Friedrichshafen 700 Teilnehmer bei Aktionstag der Gewerkschaft für bessere Perspektiven der Jugend
Friedrichshafen – Rund 700 Auszubildende, Leiharbeiter, Schüler, Studenten und Beschäftigte sind gestern vom Maybachplatz in Friedrichshafen durch die Riedleparkstraße zur Musikmuschel an der Uferpromenade gezogen. Lautstark machten die Jugendlichen mit unzähligen Plastikhupen und knallgelben Bällen auf sich aufmerksam. Anlass war der Aktionstag gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse unter dem Motto „Show Balls! Für Perspektiven der Jugend“.
Die gelben Bälle, von ganz klein bis riesengroß, beschriftet mit den Zukunftswünschen der Jugendlichen, verwandelten die Häfler Uferpromenade in ein gelbes Meer. Nach dem bundesweiten Bildungsstreik von Schülern, Studenten und Auszubildenden richteten sich in Friedrichshafen junge Menschen mit ihren gelben Bällen, auf denen ihre Forderungen nach mehr und besserer Ausbildung sowie mehr Geld für Bildung und Ausbildung prangten, an die Politik und die Arbeitgeber.
Jedes Jahr wächst die Zahl derer, die ohne Ausbildungsplatz dastehen und in schulischen Warteschleifen ihre Zeit verbringen müssen. Damit wird jungen Menschen die Perspektive schon zu Beginn ihres Berufslebens geraubt. Und wenn dann noch diejenigen, die einen Ausbildungsplatz ergattert haben, nicht übernommen werden, dann heißt es „keine Zukunft für die Jugend“, sagt Lilo Rademacher, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Friedrichshafen-Oberschwaben.
In ihrer Rede an der Musikmuschel vor Teilnehmern aus Albstadt, Ulm, Singen, Friedrichshafen und Oberschwaben machte Lea Marquardt, Jugendsekretärin der IG Metall Baden-Württemberg, deutlich, „dass die Jugendlichen nicht die ersten Krisenopfer sein dürften“. Sie forderte ausreichend Ausbildungsplätze, faire Bezahlung und Übernahme nach der Ausbildung. Kurze Statements von Hans Kirchgässner, Betriebsratsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, und Dietmar Selg, freigestellter Betriebsrat und Vertrauenskörperleiter bei MTU/Tognum, verdeutlichten die Anstrengungen der beiden Betriebsräte im Krisenjahr 2009. Auch zum Thema Leiharbeit und der Forderung „Gleiches Geld für gleiche und gleichwertige Arbeit“ äußerten sich die beiden Betriebsräte. Sie wiesen darauf hin, dass es im Aufschwung nicht dazu kommen dürfe, dass Leiharbeit in großen Stil zur Normalität von Beschäftigung wird. Hans Kirchgässner als Erstunterzeichner einer Initiative der IG Metall machte klar, dass der Betriebsrat der ZF in Friedrichshafen zurzeit sein Augenmerk darauf richtet, die noch bis Ende Juni bestehenden Befristungen eventuell weiter zu befristen. Er erteilte der Einstellung von Leiharbeitern bei der ZF eine eindeutige Absage. „Wir werden nicht mitmachen“, sagte Kirchgässner, „dass die Befristeten jetzt gehen müssen, um anschließend bei der ZF wieder über Leiharbeitsfirmen eingestellt zu werden.“
