Friedrichshafen Augen zu?
Fahrer wie Karsten Sinz, der sich übrigens nie wieder vor den Karren spannen ließ, haben mitgeholfen – bestimmt im Glauben, etwas Gutes zu tun. Aber Tierheim-Mitarbeiter müssen doch stutzig geworden sein, als quasi über Nacht immer neue Hunde in den Zwingern steckten. Sprunghaft stieg die Zahl von Hunden, die angeblich in der Fundbox abgegeben oder sonst wo im Kreisgebiet „aufgegriffen“ worden sein sollen.
Eine Statistik spricht Bände: Im Jahr 2005 wurden der Stadt Friedrichshafen insgesamt 18 Fundhunde aus dem Tierheim gemeldet. 2007 waren es 71, ein Jahr später sogar 77. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 26, nachdem im Spätsommer die Polizei angerückt war. Ein bis drei Fundhunde pro Monat sind für ein Tierheim dieser Größe normal. Rechnet man alle im Internet veröffentlichten Fund- und Abgabehunde in der Obhut des Tierheims von Juli 2008 bis Juli 2009 zusammen, kamen knapp 180 (!) Hunde neu herein.
Katja T. konnte wohl machen, was sie wollte. Die Kontrolle durch die ehrenamtliche Spitze des Tierschutzvereins, die großes Vertrauen in die Mitarbeiterin hatte, funktionierte nicht, obwohl sie nach den Vorkommnissen 2008 hätte gewarnt sein müssen. Egal, was strafrechtlich nachgewiesen werden kann: Es besteht die Gefahr, dass das Tierheim als Institution erneut die Verantwortung für das Fehlverhalten Einzelner übernehmen muss. Das wäre schade, denn den Tieren dort ist nicht geholfen, wenn sich viele Zweibeiner abwenden.
