– Nun sind sie wirklich gezählt, die Tage der – reinen – Mädchenrealschule St. Elisabeth.
Mit Beginn des neuen Schuljahres 2012/2013 werden dort, wo mehr als ein halbes Jahrhundert lang nur Mädchen unterrichtet wurden, auch Jungen aus- und eingehen. So sieht es der Grundsatzbeschluss der Sießener Schulen vor, der vor Jahresfrist bekannt wurde. „Wir sind keine Ideologen, die um jeden Preis eine getrennte Mädchenbildung fordern, sondern sind auch offen für gesellschaftliche wichtige Veränderungen“, betonten Schulleiter Paul Stollhof und die Stufenleiter Sabine Schuler-Seckinger und Ulrich Meister. Zunächst soll es darum gehen, potentielle neue Schülerinnen und Schüler, auch deren Eltern über die schulischen Veränderungen in St. Elisabeth zu informieren, gegebenenfalls auch Ängste und Vorurteile abzubauen. Am 9. und 10. März stehen ein Infotag und ein Tag der offenen Tür auf dem Programm, am 19. März startet die Anmeldewoche für das neue Schuljahr, bei der Eltern zum persönlichen Gespräch willkommen sind.
Dass man trotz aller Veränderungen der über Jahrzehnte bewährten Mädchenbildung und der traditionellen Werteerziehung treu bleiben will, daran lässt die Schulleitung keinen Zweifel. Ebenso soll der geschützte Raum für Mädchen – seit jeher eines der zentralen Profile der katholischen Schule – erhalten bleiben. Im kommenden Herbst sind vier Klassen der Jahrgangsstufe Fünf angedacht – drei Mädchen- und eine Jungenklasse. Dass entsprechend Nachfrage für das neue Schulkonzept vorhanden ist, davon gehen sowohl Paul Stollhof als auch Sabine Schuler-Seckinger und Ulrich Meister aus. Gute Erfahrungen mit Jungenklassen wurden in Bad Mergentheim und Schwäbisch Gmünd, zwei weiteren Standorten der Sießener Schulen, bereits gemacht. Jungs und Mädchen sollen wie bisher geplant getrennt unterrichtet werden, Projekte außerhalb des regulären Unterrichts können gegebenenfalls gemeinsam erarbeitet werden.
Mädchen als Technik- und Computerfreaks und Jungs, die sich für ein Kochprojekt stark machen? Nichts scheint unmöglich in der neuen St. Elisabeth Mädchen- und Jungenrealschule. In Zukunft sollen darüber hinaus offene Unterrichtsformen, Freiarbeit und dialogisches Lernen verstärkt ins Auge gefasst werden und zu einer individuelleren Gestaltung des Fachunterrichts beitragen. Mit einem „Kompetenzportfolio“ soll den Jugendlichen das Handwerkszeug mitgegeben werden, um ihr Lernen zu reflektieren, zu dokumentieren und auch außerschulisch zu kommunizieren, so Paul Stollhof. „Wir gehen von einem Prozess aus, der uns die nächsten Jahre begleiten wird.“