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Eriskirch Ufer-Renaturierung am Strandbad geplant

Ein Planungsbüro stellt die ersten Überlegungen vor. Die Eriskircher Räte befürworten eine weitere Planung, ein Rückbau des Steinufers ist allerdings frühestens Ende 2015 möglich.

Große Flussbausteine befestigen am Strandbad Eriskirch und beim daneben liegenden Grillplatz seit Jahrzehnten das Ufer. Dieser Abschnitt – der letzte massiv verbaute an der Eriskircher Uferlinie – könnte in absehbarer Zeit wieder naturnah hergestellt werden. Am Dienstagabend erläuterten Klaus Kersting vom Regierungspräsidium Tübingen sowie Christian Seng vom Planungsbüro „365 Grad freiraum + umwelt“ dem Eriskircher Gemeinderat erste Überlegungen, wie das Ufer renaturiert werden könnte.

Was das Regierungspräsidium hier im Auftrag des Landes plant, geht auf ein Aktionsprogramm zurück, das im November 2011 beschlossen wurde. Die Renaturierung der Uferlandschaft des Bodensees ist in insgesamt 66 Maßnahmen gegliedert, die priorisiert wurden. Da das Strandbad mitten im Naturschutzgebiet liegt, hat das Land hier großes Interesse, diesen Abschnitt als einen der ersten wieder naturnah zu gestalten. Das geht aber nur in Ab- und mit Zustimmung der Gemeinde.

Zwei mögliche Varianten hatte der Garten- und Landschaftsarchitekt im Gepäck; keine fertigen Entwürfe, wie er anfügte. „Wir stehen erst ganz am Anfang“, erklärte Klaus Kersting das Prozedere, der mehrfach beteuerte, dass die Gemeinde den Planungsprozess freilich mitgestalte. Anders als früher werden heute aber nicht mehr Steine und anderes Material in den See – und damit in die Flachwasserzone hinein – aufgeschüttet, sondern man trägt die frühere Aufschüttung zur Uferbefestigung wieder ab.

Wie das später mal ausschauen könnte, zeigte der Landschaftsplaner an renaturierten Uferabschnitten nach dem neuen Modell in Sipplingen und Bodman. Da gibt es flache und etwas steilere Böschungen, die wahlweise mit Rasen, Kies oder gröberen Steinen einen fließenden Übergang ins Wasser schaffen. Wird die Böschung steiler, gibt es etwa durch Terrassenstufen oder Holzplateaus attraktive Möglichkeiten, diese Uferflächen trotzdem nutzbar zu machen. Für Eriskirch könnte zusätzlich eine Aussichtsplattform am westlichen Zipfel des Grillplatzes quasi an der Nahtstelle zum Naturschutzgebiet stehen, und auch ein Wasserspielplatz direkt am Strandbadufer wäre denkbar. „Reizvolle Ideen“, fand Ulrich Baur von den Freien Wählern – wenn da nicht der Landverlust wäre. Tatsächlich würden bei einem mittleren Wasserspiegel im Juni zirka drei bis vier Meter Liegefläche verloren gehen, gab Christian Seng zu. Für diesen Verlust auf der Wiese entstehe direkt am Ufer allerdings nutzbare Fläche.

Die Kosten schätzt der Planer derzeit grob zwischen 420 000 und 570 000 Euro ein. Bei der Gemeinde würden maximal 30 Prozent der Kosten hängen bleiben, das Gros übernimmt das Land. Laut Bürgermeister Markus Spieth wäre 2016 finanziell Luft, solch ein Projekt anzugehen. Viel früher würde die Uferrenaturierung wohl auch nicht in Angriff genommen werden können. Erst müsste eine Detailplanung erarbeitet werden. Liegt die vor, könne man auch schon die Bürgerschaft einbeziehen, bevor das Genehmigungsverfahren startet.

Aus Sicht der Gemeinde sprechen die Vorteile für sich, so Spieth. Das Seeufer werde nicht nur attraktiver, sondern durch die Neugestaltung verringere sich auch der Aufwand für die Unterhaltung. Nach langer Diskussion ging der Gemeinderat einstimmig mit und erklärte damit an diesem Punkt grundsätzlich seine Bereitschaft, zusammen mit dem Land in die Planung einzusteigen. Was nicht bedeutet, dass damit die Uferrenaturierung am Strandbad bereits beschlossene Sache ist.

 

Aktionsprogramm

Die geplante Uferrenaturierung am Eriskircher Strandbad ist Teil des Aktionsprogramms Ufer- und Flachwasserzone am Bodensee. Es zielt nicht auf eine vollständige Renaturierung des Bodenseeufers ab, weil es an vielen Standorten aufgrund vielfältiger Nutzungen nicht möglich ist. Aber die Landesregierung will den naturnahen Uferanteil in Baden-Württemberg von derzeit rund 50 Prozent Schritt für Schritt auf knapp 75 Prozent doch deutlich steigern. Auf einer Länge von rund 53 Kilometern des insgesamt 159 Kilometer langen baden-württembergischen Ufers wurden Verbesserungsmaßnahmen als möglich eingestuft. Vor allem sollen viele Mauern, Stege oder sonstige Verbauungen entfernt und naturnahes Ufergehölz entwickelt werden. (kck)

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