Bei einem Feuer wurde der Dachstuhl eines Gebäudes der Camphill-Schulgemeinschaft in Bruckfelden völlig zerstört. „Der Brand ist in einem Raum im Dachgeschoss ausgebrochen und hat sich dann in den darüber liegenden, nicht ausgebauten Dachspitz und von dort wieder auf das gesamte Dachgeschoss ausgebreitet“, beschreibt Kreisbrandmeister Henning Nöh, der den Einsatz leitete, den Brandverlauf in einer Pressemitteilung der Feuerwehr. Da es zu einer Durchzündung kam, hat sich das Feuer rasch über die gesamte Länge des Giebels ausgebreitet, schreibt Christian Gorber, Pressesprecher der Kreisfeuerwehren, in der Pressemitteilung weiter.
Was sich in dem Bericht so nüchtern liest, sah umso dramatischer aus. Als die Feuerwehrleute, die laut Feuerwehr-Meldung gegen 11.15 Uhr durch den Notruf einer Betreuerin informiert wurden, am Einsatzort ankamen, schlugen die Flammen schon meterhoch aus einem Dachfenster. Nach der Durchzündung im Dachstuhl konnten die 90 Wehrmänner aus Frickingen, Salem, Überlingen und Markdorf den Dachstuhl nicht mehr retten. Sie konzentrierten sich darauf, ein Übergreifen der Flammen auf das nur wenige Meter entfernte Schulhaus zu verhindern.
Auch wenn die Feuerwehren den spektakulären Brand, bei dem auch eine Drehleiter aus Salem und eine aus Überlingen im Einsatz waren, gegen 13 Uhr unter Kontrolle hatten, dauerten die Löscharbeiten bis in den Abend hinein an. Es gebe immer wieder kleinere Brandherde, erklärte Pressesprecher Christian Gorber. Cornelius Weichert, im Vorstand der Camphill-Schulgemeinschaft für den Standort Bruckfelden verantwortlich, schilderte die Sache so: „Wir konnten nicht einmal Kleider aus dem Haus herausholen.“ Mit Rotem Kreuz und Polizei zusammen seien etwa 130 Einsatzkräfte vor Ort gewesen, sagt Gorber.
Der Schaden an dem Gebäude beträgt etwa 250.000 Euro, wie Feuerwehr und Polizei mitteilen. Für die Menschen in der Schulgemeinschaft ging die Sache glimpflich aus. Laut Angaben von Feuerwehrsprecher Gorber wohnen zwar zehn Jugendliche und junge Erwachsene in dem Gebäude. Weil sich die meisten von ihnen zur Brandzeit im Unterricht befanden, hätten sich aber nur zwei Personen im Dachgeschoss aufgehalten. Verletzt wurde niemand. Dass keine Personen zu Schaden kamen, liege am umsichtigen Handeln der Betreuer, erklärt Feuerwehrsprecher Gorber: „Sie haben die Schüler sofort aus dem Gefahrenbereich gebracht.“ Laut einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft mussten 27 Schüler und Betreuer in Sicherheit gebracht werden.
Die Polizei vermutet als Ursache des Großbrandes menschliche Einwirkung. Die Beamten nahmen einen 15 Jahre alten Schüler vorläufig fest, der nach Ausbruch des Feuers geflüchtet war, aber in der Nähe des Brandortes von einer Polizeistreife gefasst wurde. Der mutmaßliche Täter sei selbst ein Bewohner der Einrichtung, so die Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft. Camphill-Vorstand Weichert und Schulleiter Joachim Scholz warnen indes vor einer vorschnellen Verurteilung. Da in der sogenannten Heimsonderschule nur Menschen mit geistigen Behinderungen unterrichtet werden, müsse die Frage der Schuldfähigkeit und der Fähigkeit zur Koordinierung von Handlungen gründlich untersucht werden. Weichert will auch einen Defekt an einer elektrischen Leitung nicht ausschließen. Hier müsse man auf die Ergebnisse der Brandsachverständigen warten, sagt er. Die Kriminalpolizei Friedrichshafen hat die Ermittlungen übernommen.