Vor zwei Monaten wurde verkündet, dass die Technischen Werke Friedrichshafen (TWF) und die Stadtwerke Überlingen (SWÜ) das Stadtwerk am See gründen. Weitere Kommunen wurden eingeladen, Teil des neuen Stadtwerks zu werden. Gibt es Interessenten, die über eine Beteiligung nachdenken?
Ja, die gibt es. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass sich das positiv entwickelt. Wir haben ja mit der Stadtwerks-Gründung gleichzeitig eine Beteiligungsgesellschaft ins Leben gerufen, die eine von drei Gesellschaftern des Stadtwerks am See ist, neben der TWF und der SWÜ. Wir haben also quasi drei Mütter. Interessierte Gemeinden können sich nun an der Beteiligungsgesellschaft beteiligen und sind dann vom Rang her auf Augenhöhe mit der Stadt Friedrichshafen und der Stadt Überlingen, die ja hinter der TWF und der SWÜ stehen. Das ist einzigartig.
Was hätten die Gemeinden denn davon?
Wir glauben, das ist hier für die Region eine große Chance. Schließlich vermarktet man außerordentlich erfolgreich das Obst vom See, den Tourismus vom See oder den Wein vom See. Warum sollen wir nicht auch in der Energieversorgung die Kräfte bündeln – vor allem, wenn wir das unter dem Aspekt der Energiewende und Dezentralisierung der Energieerzeugung betrachten.
Das neue Unternehmen soll ja nachhaltiger und ökologischer ausgerichtet werden. Was heißt das konkret?
Die SWÜ bringen Bürgerenergiegenossenschaften für Fotovoltaikanlagen mit, und wir werden diesen Bereich weiterentwickeln. Zweitens suchen wir mit den heimischen Banken nach einer Möglichkeit, dass Bürger auch Geld in ökologische Projekte anlegen können, eine Art Ökofond. Drittens haben wir mit anderen Stadtwerken gerade die Windkraft Bodensee Oberschwaben (WKBO) gegründet mit dem Ziel, hier in der Region zehn bis 15 Windkraftanlagen zu bauen, und das wiederum mit Bürgerbeteiligung. Das sind drei Pfade, die wir sehen. Aber wir wollen noch mehr klar machen, dass wir hier in der Region für die Region agieren. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Sonst wären wir austauschbar wie die Yellos dieser Erde.
Was wird mit den defizitären Bereichen wie Katamaran, Parkhäuser, Stadtverkehr, die ja lokal politisch beeinflusst werden?
Diese Geschäftsbereiche werden getrennt. Die TWF bleibt ja bestehen und gründet mit der SWÜ das Stadtwerk am See. Da geht alles über, inklusive die Mitarbeiter. Zurück bleiben bei der TWF lediglich die Parkhäuser, die Beteiligung an der Bodensee-Oberschwaben-Bahn BOB, am Flughafen sowie am Katamaran und unser Stadtverkehr. Die Menschen, die hier arbeiten, gehen mit ins Stadtwerk am See, das seinerseits als Dienstleister die Verkehre für die TWF in Friedrichshafen bedient und bewirtschaftet. Damit garantieren wir, dass die Entscheidungen über Bustakte, Fahrpläne oder über Preise in den Parkhäusern innerhalb der TWF getroffen werden. Und die ist ja eine 100-prozentige Tochter der Stadt Friedrichshafen. Der Gesellschafter kann also wie bisher auch beeinflussen, wie er diese Infrastrukturbetriebe haben möchte.
Was müsste sich ändern, damit die Energiewende vor Ort ankommt?
Der Politik muss klar sein, dass eine Energiewende nur funktioniert mit den Großen und mit den Kleinen. Die Energiekonzerne haben eine eigene Aufgabe in diesem Szenario. Zum Beispiel dafür zu sorgen, dass die Hochspannungsnetze ausgebaut werden und stabil sind. Wir müssen weg von der ideologischen Auseinandersetzung Groß gegen Klein.
Auf dem Energiemarkt gibt es starke Konkurrenz. Wenn die Politik die Energiewende verordnet, sind da nicht neue Regeln für ein faires Spiel nötig?
Nein, das regelt der Markt von allein. Wir wünschen uns hier lediglich, dass die EnBW bei der Neuvergabe von Konzessionen, die in den nächsten Monaten anstehen, keine Sonderunterstützung erhält. Die verschärfte Konkurrenz zwischen der EnBW und uns resultiert hauptsächlich daraus, dass sie mit der Gründung des Regionalwerks Bodensee sieben Konzessionen verloren hat und alles tut, um nicht noch weitere zu verlieren. Wir werden uns um diese Stromkonzessionen verstärkt bemühen, weil wir glauben, wenn wir hier die Netze betreiben und konsolidieren, dass dann ein starkes regionales Netz entsteht, das auf die Bedürfnisse unserer Region ausgelegt ist – als Basis für die Energiewende am Bodensee.
Die EnBW hat allem Anschein nach trotzdem die besseren Karten...
Wir spüren, dass die EnBW die größere Lobby hat. Wir bedauern das, aber wir jammern nicht. Die Gemeinden müssen für sich entscheiden, wer der bessere Partner ist. Wir sind überzeugt, dass die Gemeinden mit uns auf Augenhöhe sind. Weil man im Verbund mit fünf oder sechs eine größere Rolle spielt als in einem Verbund mit 700. Unser Angebot an die Kommunen: Zukunft gestalten und Chancen nutzen.
Aus den Technischen Werken Friedrichshafen (TWF) und den Stadtwerken Überlingen (SWÜ) wurde im Oktober 2012 das „Stadtwerk am See“. Im Bodenseekreis beziehen nach Unternehmensangaben rund 60.000 Haushalte Strom, Erdgas, Wärme und Trinkwasser bei dem regionalen Energieversorger.

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