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Herdwangen-Schönach Versuchsanlage zur Agrophotovoltaik startet: Doppelte Ernte auf dem Acker

In Heggelbach geht die erste Versuchsanlage zur Agrophotovoltaik ans Netz. Unter Kollektoren werden Kartoffeln, Weizen und vieles mehr angebaut. Das Projekt des Fraunhoferinstituts wird vom Ministerium gefördert und die Universität Hohenheim wertet die Ergebnisse und Erträge wissenschaftlich aus.

Die Windkraft kommt aufgrund von Arten- und Landschaftsschutz nicht recht voran, die Biogas-Euphorie hat zu Mais-Monokulturen geführt. Um die Kurve für die Energiewende zu kriegen, gibt es mit der Agrophotovoltaik (APV) nun ein neues Pilotprojekt, das eine alte Vision von der doppelten Ernte auf dem Acker aufgreift. Realisiert wurde es auf Initiative und unter der Trägerschaft des Freiburger Fraunhoferinstituts für Solarenergie (ISE) bei Heggelbach (Herdwangen-Schönach), gefördert werden die Kosten von rund 3,2 Millionen Euro zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Unter den PV-Modulen, die in fünf Meter Höhe angebracht sind und so eine unbehinderte Durchfahrt aller Traktoren erlauben, werden auf Versuchsfeldern von insgesamt 0,4 Hektar Kartoffeln und Sellerie, Kleegras und Weizen angebaut. Daneben sind Vergleichsfelder vorgesehen, die eine wissenschaftliche Auswertung der Erträge durch die Universität Hohenheim ermöglichen. Die Anlage wird am Wochenende offiziell eingeweiht, die Untersuchungen laufen bis zum Jahr 2019. Zum Einsatz kommen hier für die Photovoltaik sogenannte bifaziale Module, die auch auf der Unterseite noch reflektiertes Licht verwerten, die Gesamtleistung liegt bei 190 Kilowatt Peak.

Baurechtlich musste der landwirtschaftliche Außenbereich vom Landkreis Sigmaringen per Bebauungsplan als Sondergebiet ausgewiesen werden. Auch der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben steht hinter diesem Pilotprojekt. Nicht zuletzt weil die Genehmigung von Windkraftanlagen im eigenen Zuständigkeitsbereich nicht vorankommt. "Zu den Herausforderungen zählte unter anderem die Fundamentierung und die Statik der Anlage", sagt Landwirt Thomas Schmid, "da auf dem Acker möglichst kein Beton zum Einsatz kommen sollte." Stattdessen wurden sogenannte Spinnanker-Fundamente verwendet, bei der eine Ankerplatte mit Gewindestäben quasi das Wurzelwerk eines Baumes kopieren. Zudem wurden beim Aufbau für die schweren Maschinen breite Aluminiumabdeckungen eingesetzt, die eine unnötige Verdichtung des wertvollen Bodens zu vermeiden halfen. Bis zum Schluss war die Prüfstatik ein Problem, wie Edgar Gimbel vom Partner BayWa Renewable Energy der Projektgruppe beim Abschlussgespräch vor Augen führte.

Primär wird der Strom für die Nutzung auf dem Hof eingesetzt. Nur was hier nicht verbraucht wird, fließt am Einspeisepunkt ins Netz. Hier arbeitet der Demeter-Hof mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS), den vielfach ausgezeichneten Pionieren ökologischer Energieerzeugung, zusammen. Mit der Umsetzung wird zugleich eine alte Idee des Institutsgründers Wirklichkeit. Bereits 1981 hatte Professor Adolf Goetzberger unter dem Schlagwort "Kartoffeln unter dem Kollektor" auf die Vorteile der doppelten Nutzung bei wachsender Flächenkonkurrenz hingewiesen. Dieses Konzept wurde nun von der Innovationsgruppe APV-Resola um die politische, ökologische und gesellschaftliche Dimension erweitert.

Für preiswürdig befunden wurde das Projekt inzwischen auch beim Wettbewerb "Land der Ideen", wie Stephan Schindele als Verantwortlicher beim Fraunhoferinstitut für Solarenergie (ISE) erklärt. "Grundlage des Forschungsansatzes ist das Living Lab-Konzept", betont er: "In diesem Forschungskonzept wird die notwendige Entwicklungsarbeit in enger Zusammenarbeit von Forschern und Technikentwicklern mit Nutzern und der lokalen Bevölkerung betrieben. Der Gedanke des Mitgestaltens fließt so ganzheitlich in den Innovationsprozess ein."
 

Einweihung im Rahmen der Energiewendetage des Landes

  • Für die Umsetzung ihres nachhaltigen Energiekonzepts war die Hofgemeinschaft Heggelbach schon 2009 von Eurosolar mit dem Deutschen Solarpreis ausgezeichnet worden. Damals hatte der Hof im Rahmen eines Pilotprojekts die Technik eines Holzvergasers wieder belebt, der Wärme und Strom zugleich liefert. Dies wurde inzwischen weiter entwickelt und es wurden nach dem Vorbild binnen sieben Jahren mehrere hundert solcher Anlage installiert, wie Initiator Thomas Schmid, Landwirt und Mitbegründer der Hofgemeinschaft, weiß. Aufgrund der damaligen Auszeichnung wurde das Freiburger Fraunhoferinstitut für Solarenergie (ISE) auf die Hofgemeinschaft aufmerksam und trug ihr das aktuelle Forschungsvorhaben zur Agrophotovoltaik (APV) an, das zu 90 Prozent vom Bundesministerium finanziert wird. Beteiligt sind auch die BayWa r.e.  renewable energy GmbH, die Universität Hohenheim, das Institut für Technikfolgenabschätzung (ITAS) und die Elektrizitätswerke Schönau.
  • Die offizielle Einweihung der APV-Anlage findet am Sonntag, 18. September, im Rahmen der Energiewendetage des Landes statt. Zu Gast sein werden daher ab 10.30 Uhr Professor Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solarenergie, und Beate Schütze, Expertin für Nachhaltigkeit beim Bundesministerium für Bildung und Forschung, sowie die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) und Landtagsabgeordneter Martin Hahn (Grüne). Die Hofgemeinschaft Heggelbach verbindet damit einen Tag der offenen Tür, um ihr verjüngtes Team und die neuen Errungenschaften der vergangenen Jahre vorzustellen. Dazu gehören ein neuer Schweinestall und eine Gemüsehalle mit großem Kühllager. Die Hofgemeinschaft hatte sich 1986 zusammengetan und betreibt seitdem vor allem biologischen Gemüseanbau und Milchkuhhaltung für die eigene Käserei. (hpw)

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