Bodenseekreis Online-Plattform bringt Flüchtlinge und Arbeitgeber zusammen

Im Landratsamt Bodenseekreis wurde ein neues Angebot vorgestellt. Die Online-Plattform bora.jobkraftwerk.com bringt regional Flüchtlinge und Arbeitgeber online zusammen. Flüchtlinge können selbst einen Lebenslauf erstellen, ihre Schul- und Ausbildung wird in deutsche Standards transferiert. Arbeitgeber können dann gezielt nach neuen Mitarbeitern suchen.

Was zunächst als Chance für den deutschen Arbeitsmarkt erschienen ist, hat sich schon bald als verwaltungstechnische Herausforderung erwiesen: Etwa eine Million Geflüchtete stehen einer gleichen Anzahl offener Stellen und 40 000 unbesetzten Ausbildungsplätzen gegenüber. Doch wie kommen Arbeitgeber an Informationen über die Qualifikation erwerbsfähiger Migranten?

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, beide Seiten miteinander zu vernetzen, stieß Peter Aulmann, Vorstand der Elobau-Stiftung aus Leutkirch, auf Job-Kraftwerk, ein Startup, das sich der digitalen Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten verschrieben hat. Es ist seit 1. Januar im Landkreis Reutlingen mit einem Pilotprojekt am Start. Mit 250 Registrierungen hat das Internetportal dort bereits 70 Prozent der erwerbsfähigen Geflüchteten erfasst und etwa 40 von ihnen in ein Beschäftigungsverhältnis gebracht.

Gemeinsam mit den Landkreisen Bodenseekreis und Ravensburg, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben, der Handwerkskammer Ulm, dem Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) und vielen weiteren Akteuren ist in der Region ein Bündnis entstanden, das mit seinem Portal bora.jobkraftwerk.com die Eintrittsbarrieren für Geflüchtete in den Arbeitsmarkt senken soll. Bisher mussten Sozialarbeiter und Mitarbeiter von Arbeitsagenturen und Jobcentern mit großem zeitlichen Aufwand und mithilfe eines Dolmetschers handschriftliche Lebensläufe erstellen. Jetzt können Geflüchtete ihre Lebensläufe selbst in ihrer Muttersprache und in 25 bis 60 Minuten aktiv gestalten. Im automatisch erstellten deutschen Lebenslauf werden Schul- und Berufsbildung mit deutschen Standards vergleichbar.

Dank schneller digitaler Erfassung von Kompetenzen und der aus diesen Daten erstellten Profile können Unternehmer und Arbeitssuchende zukünftig unkompliziert auf regionaler Ebene zusammenkommen und Qualifizierungsmaßnahmen durch Jobcenter, IHK oder CJD für Gruppen gleichen Ausbildungsniveaus effektiver organisiert werden. Unternehmen profitieren zudem von der Möglichkeit, über das Portal die notwendigen Unterlagen für Arbeitsgenehmigungen digital an die Ausländerbehörde zu übermitteln.

Vom Schulabbrecher bis zum Akademiker mit Berufserfahrung steht die Plattform allen Geflüchteten offen. "Wir bringen alle auf einer Plattform zueinander", sagte Oliver Queck vom Job-Kraftwerk-Team. Um Geflüchtete über die neue Plattform zu informieren, wurden haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Flüchtlings- und Integrationsarbeit geschult. Finanziert und betreut wird das Projekt für ein bis zwei Jahre von der Elobau-Stiftung, die sich neben den Themen Bildung und Entwicklung, Umwelt und Nachhaltigkeit auch der Integration widmet. Auf die Frage nach der Motivation erklärte Aulmann: "Wenn es uns gelingt, hier zu helfen, dann haben wir idealerweise unseren Stiftungszweck erfüllt."


Die Plattform

Erwerbsfähige Geflüchtete und interessierte Unternehmen können sich ab Samstag, 1. April, kostenlos auf der Plattform bora.jobkraftwerk.com registrieren. Dabei stehen derzeit die Sprachen Deutsch, Englisch, Arabisch und Farsi zur Verfügung. Passend für das Smartphone programmiert, erscheint kein kompliziertes Formular, sondern jeweils nur eine Frage pro Screen. Neben Angaben zur Person werden Schul- und Ausbildung, Sprachkenntnisse, Aufenthaltsstatus und persönliche Stärken erfasst. Um die Eingabe so einfach wie möglich zu halten, wird der Nutzer durch Eingabehilfen und Tabellen mit den landestypischen Schularten, Universitäten oder den erlernten Berufen unterstützt. Während das Ausfüllen in der Muttersprache erfolgt, wird zeitgleich ein deutscher Lebenslauf erstellt, der ausgedruckt und beliebig verwendet werden kann. Unternehmen haben die Möglichkeit, auf der Plattform registrierte und zunächst anonymisierte Bewerber auszuwählen, um mit ihnen in Kontakt zu treten.

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