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Friedrichshafen Alte Recken entfachen Rocksturm

09.10.2006
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Böse Witze über Status Quo gibt es viele. Der böseste geht so: Als Rick Parfitt 1997 nach seiner vierfachen Bypassoperation im Krankenhaus aufwachte, stellte er fest, dass die Ärzte ihm auch eine neue Hand angenäht hatten. "Die alte war verschlissen", erklärte ihm sein Bandkumpel Francis Rossi. "Weil du seit 30 Jahren immer dieselben Akkorde spielst."

Menschen, die solche Geschichten in die Welt setzen, werden Status Quo nie verstehen. Sie wollen nicht begreifen, dass diese Band bis heute einzigartig ist. Warum? Weil sie wie keine andere Band den Rock'n'Roll wörtlich nimmt: Sie rockt und sie rollt. Sie rockt bretthart, und trotzdem rollt ein geschmeidiger Boogie durch ihre Songs. Es hat Bands gegeben, die den Klang der Rolling Stones und der Beatles geklaut haben, doch der von Status Quo ist immer einzigartig geblieben. Warum? Weil ihr Boogie-Rock nicht so simpel ist, wie Lästermäuler meinen.

Die schätzungsweise 3500 Fans in der Sportarena wissen das und feiern ihre Helden von der ersten Sekunde an: Francis Rossi, den Schlaks mit dem seit Urzeiten schütteren Haarschwänzchen, und den gebeutelten Rick Parfitt, der noch im letzten Jahr mit Verdacht auf Kehlkopfkrebs in der Klinik lag. Doch anstatt sich zu schonen, startet der Gründervater durch: Den Boogie-Woogie in den Knien, shoutet er sich mit rauem Timbre durch die Songs. Dass Rossi, Parfitt und die Restband sich nicht aufs Altenteil verzogen haben, zeigt bereits der Bühnenaufbau: Hinter der Band ist die gesamte Breite der Bühne mit Lautsprecherboxen verrammelt, die Band steht mitten im Musiksturm, den sie selbst entfacht.

Altersmilde sind Status Quo auch mit Ende 50 nicht geworden. Anstatt die ganze Zeit über gemütliches Honkytonk-Piano zu spielen, greift Keyboarder Andrew Bown lieber zur E-Gitarre und verstärkt die elektrische Klangwand, in die man Nägel schlagen könnte. Mit drei Gitarren, Bass und Schlagzeug sind Status Quo der Inbegriff einer Rockband geblieben. Frei von allen Mätzchen verdichten sie durch ihre Gitarrenlast die Uridee des Rock und ziehen auf ihrer Wegstrecke auch den Hut vor anderen großen Recken, die bereits das Zeitliche gesegnet hat: da klingt der fette Swamp-Rock von Lynyrd Skynyrd an, Reminiszenzen an Rory Gallagher und Thin Lizzy dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Status Quo legen ein Konzert hin, bei dem man niemals hofft, dass doch endlich die alten Hits kommen mögen. Ermüdungserscheinungen gibt es nicht: Dass Francis Rossi mit ziemlich rundem Rücken auf der Bühne steht, liegt weniger am Alter als an der Intensität, mit der er sich in sein Gitarrenspiel kniet, das den Status Quo-Sound seit den 60er Jahren mitprägt. Schon nach fünf Minuten zieht Rossi schwitzend seine schimmernde Weste aus, und dann folgt eine Stunde lang Rockknaller auf Rockknaller, bis mit dem Schunkelsong "Dirty Water" erstmals das Tempo nachlässt.

Freilich fehlen sie nicht, die Klassiker wie "Down, down", "Something 'bout you Baby I like", Rockin' all over the world oder "What you're proposin' - jeder dieser Songs tanzt so wild auf dem Trommelfell wie ein Rodeostier unterm Allerwertesten eines Cowboys. Ab durch die Mitte prescht er und schaut zu, ob du dich halten kannst. Was ist das Geheimnis hinter dieser geschmeidigen Wucht? Rick Parfitt hat es einmal so erklärt: "Meine Telecaster klingt wie jede andere. Die Telecaster von Francis klingt auch wie jede andere. Aber beide zusammen klingen wie Status Quo."

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