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Frickingen Fahrt gegen Gentechnik trägt Früchte

Frickingen/Heiligenberg-Steigen – Rund 16 Monate waren Markus und Maria Schlegel aus Heiligenberg-Steigen von Juli 2008 bis November 2009 mit einer Kutschfahrt quer durch Europa gegen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft zu Felde gezogen. Jetzt schilderten sie in der Frickinger Graf-Burchard-Halle mit lebendigen Bildern interessante Momente dieser Reise und versuchten zugleich in der Heimat einige Früchte zu ernten: In Form von Selbstverpflichtungserklärungen zum Verzicht, deren erste an diesem Abend sie gleich Bürgermeister Joachim Böttinger vorlegten.

Bei der grünen Gentechnik waren sich alle einig: Es braucht keine gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft, sagte auch Frickingens Bürgermeister Joachim Böttinger (Zweiter von links) bei der Veranstaltung von Maria und Markus Schlegel (rechts). Tabu ist Gentechnik in Lebensmitteln auch für Bäcker Josef Baader, der das Projekt Linzgau-Korn angestoßen hatte.
Bei der grünen Gentechnik waren sich alle einig: Es braucht keine gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft, sagte auch Frickingens Bürgermeister Joachim Böttinger (Zweiter von links) bei der Veranstaltung von Maria und Markus Schlegel (rechts). Tabu ist Gentechnik in Lebensmitteln auch für Bäcker Josef Baader, der das Projekt Linzgau-Korn angestoßen hatte. | Bild: Bilder: Walter

Der griff auch gleich zum Stift.

„Ich bin nicht grundsätzlich gegen jede Gentechnik“, differenzierte Böttinger allerdings genau. Grundlegende Forschungsarbeiten dürfe man nicht ganz verhindern; schließlich könnten sie langfristig wichtig werden. Der Einsatz der grünen Gentechnik in der Landwirtschaft allerdings sei aus seiner Sicht gar nicht notwendig. Aus diesem Grund habe der Frickinger Gemeinderat schon vor Jahren eine entsprechende Willenserklärung beschlossen und die Kommune zu eine gentechnikfreien Zone erklärt, wie dies Überlingen oder Herdwangen-Schönach getan hätten.

Der Widerstand sei keineswegs müßig, betonte Maria Schlegel. Auch wenn der Vortrag über die Reise ganz unterschiedliche Haltungen zu grünen Gentechnik, aber auch ganz unterschiedliche Anbaumethoden in der Landwirtschaft erkennbar werden ließ. Auf der Fahrt durch Nordspanien, wo das Gespann der Heiligenberger auch vor Gaudis unvollendeter Kirche Sagrada Familia posieren durften, wurden die Schlegels plötzlich zu einer Demonstration gegen Gentechnik nach Zaragoza gerufen und kamen in letzter Sekunde noch an. Bislang seien 3 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen mit gentechnisch veränderten Pflanzen bebaut, betonte Maria Schlegel. „Es ist also noch nicht alles zu spät“, ermutigte sie die Mitstreiter und Zuhörer, die in großer Zahl gekommen waren. Die Schweiz sei ganz rigoros und lasse kein gentechnisch verändertes Futtermittel auf den Markt. Selbst der Hinweis auf China wollte Schlegel nicht gelten lassen. „China will aufhören mit dem Anbau gentechnisch veränderter Lebensmittel.“ Auf der anderen Seite hätten neuere Studien hierzulande die Abbauprodukte gentechnisch veränderter Pflanzen schon in der Milch nachgewiesen.

Tabu ist Gentechnik in Lebensmitteln auch für den Frickinger Bäcker Josef Baader, Initiator und Motor des Programms Linzau-Korn, das die regionalen Erzeuger mit Preisgarantien über dem Marktniveau zu stärken versucht und ihnen gleichzeitig mit mehreren Verpflichtungen einen Beitrag für Artenvielfalt und Natur abverlangt. Biologische und konventionelle Landwirte arbeiten bei diesem Projekt fruchtbar zusammen.

„Derzeit kooperieren wir mit 14 Landwirten“, sagt Baader, „und wir haben schon eine Warteliste.“ Denn das Mehl aus der Mühle braucht auch Abnehmer. Bislang sind es erst drei verarbeitende Betriebe, die Linzgau-Korn nutzen. Hindernis ist die geforderte Selbstverpflichtung der Bäckereien, auf die Verwendung von Fertigmischungen und vorgefertigten Teiglingen in ihrem Sortiment ganz zu verzichten.

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