Die Gerüchte kommen immer wieder auf, wenn schon früh am Morgen Rotorengeräusche über Friedrichshafen zu hören sind. Besonders hellhörig sind manche Zeitgenossen, seit sich der damalige Landtagsabgeordnete Hans-Peter Wetzel für die nächtliche Luftrettung ins Zeug gelegt hat. Er hatte im Januar vergangenen Jahres von einem „Durchbruch“ gesprochen, weil das Land angeblich vorhatte, zwei Stationen für den 24-Stunden-Betrieb einzurichten. Von Friedrichshafen war allerdings schon damals nicht die Rede.
„Wir haben in Baden-Württemberg nur den Auftrag, tagsüber im Einsatz zu sein“, sagt Petra Hentschel zur Begründung. „Am Können scheitert's jedoch nicht.“ Zum Beleg verweist sie auf den Umstand, dass die DRF acht von bundesweit 28 Stationen rund um die Uhr betreibt. Das sei in erster Linie eine Frage der Finanzierung. „Da müssen die Krankenkassen mitspielen.“ Ein 24-Stunden-Betrieb sei doppelt so teuer wie der normale Tages-Betrieb, rechnet die Sprecherin vor.
Und was ist mit Nachtsichtgeräten? Der in Friedrichshafen stationierte Hubschrauber sei dafür nicht ausgerichtet, räumt die DRF-Sprecherin freimütig ein. „Für uns sind Nachtsichtgeräte nur ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor, aber keine Grundvoraussetzung“, sagt Petra Hentschel. Wichtiger sei das Ausleuchten der Einsatzstelle durch die Feuerwehr.
Beim Stuttgarter Innenministerium ist das Ausdehnen des Tages-Betriebs auf Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft am Standort Friedrichshafen derzeit kein Thema. „Wir erwägen zwar, einen Standort in Baden-Württemberg nachtflugtauglich zu machen. Dabei haben wir aber Mannheim im Blick“, sagt Pressesprecher Andreas Schanz. Die Kostenträger und die Betreiber seien bereits im Gespräch. Warum Mannheim im Fokus der Landesregierung steht? „Weil an diesem Standort die luftverkehrsrechtlichen Hindernisse am geringsten sind“, sagt Schanz. „Außerdem befinden sich zwei Universitätskliniken der Maximalversorgung im Einzugsbereich.“
Dass in Baden-Württemberg die Rettungshubschrauber nur tagsüber eingesetzt werden dürfen, hängt mit dem Grundsatz, der Rettungsdienst sei mit bodengebundenen Kräften sicherzustellen, zusammen. Sagt das Innenministerium. Im Ernstfall werden jedoch auch Hubschrauber aus der Schweiz (St. Gallen, Zürich, Basel) oder aus anderen Bundesländern, wo es die Nachtflugerlaubnis gibt, eingesetzt.
Um das Klinikum Friedrichshafen ist der Medizin Campus Bodensee mit Mutter-Kind-Zentrum, Psychiatrischer Klinik und weiteren Angeboten entstanden.

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