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Luxuslärm liefern im Bahnhof Fischbach alles, was einKonzert braucht

Friedrichshafen – „Die großen Plattenfirmen haben mit einem Satz niedergeballert, was wir uns über die Jahre aufgebaut haben“, sagt Janine Meyer. „Das Schöne ist nur: Jetzt rufen die uns an.“ Und natürlich denken Luxuslärm gar nicht daran, auf die Angebote der Plattenmultis einzugehen. Nicht jetzt, wo sie sich allein nach oben geboxt haben und der Laden läuft.

Als Luxuslärm vor zwei Jahren beim Kulturufer auftraten, war das große Zelt noch eher schwach besucht. Jetzt, beim Sitzkonzert im Bahnhof Fischbach, ist die Bude voll und das Publikum im Alter zwischen 18 und 60 ist nach den ersten drei Minuten gepackt – denn der charismatische Teil von Luxuslärm, das ist Janine Meyer, die sich die Seele aus dem Leib singt, mit einer Band im Rücken, die auch ohne heulende E-Gitarren rockt, zumindest an diesem Abend: Luxuslärm sind auf Akustik-Tour unterwegs und geben dennoch mächtig Gas – eine Nummer wie „Leb' deine Träume“ schrammt nur um Haaresbreite an der Wucht von Die Happy vorbei, die übrigens am 13. April im Bahnhof Fischbach spielen werden – und zwar ebenfalls akustisch.

Zugleich dampfen Luxuslärm ihre Stücke im Bahnhof Fischbach auf ihre Essenz ein, was insbesondere einer Ballade wie „Unsterblich“ gut tut: Janine Meyer, nur sanft begleitet von Keyboarder David Rempel, ohne die in der Studioversion sich steigernde Instrumentalpower. Da fällt das rhetorische Rock-Gewitter ab, sehr zum Vorteil des Stücks.

Luxuslärm gelingen eingängige Texte über bekannte Themen – den eigenen Weg, den man finden muss, schmerzhafte Abschiede oder falsche Freunde – aber immer wieder gehen sie darüber hinaus, und dann entstehen nicht nur gute Songs, sondern kleine Meisterstücke wie „Vergessen zu vergessen“ über so was Ähnliches wie Liebe oder „Sie sieht es nicht“ über den zunehmenden Verlust des Augenlichts; letzteres einfühlsam, aber ohne billiges Mitleid, dafür mit einem Beat voller Aufbruchsstimmung. In Momenten wie diesen verleihen Luxuslärm Flügel und nehmen die Fans mit auf ein Stimmungshoch, auf dem Janine Meyer ohnehin gänzlich zu Hause ist, sobald sie die Bühne betritt. Die 27-Jährige überragt wohl kaum 1,60 Meter, und wenn sie sich ohne Schuhe singend unters Publikum mischt, wirkt sie noch kleiner – aber sie platzt zwei Stunden lang fast vor Mitteilungsdrang und vor einem Überschwang, der auch die Texte prägt: „Nichts ist zu spät, nichts ist vorbei, du kannst es ändern“, schmettert sie, kaum etwas hält sie dabei auf ihrem weißen Stuhl, und die Band galoppiert dazu im Western-Sound aus der Steppe der Aussichtslosigkeit, ganz so, als ob Luxuslärm vom Menschenrecht auf Depression noch nie etwas gehört hätten.

Luxuslärm nehmen die Akustik-Tour zum Anlass, Neues auszuprobieren. Akkordeon und Melodica werden eingesetzt, Gitarrist Henrik Oberbossel steuert schon mal eine jazzige Phrase mit Scatgesang bei, und Janine Meyer singt mit einer Bluesröhre, die einige Meter größer ist als sie, Bill Withers' „Ain't no sunshine“. Und doch: Luxuslärm wandeln auf der Sonnenseite. Ihre Freude über den Erfolg zeigt sich in einer Verbindlichkeit gegenüber dem Publikum, in der alles das steckt, was ein ideales Livekonzert von einer bloßen Tonkonserve unterscheidet.

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