Friedrichshafen „Fragen Sie nach: Kann ich helfen?“
Was können Blinde und Sehbehinderte in Ihren Schulungen lernen?
Zum einen gibt es die Orientierungs- und Mobilitätsschulung (O&M) am Langstock. Dort geht es darum, sich selbstständig im Straßenverkehr zurechtzufinden oder auch den verbliebenen Sehrest optimal auszunutzen. Im Grunde ist die Selbstständigkeit das höchste Ziel. In der Schulung für lebenspraktische Fähigkeiten (LPF) werden Techniken gelehrt, um sich selbst eine Mahlzeit zubereiten oder Wäsche waschen zu können – es gibt so viele alltägliche Bereiche, die mit der Behinderung auf einmal sehr schwer fallen.
Wer zahlt die Schulungen?
Die O&M-Schulung gibt es auf Rezept, dann zahlt die Krankenkasse. Die LPF-Schulung kann von der Krankenkasse, vom Sozialamt oder anderen Kostenträgern übernommen werden.
Wer kommt zu Ihnen?
Das sind Blinde und Sehbehinderte, die von Geburt an mit der Behinderung leben und eine Auffrischung brauchen, weil sie zum Beispiel umziehen. Die meisten sind aber diejenigen, die von heute auf morgen erblindet oder die schon lange sehbehindert sind und an einen Punkt gelangen, an dem sie merken: „Ich muss jetzt was machen.“
Wenn ich als Normalsehende unterwegs bin und merke, da hat jemand Schwierigkeiten, weil er blind oder sehbehindert ist: Wie biete ich am besten Hilfe an?
Sprechen Sie ihn einfach an, ob er Hilfe braucht. Wenn ja, okay. Wenn nein, schrecken Sie nicht zurück. Dann kommt die Person zurecht. Aber fragen Sie trotzdem beim nächsten Mal bei jemand anderem wieder nach.
Welche Fehler machen Menschen häufig, obwohl sie nur helfen wollen?
Zum Beispiel, dass sie ohne was zu sagen einfach jemanden anfassen und irgendwo hinschieben wollen. Das ist für Blinde oder Sehbehinderte ganz unangenehm. Lieber erst fragen und dann genau erklären, was man macht, wie: „Ich gebe ihnen jetzt meinen Arm.“ Wichtig ist auch, wenn man jemanden mit dem weißen Blindenstock sieht, aus dem Weg zu gehen und nicht stehenzubleiben und zu gucken. Außerdem sollte man darauf achten, nicht nur über die Begleitperson mit dem Sehbehinderten zu sprechen, sondern ihn direkt zu fragen. Er ist ja nicht taub, sondern versteht alles und kann genauso gut antworten.
Wo liegen die größten Missverständnisse zwischen Sehenden und Sehbehinderten?
Dass man oft nicht erkennt, wer sehbehindert ist. Kaum jemand trägt das Blinden-Abzeichen (gelber Kreis mit drei schwarzen Punkten). Wenn jemand vom Bordstein herunterstolpert kommen die wenigsten darauf, dass er sehbehindert sein könnte. Die Leute denken dann viel eher, derjenige ist vielleicht betrunken. Da liegt es aber auch an den sehbehinderten Menschen , sich zu kennzeichnen. Das ist eine Hürde für viele, aber eigentlich tut man sich selbst einen Gefallen. So können die Mitmenschen ja auch erst richtig reagieren.
Der Stock sollte aber als Kennzeichnung reichen, oder?
Das schon. Aber viele wissen nicht, dass ein Stock nicht unbedingt Blindheit bedeutet. Zwischen sehen und blind sein gibt es viele verschiedene Sehbehinderungen. Das sollte ein Sehender im Hinterkopf behalten.
