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Friedrichshafen Aufgewühlt die Wände hoch

„Being different“ nannte der Saxofonist Alexander „Sandi“ Kuhn sein erstes Album. Dieser Titel formuliert einen Anspruch, der nicht der bescheidenste ist.

Was ist schon noch „anders“ im Jazz? Das Genre besteht doch überall aus Rändern und Fransen, sofern man nicht im Zentrum der Traditionalisten bleibt, wo es schnell langweilig wird.

Kuhn bewegt sich irgendwo dazwischen. Das bedeutet aber nicht, dass er mit seinem nun zweiten Album „The Ambiguity of Light“ (Jazznarts Records) den bequemen Mittelweg geht. Alles andere ist der Fall. Beim morgigen Konzert im Refugium in Friedrichshafen wird Kuhn mit Syberen van Munster (Gitarre), Jens Loh (Bass) und Axel Pape (Schlagzeug) vielmehr eine sehr intuitive Musik vorstellen. Die Sandi Kuhn Group ist nichts für Leute, die beim Jazz in griffigen Melodien Zerstreuung suchen. Zerstreut man sich, könnte es passieren, dass man den Anschluss verliert. Diese Stücke fordern Aufmerksamkeit, denn es gibt darin kein grobes Rückgrat, an dem die Feinheiten hängen wie verzichtbares Lametta am Christbaum. Fein und komplex ist die Architektur des Ganzen auch bei einem griffigen Stück wie „Branches (Hangin' in Vienna)“: Bis sich ein lockerer Schlagzeuggroove einspielt, ist die Nummer fast schon vorüber. Was sich zuvor entspinnt, ist eine versonnene Luftgeherei, zart und zauberhaft. Nicht wird hart vorangetrieben, aber das Ganze dreht und entwickelt sich doch. Die maßgebliche Rolle hat auf der CD hierbei zwar der Vibraphonist Julius Heise, der am Donnerstag nicht mit dabei sein wird – wer aber die Handschrift von Jens Loh kennt, seinen Blick in die Weite beim Spiel, kann sich gut vorstellen, dass sein Bass in die Bresche springt. Und doch liefert dieser Bass auch hypnotische Killer-Riffs wie in „Leaving“, in dem die Band als Ganzes eine schicksalhafte Ausweglosigkeit malt und Kuhns Saxofon die Wände seines aufgewühlten Innenlebens hochklettert. Ganz groß! Und jetzt? Jetzt ist kein Platz mehr, und von der ganzen CD sind doch erst zwei Stücke angerissen. Wer mehr will, bekommt es morgen im Refugium. Und sicher gibt's dort auch die neue CD.

Informationen im Internet:

www.alexanderkuhn.com

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