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Friedrichshafen „Dvoraks Fünfte ist ein kleines Juwel“

19.12.2008
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Das Sinfonieorchester Friedrichshafen gibt am 4. Advent im GZH ein Sinfoniekonzert mit erlesenen Werken der Romantik. Neben der Ouvertüre „Die Italienerin in Algier“ von Rossini stehen das 4. Violinkonzert in d-Moll von Paganini mit dem berühmten Violinvirtuosen Alexander Dubach sowie die 5. Sinfonie in F-Dur von Dvorak auf dem Programm. Der SÜDKURIER sprach darüber mit dem Dirigenten Joachim Trost.

Sie haben für das Konzert drei Werke der Romantik ausgewählt. Was bewog Sie dazu?

Wir hatten 2008 in unseren beiden Konzerten mit Beethovens 5. Klavierkonzert ein Meisterwerk der Klassik und mit der „Carmina burana“ von Orff ein Werk des 20. Jahrhunderts auf dem Programm. Um die stilistische Vielfalt des Orchesters zu zeigen, stehen nun Werke der Romantik im Vordergrund; nicht zuletzt auch, um das groß besetzte Sinfonieorchester richtig zur Klangentfaltung zu bringen.

Am Anfang steht Rossinis „Italienerin in Algier“. Wieso diese fast übermütige Opern-Ouvertüre?

Diese Wahl fiel natürlich ganz im Hinblick auf das folgende Paganini-Violinkonzert. Beide Werke verbindet ein quasi italienischer Geist, der sich in einer besonderen Gesanglichkeit der Themen, aber auch einer instrumentalen Virtuosität zeigt. In beiden Werken spürt man natürlich auch die Inspiration durch die Italienische Oper.

Beim Violinkonzert hat das Orchester über weite Strecken Begleitfunktion. Bedeutet dies für Orchester und Dirigent besondere Herausforderungen?

Das Begleiten von Sängern und Instrumentalisten gehört eigentlich zum Schwersten – zumindest für den Dirigenten, aber zum Teil auch für das Orchester. Man muss in einem Minimum an Probearbeit eine Verschmelzung von Solist und Orchester herbeiführen. Dabei gilt es, neben der klanglichen Balance, einem Abfangen der vielen Rubati nicht zuletzt eine stilistische Übereinstimmung zu erzielen.

Worin liegt der besondere Hörreiz bei Paganinis Violinkonzert? Ist es die geigerische Bravour oder das Gesamtkunstwerk, das von der „Einheit in der Vielfalt“ geprägt sein soll?

Paganinis 4. Violinkonzert ist vielleicht das wertvollste unter seinen Violinkonzerten. Natürlich liegt der besondere Hörreiz zunächst in der unglaublichen Virtuosität, die Paganini dem Solisten abverlangt. Neben den vielen Doppelgriffen sind es Doppelflageolette und die Verbindung von Pizzicati in der linken Hand mit Springbogen. Die Vielfalt, welches dieses Konzert im Besonderen noch auszeichnet, beruht im ständigen Changieren zwischen Dur und Moll, sowie im Wechsel des Charakters von Heroischem zum Lyrischem. Ich bin glücklich darüber, dass es uns gelungen ist, Alexander Dubach – ein Ausgewiesener Paganini-Spezialist – für unser Konzert zu gewinnen. Er hat alle Paganini-Konzerte auf CD eingespielt und mit unserem Orchester schon das 1. Violinkonzert aufgeführt.

Im 1. Satz von Dvoraks 5. Sinfonie treten bukolische Klänge auf. Darf man hier wie bei Beethovens Pastoralsinfonie naturhafte Vorstellungen mit der Musik verbinden?

Tatsächlich beginnt Dvoraks 5. Sinfonie mit einem zart emporschwingenden bukolischen Hauptthema, das eine gewisse Verbundenheit mit Beethovens Pastoral-Sinfonie erahnen lässt. Im weiteren Verlauf des Satzes wird aber der anfänglichen Idylle ein kraftvolles Tutti gegenübergestellt, das, angetrieben von vielen rhythmischen Motiven, den Pastoralcharakter vergessen macht.

Da tritt immer wieder ein stampfender Rhythmus auf. Ist das schon eine Vorwegnahme der späteren „Slawischen Tänze“?

Der 3. Satz im Besonderen deutet tatsächlich einen slawischen Tanz an. Nicht nur die formale Dreiteiligkeit, auch das böhmische Kolorit in der Themenerfindung, sowie die vorantreibende rhythmische Kraft nehmen die unmittelbar danach komponierten slawischen Tänze vorweg.

Wo liegen bei dieser Sinfonie die Schwierigkeiten für das Orchester?

Die 5. Sinfonie darf als Dvoráks erstes ausgereiftes Werk dieser Gattung bezeichnet werden. Als interpretatorischer Schwerpunkt gilt es, das böhmische Kolorit der Themenbildung wiederzugeben, die gesanglichen Linien des 2. Satzes auszugestalten, dem übermütigen Tanzcharakter des 3. Satzes sowie der Durchsichtigkeit der musikalischen Strukturen des letzten Satzes gerecht zu werden. Alles, was eine große Sinfonie ausmacht, ist hier bereits mustergültig angelegt. Diese Sinfonie ist ein kleines Juwel und verdient es, öfter aufgeführt zu werden.

Das Gespräch führte

Franz Josef Lay

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