um 18 Uhr für den Erhalt des 148 Jahre alten Mammutbaums vor dem Haus oder im Garten des Mehrfamilienhauses in der Schmidstraße 15 demonstrieren, teilt Arno Kleiß mit. Eingeladen ist jeder, der gegen die Fällung des Naturdenkmals am Dienstag ist. Aus dem bisher bekannten Kreis rechnet er mit rund 30 Teilnehmern.
Am Freitag wurde außerdem ein Schreiben erarbeitet, die der Hausverwaltung des Mehrfamilienhauses die Erlaubnis entzieht, für die Eigentümer Vereinbarungen zu treffen, berichtet Kleiß. Fünf der acht Eigentümer der Wohnungen des Hauses wollen unterschreiben, einer ist dagegen, zwei waren aus verschiedenen Gründen noch unklar. Die Hausverwaltung hatte ohne Rücksprache mit den Eigentümern der Fällung gegenüber der Stadt zugestimmt. Gleichzeitig hat Kleiß als einer der Eigentümer mit seiner Frau bereits eine Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet. Diese hat die Hausverwaltung angeschrieben und fordert sie auf „unverzüglich die der Stadt Friedrichshafen erteilte Genehmigung zur Fällung des Mammutbaumes zu widerrufen und der Stadt Friedrichshafen mitzuteilen, dass der Fällung und einer Betretung des Grundstücks durch das Baumfällunternehmen zum angekündigten Termin ausdrücklich widersprochen wird.“ Die Hausverwaltung ihrerseits, hatte zuvor kurzfristig für Montagabend eine Eigentümerversammlung einberufen. Die Rechtsvertretung von Kleiß fordert die Hausverwaltung allerdings angesichts der oben erfolgten Abstimmung der Interessen auf, bis Montag, 20.
August, 12 Uhr, nachzuweisen, dass der Widerspruch bei der Stadt erfolgt ist. Andernfalls werde man diese Ansprüche „im Wege eines gerichtlichen Eilverfahrens durchsetzen“. „Wir wollen erreichen, dass der Baum nicht am Dienstag und überhaupt nicht gefällt wird“, sagt Kleiß.
Ein Unternehmen aus dem Kreis Ravensburg wurde mit der Fällung betraut, die am Dienstag um 7 Uhr beginnen soll. Ein notwendiger Kran, um den 35 Meter hohen Baum zu fällen, wurde nach Informationen von Kleiß bereits gemietet. Dem Baumfällunternehmen wurde von Seiten von Kleiß mitgeteilt, dass man den Zutritt auf das Grundstück verweigern werde. Die Auftragsvergabe durch die Stadt soll erfolgt sein, nachdem der Protest von Teilen der Eigentümer am vergangenen Dienstag bei der Stadt bereits bekannt war. Wie berichtet, beharrt die Stadt bisher auf ihrem Vorhaben, da der Baum nicht mehr verkehrssicher sei und sie die Verantwortung deshalb ablehne. Am Freitag hat sich Kleiß in einem „Eilbrief“ an Oberbürgermeister Andreas Brand gewannt und ihn um eine Moratorium für die Fällung gebeten.
Dem Mammutbaum wird Bruch- und Kippsicherheit in dem inzwischen eingesehenen Gutachten des öffentlich bestellten Sachverständigen aus Konstanz bescheinigt, aber auch die Gefahr des vermehrten Astabwurfs seit 1996. Ursachen für die vergangenen Astabwürfe werden in dem Gutachten selbst nicht genannt. Möglicherweise handelt es sich Spätfolgen von schweren Frostschäden aus dem Jahr 1956 beim Wachstum, die schon einmal im Jahr 2000 zu Pflegemaßnahmen führten. Es gibt aber auch Mutmaßungen von Seiten mancher Anwohner, dass die aktuellen Schäden durch einen Baukran entstanden seien, der auf einem Nachbargrundstück stand. Die Gegner der Fällung fordern jetzt eine Chance, die Entscheidungsgrundlagen einer kritischen Prüfung zu unterziehen, bevor Tatsachen geschaffen werden. Dazu werde Zeit benötigt, so Kleiß, insbesondere, da die beiden Experten, also der Konstanzer Gutachter und der freie Gutachter des Überlinger Baumpflegebetriebs, derzeit in Urlaub sind.
