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Bodenseekreis Neue Unterkünfte für Asylbewerber in Kreisgemeinden geplant

Die Zahl der Flüchtlinge, die derzeit monatlich dem Bodenseekreis zugewiesen werden, ist an zwei Händen abzählbar. Und doch wird ein umfangreiches Bauprogramm forciert, um neue Gemeinschaftsunterkünfte in vielen Kreisgemeinden zu schaffen.

Aktuell werden in Tettnang zwei Gebäude und in Bermatingen ein Haus gebaut. Der Baubeginn für eine Gemeinschaftsunterkunft in Salem-Stefansfeld ist nach Auskunft des Landratsamtes auf März 2017 anvisiert. "Welche weiteren Bauprojekte wir im nächsten Jahr dann darüber hinaus konkret angehen werden, hängt von der Entwicklung der Zuweisungszahlen ab", erläutert Robert Schwarz, Pressesprecher des Landratsamtes, auf Nachfrage des SÜDKURIER.

Basis dafür ist eine Liste möglicher Bauprojekte, die der Kreistag bereits im Februar 2016 beschlossen hat. Aufgeführt sind 17 Grundstücke in elf Städten und Gemeinden, wo neue Gemeinschaftsunterkünfte entstehen könnten. Für 27 bis 30 Millionen Euro könnten hier insgesamt knapp 1300 Plätze neu geschaffen werden. Nach aktuellem Stand würden Neubauprojekte in Meersburg, Friedrichshafen, Tettnang, Salem, Uhldingen-Mühlhofen, Heiligenberg und Neukirch folgen, für die es aber noch keine Detailplanungen gebe, so Schwarz. Die stehen unter dem Vorbehalt einer gesicherten Finanzierung durch das Land und der Zustimmung des Kreistags-Ausschusses für jedes einzelne Bauprojekt. Eines dieser Projekte ist der Bau einer neuen Gemeinschaftsunterkunft in Friedrichshafen-Allmannsweiler auf einem Grundstück des DRK. Hier sei man in der vorbereitenden Phase, bestätigt Robert Schwarz. Ein Bauantrag sei aber noch nicht eingereicht worden. Hier könnte der Prototyp einer neuen Unterkunft entstehen.

Nach Auskunft von Robert Schwarz plant der Landkreis die dauerhafte Vorhaltung von 2000 Plätzen in Gemeinschaftsunterkünften. 1400 Geflüchtete leben derzeit in den Heimen. Viele Plätze sind frei, auch wenn die Container-Unterkunft im Fallenbrunnen in Friedrichshafen derzeit mit 280 Personen sehr voll ist. Warum dann so viele Neubauten? Solch ein Container-Standort sei nur eine gewisse Zeit nutzbar, so Schwarz. Außerdem steht jedem Asylbewerber ab Januar 2018 eine Fläche von sieben Quadratmeter in der Unterkunft zu; bisher sind es 4,5 Quadratmeter. Somit reduziert sich das derzeit vorhandene Platzangebot schlagartig auf rund 1200. Zudem will der Kreis die Unterbringung insgesamt verbessern. "Wir sind nicht mehr in der Situation, jede angebotene Immobilie nehmen zu müssen, wir setzen auf eine gute Substanz", erklärt der Sprecher der Kreisverwaltung. 37 Liegenschaften seien derzeit angemietet. Bei manchen Gebäuden läuft der Vertrag aus. Andere Verträge werden verlängert, so wie bei den zwei Häusern in der Löwentaler Straße in Friedrichshafen. Die Wohnungen in beiden Gebäuden hat der Landkreis renovieren lassen. Hier werden demnächst wieder Asylbewerber einziehen – genauso wie im benachbarten Gebäude in der Ailinger Straße, das nach einem Verteilerkasten-Brand wieder hergerichtet wurde. Hier ist der Neubezug in vier Wochen geplant. Alle drei Gebäude gehören der Stadt Friedrichshafen, die Verträge wurden bis Ende 2017 verlängert.

Neben den Neubau-Projekten in Regie des Landkreises würden aber auch weiterhin gute oder größere Objekte angemietet, so Schwarz. "Wir wollen gewappnet sein, wenn die Flüchtlingszahlen doch wieder steigen sollten." Von den Notunterkünften sind nur noch zwei in Betrieb. In der Neukircher Halle harren noch 35 Personen aus, in Meckenbeuren 80. Ziel sei, bis zum Jahresende auch diese Notunterkünfte leer zu ziehen.
 

Zu wenig Wohnungen

Derzeit sind 1400 Asylbewerber in den Gemeinschaftsunterkünften des Kreises untergebracht, wobei 160 (11 Prozent) ihren Anerkennungsbescheid haben und aus den Heimen raus müssten. Denn dann müssen ihnen die Städte und Gemeinden eine Anschlussunterkunft zur Verfügung stellen. Davon gibt es nach wie vor zu wenig. Dabei steigt der Druck, denn anerkannte Asylbewerber müssen jetzt drei Jahre an dem Wohnort bleiben, der ihnen zugewiesen wurde. Diese Wohnsitzauflage greift zwar erst nach etwa einem halben Jahr, um in der Zwischenzeit eine Bleibe finden. Doch wenn eine Familie dann immer noch in der Gemeinschaftsunterkunft lebt, wird dieser Ort zur Wohnsitzauflage gemacht. Städte wie Friedrichshafen, die viele Gemeinschaftsunterkünfte haben, müssten dann überproportional viele Geflüchtete auf Dauer betreuen und mit Wohnungen versorgen. Das Landratsamt will die Menschen aber möglichst gleich verteilen. (kck)

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