Der SÜDKURIER öffnetTüren: Leser erhalten auf dem Lehenhof Einblick in die Camphill-Gemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderungen.
Deggenhausertal – Sie zupften in farbenfrohem Wollvlies, ließen sich die Webmaschinen erklären und staunten über die gepflegten Gewächshäuser, die 25 Gewinner von SÜDKURIER öffnet Türen. Am Freitagnachmittag durften sie in einer exklusiven Führung von Stefan Siegel-Holz und Amandine Machado die Camphill-Gemeinschaft für Menschen mit und ohne Behinderungen kennen lernen. Während zweieinhalb Stunden weihte Stefan Siegel-Holz, der viele Jahre mit seiner Familie selbst eine Wohngruppe geführt hat, die Besucher ins Lebenskonzept des Lehenhofs ein. Amandine Machado, die mit ihrem Mann eine Wohngruppe leitet, führte die zweite Hälfte der SÜDKURIER-Leser-Gruppe durchs vielfältige Lebensfeld von Dörflern und Mitarbeitern.
Rund 90 Hektar Wohn- und Nutzfläche haben die Menschen mit und ohne Behinderung am Lehenhof zu bewirtschaften. Alles konnte man in der kurzen Zeit nicht ansehen, jedoch bekam jeder einen umfassenden Eindruck von der besonderen Lebensform, in der Dörfler und Mitarbeiter zusammenleben. Und wer mehr wissen will, der ist herzlich eingeladen. „Ich hätte nicht gedacht, dass man einfach herkommen darf und sich die Werkstätten ansehen kann“, sagten einige Besucher. Diese Einladung sprachen alle Werkstätten aus. „Die Menschen hier freuen sich über Besuch und zeigen gerne, was sie machen“, sagte Birte Klenz, Webmeisterin und Leiterin der Weberei. Gerade diese Werkstatt eignet sich sehr gut, um Arbeitsplätze für jegliche Art der Fähigkeiten anzubieten. „Bei uns können sich die Dörfler weiterentwickeln“, sagt Siegel-Holz. Manch einer fange mit einfachen Arbeiten an und sei nach einiger Zeit in anspruchsvollen Aufgabenbereichen anzutreffen. Das bestätigte auch Barbara Klimmek, Leiterin der Färberei.
Während die Besucher in der Weberei helle große Räume antrafen, war die Färberei bunt in geschäftiger Atmosphäre. Von der Seidenrose bis zum handgesponnenen Faden hinterließ die Färberei bei den Besuchern nachhaltigen Eindruck. Mit jeder Station, die man besuchte, wuchs das Verständnis des Gesamtkonzeptes. Vom kleinen Urnenfriedhof über das Wohnhaus für pflegebedürftigere Menschen bis hinein in eines der Wohngruppenhäuser öffnete der Lehenhof seine Türen sehr weit. Dem zollten die Gäste große Hochachtung. Ebenso den riesigen Gewächshäusern und ihrer Bewirtschafter. „Wir haben 1400 Quadratmeter Anbaufläche unter Glas und vier Hektar Freilandfläche“, sagt Mitarbeiterin Katharina Wittmann. Die Gärtnerei ist seit 1967 fester Bestandteil des Lehenhofs und wurde von Anfang an biologisch dynamisch bewirtschaftet. Tomaten ohne ein braunes Fleckchen auf dem Blatt – ein Traum für die Hobbygärtner unter den Besuchern. Schnell ging's noch in den Festsaal, wo Siegel-Holz auf die kulturellen Angebote am Lehenhof einging. Dann trafen die beiden Gruppen bei leckerem Imbiss mit Käse, Brot und Gemüse vom Lehenhof nochmals aufeinander. In einer Fragerunde beantworteten Siegel-Holz und Machado die vielfältigen Fragen um Finanzierung, Landwirtschaft, Käserei, Bäckerei oder wann die Mitarbeiter mal eine Auszeit haben. Am Ende wussten alle, dass am Lehenhof eine Ärztefamilie wohnt und auch externe Mitarbeiter beschäftigt sind. Beeindruckt vom ganzheitlichen Konzept, besuchten die SÜDKURIER-Leser noch die Bäckerei und Käserei, um Brot und Käse zu kaufen – denn jetzt wissen sie, wer es backt und herstellt und was drin ist.
SK öffnet Türen im Lehenhof
Informationen:
www.lehenhof.de