Als wäre nicht genug, dass man Peter Hilber im April 2012 betäubt, den Schädel eingeschlagen, dann erdrosselt und wie Müll in Tirol einen Geröllhang hinuntergeworfen hat, jetzt auch noch dies: Am gestrigen ersten Prozesstag vor der 1. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ravensburg gegen die Ehefrau Tanja B. und ihren Geliebten Christoph M. ist von einer „Hochzeitskiste“ die Rede: In einer Schreinerei fertigte der 43-jährige Mitangeklagte eine Woche vor Hilbers Tod so eine Kiste. Die Schreinerkollegen wunderten sich über die Ausmaße, die Form und dass das Behältnis mit wasserdichtem Malervlies ausgekleidet war. Später ließen die Ermittlungsbeamten die bis heute verschwundene „Hochzeitskiste“ in der Schreinerei nachbauen. Ein 100 Kilogramm schwerer Kripobeamter konnte im Nachbau Platz finden.
Nach Abele hat Martin Hussels, Erster Staatsanwalt, den Fall übernommen und er verliest die Anklage in nicht einmal zehn Minuten. Von Heimtücke, niedrigen Beweggründen und Habgier ist die Rede, vom Entschluss der beiden Angeklagten, Peter Hilber zu töten und der Hoffnung auf viel Geld aus einem Immobilienverkauf. Folgt die 1. Schwurgerichtskammer mit drei Berufsrichtern und zwei Laienrichterinnen der Anklage, bedeutet dies zweimal Lebenslänglich.
Und wie reagiert Tanja B., die Ehefrau, auf die Vorwürfe? Die langen gelockten Haare kastanienrot gefärbt, in engen Jeans, dunklem Pulli mit auffallender Halskette und auf Stiefeln mit hohen Absätzen, ist die 1975 in Meran geborene Krankenschwester am Morgen in den Saal geführt worden. Durch die randlose Brille schaut sie ohne Scheu und äußere Bewegung in den Saal. Ungepflegt und ungeschminkt gehe sie nie aus dem Haus, war einmal aus der Heimat Südtirol zu hören. Und wenn es denn irgendeinen Symbolcharakter hat: Die des Mordes Angeklagte sitzt erhöht auf der Anklagebank, neben ihr der Verteidiger Markus Lehmann.
Der einstige Geliebte, gedrungen und im graubraunen Sweatshirt unscheinbar wirkend, sitzt fünf Meter entfernt. Es gibt weder Blickkontakte noch Zeichen einstiger Vertrautheit. Dass die Frau drei Kinder von drei Männern hat, das Jüngste, ein Junge, im Dezember in der U-Haft geboren, bleibt im Gerichtssaal unerwähnt. Und von beiden Angeklagten ist gestern weder zur Person noch zu den Vorwürfen etwas zu hören. Gerd Prokop, der Anwalt von Christoph M. versieht die Aussageverweigerung mit dem Zusatz „heute noch nicht“.
Aus den Ermittlungsakten ergibt sich: In einem Chatroom im Internet haben sich die beiden Angeklagten kennengelernt. Sie trug später den Kontaktnamen „Orchidee“ und die Beziehung zum Ehemann, dem wenig erfolgreichen Händler mit Südtiroler Spezialitäten, muss in Hass umgeschlagen sein. So konnten die Ermittler unter vielen Nachrichten über Handy und Skype auch die Sätze finden: „Umbringen können wir ihn immer noch, wenn es sich ergibt.“ Und: „Nur wenn er tot ist, haben wir Ruhe...“
In insgesamt fünf Verhören hat die Frau über den Ehemann ausgesagt, er habe sich im Schwulenmilieu bewegt, aber auch eine Geliebte in Konstanz und Stuttgart gehabt und Verbindungen zu Mafiakreisen in Italien unterhalten. Der ominöse „Sandro“, der mit Peter Hilber weggefahren sein soll, habe auch dazugehört.
Tatsache sind hingegen zwei merkwürdige Autounfälle von Peter Hilber, drei Wochen vor seinem Tod im April 2012. Bei der Blutprobe nach dem zweiten Unfall wurde das Narkosemittel Dormicum festgestellt. Schnelle Ermittlungen blieben aber wohl liegen oder stecken.
Der nächste Verhandlungstag ist am Freitag, 22. Februar. Dann werden die Polizeibeamten gehört, die die Angeklagten im Laufe der Ermittlungen vernommen haben.
Die Leiche Peter Hilbers, zuletzt wohnhaft in Langenargen, wurde Ende April 2012 in unwegsamem Gelände in Tirol gefunden. Ab dem 19. Februar müssen sich die Ehefrau des Getöteten und ihr Freund vor dem Landgericht Ravensburg verantworten.
