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Friedrichshafen Beruf des Altenpflegers bietet Chancen

Pflegeeinrichtungen suchen dringend Ausbildungsnachwuchs. Was das Berufsbild zu bieten hat, darüber berichten Azubis.

Friedrichshafen – Selina Kerschbaumer hat einen echten Traumberuf: "Jeden Tag bekomme ich so viel Liebe und Dankbarkeit zurück, das ist unvorstellbar" Die junge Frau aus Meckenbeuren erzählt mit voller Begeisterung, weshalb ihr die Ausbildung zur Altenpflegerin besonders gefällt. Momentan ist Kerschbauer im ersten Ausbildungsjahr an der Gotthilf-Vöhringer-Schule in Friedrichshafen und davon überzeugt, dass sie den richtigen Beruf gefunden hat. "Schon immer wollte ich etwas Soziales machen. Nachdem es mir im Kindergarten nicht gefallen hat, bin ich gleich auf den Beruf der Pflegerin aufmerksam geworden", berichtet die Meckenbeurenerin. Daheim lebe ihre Uroma, die sie schon immer viel unterstützt habe – ebenfalls ein Grund, weshalb sie sich die Ausbildung ausgesucht hat. "Klar gibt es vereinzelt auch Tage, an denen es nicht so gut läuft, aber das ist überall so."

Jannick Fend, der sich ebenfalls im ersten Ausbildungsjahr zum Altenpfleger befindet, ist durchwegs zufrieden mit seinem Job. "Klar, der Beruf ist nicht einfach. Viel Körperliches ist damit verbunden und er wird von vielen nicht geschätzt. Alle halten einen für den 'Arschputzer', aber es steckt viel mehr dahinter. Wir bauen ja auch Beziehungen auf", berichtet Fend.

Anlässlich des internationalen Tags der Pflege, der bereits zum dritten Mal in Friedrichshafen organisiert wird, verschenkt eine Klasse der Gotthilf-Vöhringer-Schule in Friedrichshafen Blumen mit Banderolen an Passanten. Unter dem Motto "Unsere Pflege ist eine runde Sache" ist das Ziel des Tages, auf die Situation im Berufsfeld Pflege aufmerksam zu machen, dabei auf Probleme hinzuweisen und Erfolge zu zeigen. Eine der wichtigsten Forderungen: mehr Personal um kranke Menschen professionell zu betreuen. "Wir brauchen deutlich mehr Pflegekräfte. In den Jahren von 2008 bis 2020 geht die Anzahl der 21-Jährigen laut Prognose um 14 Prozent zurück. Im gleichen Präferenzbereich nehmen die über 85-Jährigen um 45 Prozent zu", erklärt Ulrich Gresch, Leiter der Bruderhaus Diakonie, mit besorgter Miene. Da müsse etwas getan werden, um mehr Pflegekräfte auszubilden. Problematisch sei die Konkurrenz zu anderen Berufssparten, wie beispielsweise das Handwerk. "Auch Handwerker brauchen dringend Nachwuchs, das ist gar nicht so einfach", stellt Gresch im Gespräch mit dem SÜDKURIER fest.

Das Arbeitsfeld Pflege zieht viele junge Menschen an und trotzdem sind es immer noch zu wenige. "Wir brauchen die Pflege, sie ist wichtig in unserem Leben. Ohne Pflegekräfte geht es einfach nicht", sagt Monika Paulus, Leiterin des Franziskuszentrum.

Ab dem Jahr 2017 gibt es eine Veränderung im Pflegepersonalschlüssel. Die bisher vorhandenen drei Pflegegrade erhöhen sich auf fünf. "Innerhalb dieser Grade wird die Krankheit Demenz mit mehr Anerkennung als früher behandelt. Wichtig ist auch, dass jetzt alle Pflegegrade gleich berechtigt sind, was die Zuzahlung angeht", berichtet Gresch.

Neben einigen problematischen Aspekten gibt es allerdings auch positive Faktoren. So sei es unmöglich, mit einem Beruf als Pfleger arbeitslos zu sein, nennt Immanuel Mertens, Pflegepädagoge sowie Gesundheits- und Krankenpfleger, ein Beispiel. "Außerdem sind in unserem Bereich viele Spezialisierungen möglich. Man kann in die Organisation oder ins Management.

Und ab 2018 wird die Generalistik eingeführt, das heißt die Berufe Kinderkrankenpflege, Altenpflege sowie Gesundheits- und Krankenpflege werden zusammengelegt ", zählt Mertens weiter auf. Es würde, so Mertens, spannend, wie sich die Bewerberzahlen in den nächsten Jahren entwickeln. "Der Beruf ist vom Arbeitsumfang sehr flexibel, wenn man nicht immer 100 Prozent arbeiten will", ergänzt Leni Eggert, Leiterin des Paulinenstifts. Pflegepädagoge Mertens erklärt, dass sogar die Ausbildung in Teilzeit absolviert werden kann: "Mit 75 Prozent kann man die Ausbildung in vier Jahren abschließen, mit 85 Prozent in dreieinhalb. Wir sind da sehr anpassungsfähig."

Internationaler Tag der Pflege

Der internationale Tag der Pflege findet jedes Jahr am 12. Mai statt. Wie das Bundesministerium für Gesundheit mitteilt, erinnert der Tag an den Geburtstag der britischen Krankenpflegerin und Pionierin der modernen Krankenpflege, Florence Nightingale. Zentrale Aspekte in diesem Jahr: hohe Anerkennung für Pflegende, neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, Bürokratieabbau, mehr Betreuungskräfte, Modernisierung der Berufsausbildung und mehr Pflegekräfte am Krankenbett. (lip)

Informationen im Internet: www.bundesgesundheitsministerium.de/ministerium/meldungen/2016/tag-der-pflege.de

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