Bodenseekreis Tipps zur frühzeitigen Klärung der Hofnachfolge
14.02.2012
– Wer als Landwirt auf der Höhe seiner Schaffenskraft ist, macht sich ungern Gedanken darüber, irgendwann nicht mehr der Chef zu sein. Für den Fortbestand eines landwirtschaftlichen Betriebes ist eine frühzeitig geklärte Nachfolge jedoch überlebensnotwendig. Bei der Messe Agrarwelt vom 24. bis 26. Februar widmen sich Referenten diesem Thema.
Von den knapp 45 000 landwirtschaftlichen Betrieben in Baden-Württemberg hatten 2010 laut Statistischem Landesamt 61 Prozent einen Betriebsinhaber im Alter von 45 Jahren oder älter. Weiter ergab die Erhebung, dass es nicht einmal in jedem vierten dieser Betriebe eine geregelte Hofnachfolge gibt. „Das zieht sich quer durch die Betriebe“, sagt Heiner Klett, Rechtsreferent beim Landesbauernverband in Ravensburg. Das Interesse an einem kleinen Betrieb sei vielleicht noch geringer, aber auch in manchen großen Betrieben sei es ein Problem, einen Nachfolger zu finden. Und wenn ein Nachfolger da ist, heiße dies noch lange nicht, dass die Welt in Ordnung ist. Erleichtern könnte man dem möglichen Hofnachfolger die Übernahmeentscheidung durch einen leistungsfähigen Betrieb und „durch einen Vertrag, der Luft zum Atmen lässt“, so Klett. Befragt nach den häufigsten Fallstricken, sagt der Rechtsanwalt: „Es gibt unendlich viele.“ Die häufigsten Fehler seien die, wenn Leistung und Gegenleistung nicht im richtigen Verhältnis stehen.
Solche „nicht richtig besprochenen“ Übergaben erleben auch Berater wie Johannes Willburger von der Hof und Leben GmbH in Kirchdorf häufig genug: „Das Thema wird oft zu stiefmütterlich behandelt.“ Im Idealfall habe die übergebende Generation „zukunftsweisende Investitionen getätigt und die notwendigen Darlehen im entsprechenden Umfang getilgt“. Ebenso wichtig sei, dass die übernehmende Generation gut ausgebildet sei und rechtzeitig Verantwortung im eigenen Betrieb übernehmen könne. Ein Nachfolger, der wisse, dass er mit seinen Handlungen die Zukunft des Betriebes mitgestaltet, werde sich viel intensiver einbringen. Frühzeitiges Handeln empfiehlt Willburger im finanziellen Bereich. Die eigene Altersversorgung sollte ohne den Austrag sichergestellt sein. Und die weichenden Erben sollten ohne Substanzverlust für den Betrieb befriedigt werden können.
Auch wenn die Übergabe gut geplant war, kann es zu Streitigkeiten kommen. „Das sind häufig familiäre Problem. Und es gibt Fälle, wo die beiden Parteien gut miteinander ausgekommen sind und dann sind es weichende Erben, die schieben“, berichtet Klett.
