Friedrichshafen Bodensee Players überzeugen mit zündender Komödie

Die neue Produktion "Caught in the Net" zeigt einen Londoner Taxifahrer in Bedrängnis: Heimlich führt er zwei Ehen, aus denen zwei Kinder hervorgegangen sind. Und weil die Sprösslinge einander kennengelernt haben, droht nun eine unsanfte Familienzusammenführung. Heute und morgen finden Aufführungen im Casino Kulturraum statt.

„Caught in the Net“ (wörtlich: Gefangen im Netz) heißt das Theaterstück von Ray Cooney, das die englischsprachige Theatergruppe „The Bodensee Players“ diese Woche viermal im Casino Kulturraum in Friedrichshafen aufführt. Am Dienstag fand die Premiere statt und die anglophile Bühnentruppe präsentierte als vierzigstes Stück in zwanzig Jahren eine rasante Performance voller Action, Humor und Verwirrungen.

Im Mittelpunkt steht John Smith – in jeder Einstellung glaubwürdig gespielt von Mathias von Alberti, der als Taxifahrer in London lebt. Eigentlich lebt er sogar zweimal dort, nämlich einmal mit Frau Barbara und Sohn Gavin in Streatham sowie mit Frau Mary und Tochter Vicky in Wimbledon. Dank seiner Arbeit im Schichtdienst konnte er dieses Arrangement 18 Jahre lang genießen. Nun droht sein Lügengebilde aber aufzufliegen, denn der 16-jährige Gavin, sympathisch und überzeugend verkörpert von Leon Rolls, und die 15-jährige Vicky, schulmädchenhaft und mit liebenswertem Trotz von Salome Schweikle gespielt, haben sich übers Internet kennengelernt und möchten sich treffen. Begeistert berichten sie ihren jeweiligen Müttern vom unglaublichen Zufall, dass beide einen Vater namens John Lennard Smith haben, der 43 Jahre alt ist und als Taxifahrer arbeitet. Und das, wo es 125 000 Smiths im Großraum London gibt!

Kein bisschen fasziniert sondern in höchster Panik, setzt John alles daran, dieses Treffen zu verhindern. Da er nicht an beiden Orten und bei beiden Familien gleichzeitig sein kann, braucht er dringend die Hilfe seines Freundes und Mieters Stanley Gardener (eine Paraderolle für Sebastian Fetköter), der auf dem Sprung ist, seinen tüdeligen Vater „Dad“ (Sean Morgan, keiner stolpert so elegant auf der Bühne wie er) in den Urlaub zu begleiten. Dann sind da die beiden Mütter: auf der einen Seite Barbara, gespielt von Maren Matthes, die ihrer hilfsbereiten, geduldigen Mrs Smith ihre weichen, entspannten Züge leiht und auf der anderen Seite Mary (Andrea Leute), die, besorgt um Johns leibliches Wohl, von der fürsorglichen Gattin zur energischen Verfechterin des Hausfriedens mutiert.

Regisseurin Gabi Gerdau hat alle Rollen genial besetzt. Da passen Körpersprache und Ausdruck in jeder Sekunde und die Handlung rollt parallel in beiden Haushalten in rasantem Tempo über die Bühne, so dass auch einige Texthänger den Spielfluss nicht wirklich störend unterbrechen können. Die Bodensee Players auf der Bühne verkörpern ihre Rollen allesamt hervorragend. Besonders schweißtreibend dank emotionaler und körperlicher Herausforderungen trifft das auf John, Stanley und Mary zu. Letztere wird immer wieder ein- respektive ausgesperrt und ihre Wut auf Stanley nimmt messerscharfe Formen an. Dieser wiederum muss dauernd neue Erklärungen erfinden, um Johns Lügennetz aufrecht zu halten. Da ist voller Körpereinsatz gefragt, wenn er als Trockenschwimmer mit Schnorchel, Taucherbrille und Badekappe über die Bühne turnt oder den lebensmüden Fensterspringer mit Handtuch um die Hüfte mimt. Mit dem Mut der Verzweiflung erzählt er den einzigen Witz, den er kennt, setzt sich Mutmaßungen über sexuelle Vorlieben aus und erfindet Familienmitglieder, dass sich die Balken biegen. John wiederum ist die Angst vor Entdeckung ins Gesicht geschrieben. Er hetzt von Ausrede zu Ausrede, von Ort zu Ort, von Telefon zu Telefon, von Frau zu Frau, von Sohn zu Tochter und versucht aufzuhalten, was doch nicht aufzuhalten ist, nämlich, dass sich die Familien begegnen. Dass sich dabei neben den physischen Einsätzen auch die Wortwitze überschlagen, schlägt das Publikum knapp zweieinhalb Stunden in Bann. Vom nahezu atemlosen Spiel auf der Bühne angesteckt, gibt es jede Menge Beifall und herzerfrischende Lacher für die verwirrenden Entwirrungen, Mr. Bombastic inklusive.

Weitere Vorstellungen am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag, jeweils um 20 Uhr. Reservierung unter www.bodensee-players.de

Ihre Meinung ist uns wichtig
Einzigartige Geschenke von Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Friedrichshafen-Allmannsweiler
Friedrichshafen
Friedrichshafen-Allmannsweiler
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Friedrichshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren