„Das ist ja eine tolle Sache“, ist eine Urlauberin aus Mittelfranken bass erstaunt darüber, was in dem kleinen Frickingen, als es vergangenen Freitag längst dunkel ist, auf den Straßen des kleinen Örtchens noch alles los ist. „Das ist nur heute so, weil Herbstnacht ist und in einem halben Dutzend Kneipen Live-Musik gespielt wird“, wird der Feriengast vor dem Bodensee-Obstmuseum, aus dem dezente Jazzklänge nach außen dringen, aufgeklärt. Die grauhaarige Dame hat die Neugier gepackt, löst einen Kneipenbändel für sich und ihren Mann und stürzt sich hinein ins Frickinger Herbstnachtleben, wie Hunderte andere auch.
Zwei Stunden später und schon drei Stationen weiter dasselbe Pärchen oben im Naturatelier Golpenweiler, der Aussichtsterrasse von Frickingen. Verträumte Lieder, die unter die Haut gehen. Der glitzernde Sternenhimmel macht die Herbstnachromantik perfekt. Unsere Feriengäste sind begeistert – wie all die anderen Hunderte von Nachtschwärmern auch. Markus Seefried und Philipp Hermle, die beiden Organisatoren der Herbstnacht, hatten bei der Auswahl der Bands ein gutes Händchen und einen Riecher dafür, was ankommt – bei Jung und bei Alt.
Im Leustettener Bädle wird das überdeutlich. Dort lassen Ute und Werner Meyer Oldies zum Mitsingen vom Stapel. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ und dann gleich: „17 Jahr, blondes Haar“. Die Generationen zwischen 17 und 70 werden und fühlen sich alle angesprochen. Das ist und will Frickinger Herbstnacht sein. Im Lagerhäusle in etwa dasselbe Bild. Dort regiert der Rock'n'Roll. Hier tanzen noch halbe Teenies mit Senioren Sohle an Sohle. Alle im selben Takt und mit derselben Hingabe. Auch im Löwen in Leustetten erlebt man sie Seit‘ an Seit‘. Die Candys wissen, wie man das richtet. Im Löwen in Altheim findet man die gesetzteren Semester, die sich zu Klaviermusik noch Kulinarisches gönnen. Im Adler dagegen die, die auf der Tanzfläche abfahren wollen. Und nach Mitternacht findet man sie alle in der Graf-Burchard-Halle beim fetzigen Abschluss mit der Band Rasga Rasga vereint.
