Zu den vielen Menschen, die tagtäglich die Basilika Birnau besuchen, kommen während des Jahres die speziellen Wallfahrten mit Gottesdiensten hinzu. Am gestrigen Sonntagnachmittag hatte das Katholische Männerwerk der Region Bodensee und die Katholische Regionalstelle Bodensee-Hohenzollern der Erzdiözese Freiburg zur großen Männerwallfahrt eingeladen.
Uhldingen-Mühlhofen - Zahlreiche Gläubige aus der ganzen Bodenseeregion - Männer und Frauen - waren der Einladung zu dieser traditionellen Wallfahrt gefolgt. Dem Wortgottesdienst ging in der Marienkirche der Zisterzienser das Rosenkranzgebet voraus. Der Wallfahrtsgottesdienst wurde vom polnischen Salesianerpater und Konstanzer Dekanats-Männer-Seelsorger Leszek Smaglinski (Pfarrei Maria Hilf in Konstanz) unter Assistenz von Pater Johannes, dem Prior des Birnau-Klosters, zelebriert.
Jesuitenpater Bernd Paal aus St. Michael in München predigte zum Thema "Glauben in einer säkularisierten Welt." Der Prediger war früher Seelsorger der Hochschulgemeinde Konstanz. Die Schola von St. Suso in Konstanz unter Günther Rau gestaltete musikalisch mit den Psalmengesängen den Wallfahrtsgottesdienst.
Den jüngst gefeierten "Tag des offenen Denkmals", in den auch die 1597 geweihte Kreuzkapelle in St. Michael in München eingebunden gewesen war, nahm Pater Bernd Paal als Hintergrund dafür, dass in einer säkularisierten Welt zu glauben nicht leicht sei. Denn die dort aufbewahrten und an diesem Tag gezeigten Reliquien ließen im kritisch nachfragenden Geist die Frage nach der Echtheit aufkommen. Im gläubig-vertrauenden Sinn sei diese Frage aber nur zweitrangig. Der nämlich, auf den die Reliquien hinweisen wollen, Jesus von Nazareth, sei sicher echt. Die Verehrung gelte ihm, dem Christus-Messias, dessen Leben auch die Bilder in den Kirchen verdeutlichen wollten. Und dieser Jesus sei "nicht der Chef", der sich bedienen lassen wollte, sondern der selber gedient hat. Er habe nicht an seinem Leben festgehalten, sondern bis zur Hingabe seines Lebens gelebt. In der damaligen Zeit seien gerade die niedrigsten und als würdelos erachteten Menschen mit dem Kreuzestod bestraft worden. So gesehen habe Jesus bis zu seinem Tod am Kreuz seine Solidarität mit denen bekundet, die ganz unten lebten. "Jesus ist unglaublich menschlich", weil er sein Leben radikal auf Gott beziehe. Unbedingtes Vertrauen sei das Qualitätsmerkmal dieses Lebens.
Auch der in einer säkularisierten Welt lebende Mensch könne im gläubigen Vertrauen Jesus begegnen. Dort, wo die Liebe stärker sei als der Hass, das Vertrauen stärker als die Absicherung. Wo aus Kleinem Großes erwächst, wo die Letzten die Ersten sind, wo Nacht und Dunkelheit nicht siegen, sondern das täglich zu bewältigende Leben, das Festhalten im Glauben auch unter schwierigen Umständen. Als Christ in der säkularisierten Welt zu leben wird dann zur Alternativen, wenn das Leben als Geschenk betrachtet werde. Im Sinn der Predigt galten die Fürbitten im "Grundton der Dankbarkeit" den Menschen, "denen wir unseren Glauben verdanken."