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24.10.2011  |  von  |  0 Kommentare

Friedrichshafen Bäcker mit Sendungsbewusstsein

Friedrichshafen -  Wie Hannes Weber aus Friedrichshafen zum Fernsehen kam und wie er die Geschichte vor Ort weiterschreibt

Gestern noch im Fernsehen, heute in der Backstube und morgen im Neubau an der Otto-Liliental-Straße: Bäckermeister Hannes Weber ist ein umtriebiger Häfler.  Bild: Bild: Ganzert



Bäcker mit Sendungsbewusstsein

Hannes Weber findet Kochsendungen mit Tim Mälzer & Co. „völlig spannend, weil ich nicht kochen kann“. Es ist schon fünf Jahre her, als er sich fragte, warum im Fernsehen zwar gekocht, aber nicht gebacken wird. Das ließ dem heute 32-Jährigen keine Ruhe.

Mit 16 lernte er nach der Realschule zuerst Konditor – „weil nachts um 3 Uhr aufstehen geht gar nicht, als Konditor muss man erst um 7 Uhr anfangen“ – und danach dann Bäcker. Dann machte er den Meister und den „Betriebswirt des Handwerks“. Vor zwölf Jahren stieg er dann in „Webers Backstube GmbH“ ein, mit allem was dazu gehört und stellte vor fünf Jahren fest, dass ihm seine Woche eigentlich zu „gleichmäßig war“. Verankert im Betrieb, suchte er eine neue Herausforderung: „Backen kann ich, hin stehen auch und Sprüche klopfen eh. Was die Köche können, können wir Bäcker auch: Ich geh zum Fernsehen.“

Hannes Weber bewarb sich bei ARD und ZDF, bei RTL und Pro 7, aber mehr als freundlichen Absagen bekam der leidenschaftliche Bäckermeister aus Friedrichshafen nicht. Seine Freunde hielten mit der Skepsis nicht hinterm Berg, schließlich wollte er ja nebenbei zum Fernsehen: 65 Angestellte, vier Filialen und dann auch noch Fernsehbäcker.

Aber so schnell lässt sich Hannes Weber, der seit zwei Jahren im Häfler Gemeinderat in der Freien-Wähler-Fraktion Kommunalpolitik macht, nicht ins Bockshorn jagen. Er schrieb an Johann Lafer, den omnipräsenten deutschen Fernsehkoch. „Zwei Tage später hatte ich eine motivierende Antwort mit einem Kontakt beim SWR in Baden-Baden“, erinnert sich Hannes Weber noch genau. Er nahm sein Glück selbst in die Hand. „Eigentlich machen wir Castings“, wurde der junge Bäcker bei seiner Initiativbewerbung freundlich abgewimmelt. Er blieb dran und am 3. Oktober 2007 strahlte der SWR eine Sondersendung von „Kaffee oder Tee“ aus, bei der es um Sonntagskuchen ging und bei der Hannes Weber erstmals über die Bildschirme flimmerte. Rückblickend, sagt er, war die Sendung eine Katastrophe, weil „ich dermaßen unter Strom stand“. Das sahen die SWR-Verantwortlichen nicht ganz so kritisch. Im Juni 2008 hieß es „Sie sind jetzt dabei“ – bei den Sonntagskuchen. Aber Hannes Weber wollte doch viel lieber zeigen, wie man ohne Backmischung Brot backt. Er hat's trotzdem gemacht und sich bei verschiedenen Sendungen seine Sporen verdient, weil er Backen anschaulich macht. Die Quoten sprachen für sich und Hannes Weber wollte eine eigene Sendung. „Interessant, aber – das Budget“, hieß es zunächst.

Im Mai 2011 wurden dann tatsächlich zwölf 30-minütige Backshows produziert. Seit 1. Oktober ist Hannes Weber jeden Samstag auf Sendung mit „Lust auf Backen“ (SWR, 15.30 Uhr). Schon bei der zweiten Sendung am 9. Oktober, als er seinen persönlichen Liebling, eine Passionsfruchttorte buk, hatte er eine gute Einschaltquote. Mit Moderatorin Heike Kreis, ein Fernseh- aber kein Back-Profi, an seiner Seite, schwätzt sich Weber bodenständig durch die kleine Fernsehbäckerei.

Backen sei eine nüchterne Angelegenheit, sagt er. „Wir haben Mehl und Wasser, bei den Köchen ist die Welt der Rohstoffe völlig bunt“, umschreibt er die Herausforderung und sagt selbstbewusst „ich glaube, ich bin unterhaltsam“. Wer sich davon überzeugen mag, kann das auch jederzeit im Internet unter www.swr.de/lust-auf-backen.

Spaß hat es ihm gemacht, es war aber auch „brutal anstrengend“ sechs bis acht Stunden für zwei Sendungen im Studio zu stehen. Alles unter einen Hut zu bekommen geht nur, weil Hannes Weber komplett durchorganisiert ist und ihn viele fleißige Helfer in der Bäckerei und im Privatleben unterstützen.

Ob es weitere Sendungen geben wird, will Weber auf sich zukommen lassen, denn ganz nebenbei meistert er noch ein anderes 2,4-Millionen-Euro-Projekt: In der Nähe des Flughafens entsteht die neue und gläserne Backstube Weber. In einem dreiviertel Jahr können die Menschen dem Meister live auf die Finger schauen. Dann soll das Café neben der „Gläsernen Produktion“ in der Otto-Liliental-Straße in Betrieb gehen. Von da kann man Weber und seinen Kollegen durch große Fenster zuschauen. Hannes Weber erfüllt sich im Neubau einen langgehegten Wunsch: Einen Holzofen, in dem nur eine Sorte Brot gebacken wird. Natürlich auch zum Zuschauen.

Jetzt fehlt eigentlich noch ein Backbuch zur Sendung, denn sämtliche Rezepte stammen aus der Backstube Weber. Doch dafür fehlt die Zeit. Noch.

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