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Bodenseekreis Verena Bentele radelt im Tandem mit Alex Heim den Radmarathon „Styrkeprøven“ in Norwegen

Die zwölffache Paralympics-Siegerin, die blinde Verena Bentele, hat es wieder getan: Gemeinsam mit ihrem guten Freund Alex Heim bewältigte sie am vergangenen Wochenende Europas längstes Radmarathon, den „Styrkeprøven“. Sie legten die 540 Kilometer lange Strecke in 22 Stunden und 23 Minuten zurück.

Der „Styrkeprøven“ (norwegisch: große Kraftprobe) ist unter Radsportlern ein Geheimtipp. Die Tour quer durch Norwegen ist 540 Kilometer lang, dabei müssen insgesamt 3400 Höhenmeter bewältigt werden. Die Strecke führt von Trondheim nach Oslo. Schon 2013 hatte das Radtandem Bentele/Heim bei dem Marathon mitgemacht und in diesem Jahr hatte sich die 32-Jährige vorgenommen, ihre Zeit aus dem Vorjahr noch zu toppen (22:54 Stunden). „Wir haben es tatsächlich geschafft, wir erreichten das Ziel schon nach 22:23 Stunden“, freut sich Verena Bentele, die mittlerweile wieder in ihrem Berliner Büro sitzt. „Bei der Ankunft war ich nur noch müde und bin dauernd auf dem Stuhl sitzend eingeschlafen“, erzählt die sympathische Tettnangerin lachend.

Doch die Teilnahme an dem harten Radevent ist für sie Energiequell, Kraftspender und Motivation zugleich: „Es gibt mir Energie, wenn ich wieder einmal an meine physischen und mentalen Grenzen stoße. Man erlebt wieder die eigene Leistungsfähigkeit und man merkt, wozu der Kopf in der Lage ist – das gibt mir viel Kraft“, erzählt Verena Bentele.

Die 540 Kilometer auf dem Tandem zu bewältigen, war in diesem Jahr allerdings nicht einfach – gleich zu Beginn des Radmarathons machte dem eingespielten Team der Gegenwind zu schaffen: „360 Kilometer lang blies uns der Wind entgegen und das war schon heftig. Sogar bergab konnten wir es nicht einfach laufen lassen, sondern mussten zusätzlich treten, damit wir unsere Geschwindigkeit halten konnten“, erinnert sich Bentele. Wie sie sich motivierte, durchzuhalten? Die 32-Jährige Ausnahme-Sportlerin verrät es: „Ich habe viel im Kopf gerechnet, das lenkt wunderbar ab. Dann habe ich zum Beispiel auch Begriffe nach Buchstaben sortiert oder mir Gedanken über meine Projekte als Behindertenbeauftragte gemacht – so vergeht die Zeit.“ Viel geredet haben Verena Bentele und Axel Heim auf dem Fahrrad nicht, jeder konzentrierte sich darauf, die Strapazen irgendwie zu überstehen. „Es war dieses Mal schon heftig, Irgendwann tut einfach alles weh: Das Knie, der Nacken, die Hände – aber wir wollten es schaffen und hatten unser Ziel immer vor Augen“, erzählt Bentele.

Pausen wurden immer nur ganz kurz gemacht – nach zehn oder fünfzehn Minuten wollte Bentele immer weiter. Wichtig dabei war aber, viel zu essen: Bananen, Riegel und jede Menge Kaffee verputzte das Tandemteam. „Nur die von den Veranstaltern angebotene Fischsuppe mochte ich nicht anrühren – das war mir dann doch ein bisschen suspekt“, gibt Bentele lachend zu und griff stattdessen zur Gemüsesuppe.

In diesem Jahr hatte Verena Bentele allerdings viel weniger Zeit, sich auf den Radmarathon vorzubereiten. „Das habe ich schon gemerkt“, gibt sie unumwunden zu. Normalerweise hätte sie rund um den Bodensee viele Trainingsfahrten absolviert, doch dank ihres neuen Jobs als Behindertenbeauftragte der Bundesregierung hat sie nun viel weniger Zeit dafür. „Stattdessen habe ich in meiner Berliner Wohnung auf der Rolle trainiert – doch das ist natürlich nicht das Gleiche“, sagt die 32-Jährige. Schon um 5 Uhr morgens saß sie manches Mal auf dem Hometrainer – eine zweite Trainingseinheit folgte dann meist um 21 Uhr nach getaner Arbeit.

Warum sie sich den ganzen Stress überhaupt antut? Da weiß die blonde Tettnangerin sofort eine Antwort: „Da entstehen so viele Glücksgefühle, am Ende bekommt man so viel Bestätigung für unsere Anstrengungen – so etwas gibt es einfach nur beim Sport. Und es gibt mir ganz viel Rückenwind für neue Projekte.“ Ob sie auch im nächsten Jahr wieder am „Styrkeprøven“ teilnimmt ist noch nicht klar. „Es gibt ja auch noch andere tolle Radevents – mal sehen“, sagt sie lachend. Bis dahin will sie versuchen, so oft wie möglich nach Hause zu kommen, um mal wieder ordentliche Runden auf dem Rad zu absolvieren. „Doch leider schaffe ich es derzeit nur alle vier bis fünf Wochen nach Tettnang“, sagt sie.

Zur Person: Verena Bentele

Verena Bentele wurde im Februar 1982 geboren und lebte mit ihren Eltern und zwei Brüdern in Tettnang. Sie ist seit ihrer Geburt blind und kann nur hell und dunkel unterscheiden. Von 1995 bis 2011 war sie Mitglied der Nationalmannschaft im Skilanglauf und Biathlon und nahm an vier Paralympischen Spielen, drei Weltmeisterschaften und zwei Europameisterschaften teil. 2011 schloss sie ihr Magisterstudium an der Universität München mit der Note „sehr gut“ ab und begann eine Ausbildung zum Systemischen Coach. Bis 2014 arbeitete sie als Freiberufliche Referentin im Bereich Personaltraining und -entwicklung. Im Januar 2014 wurde sie von der Bundesregierung zur Behindertenbeauftragten ernannt. (mom)

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