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Meersburg Netzgehege treiben Fischer um

Die Mehrheit der Fischer lehnt eine Fischzucht im Bodensee ab. Der Vorsitzender der badischen Fischer ist dafür und tritt daher von seinem Amt zurück. Elke Dilger führt jetzt als Vorsitzende die Fischer an.

Meersburg – Die große Mehrheit aller Bodenseefischer sei gegen Felchenzucht in Netzgehegen. Das gelte auch für ihren Verband, betonten die Badischen Berufsfischer bei ihrer diesjährigen Hauptversammlung in Meersburg. Auch die schon vor längerem beschlossene Reduzierung der Fischerpatente beschäftigte sie. Mittels "unangemessener" Abstandszahlungen habe das Landwirtschaftsministerium Fischer 2016 zur Rückgabe ihrer Patente bewegen wollen. Das berichtet die kurz darauf zur neuen Verbandsvorsitzenden gewählte Schriftführerin Elke Dilger, die in diesem Zusammenhang sogar das Wort "Enteignung" aussprach.

Die Neuwahl war nötig, weil Dilgers Vorgänger Martin Meichle sein Amt "wegen eines Interessenskonflikts" abgab. Letzterer besteht darin, dass Meichle zu den mittlerweile zwölf Interessenten gehört, die gerade dabei sind, eine Fischzucht-Genossenschaft auf die Beine zu stellen. Deren Gründung werde wohl bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein, so Meichle zum SÜDKURIER. Die meisten seiner Verbandskollegen lehnen Netzgehege aber ab. Zu ihren Argumenten zählen der Wunsch, den traditionellen Beruf zu erhalten sowie Befürchtungen, die Zuchtfische könnten nachteilig für die Wildfische und die Wasserqualität sein. Es passe nicht zusammen, findet etwa Dilger, dass man einerseits, mit Verweis auf den Gewässerschutz, die Forderung der Fischer nach einer kleinen Erhöhung des Phosphateintrags in den nährstoffarmen See ablehne, andererseits aber einer völlig neuen Nutzung mit unvorhersehbaren Folgen die Tür öffne.

Peter Dehus vom Landwirtschaftsministerium meinte jedoch gegenüber dem SÜDKURIER, das seien zwei völlig unterschiedliche Themen. Zum Prozedere in punkto Netzgehege erklärte er, Interessenten, die künftig solche betreiben wollten, müssten vorab eine wasserschutzrechtliche Genehmigung beantragen und erhalten. Dehus ergänzte, die Idee der Netzgehege sei im Umweltministerium entstanden, um möglichst vielen Berufsfischern die Chance zu geben, Fisch aus dem See anbieten zu können. Doch was, wenn die meisten Fischer das gar nicht wollen? Dehus sagte dazu nur, er bezweifle, dass 95 Prozent der Fischer gegen Netzgehege seien, wie Dilger angeführt hatte.

Bei der Reduzierung der Patente stehe ebenfalls der Gedanke im Vordergrund, "dass lebensfähige Betriebe übrig bleiben". So verteidigte sich Manuel Konrad von der Fischereibehörde gegen teils heftige Vorwürfe, die etwa Jürgen Kath vom Fischereiverband Baden-Württemberg den Behörden machte. Eine Fischerin wies aber ferner darauf hin, dass eine Patentrückgabe für manchen auch eine Betriebsaufgabe bedeute. Die Fangquoten standen thematisch nicht so im Vordergrund wie in den Vorjahren. Das lag nicht nur an den vorgenannten Themen, sondern auch daran, dass die Erträge 2016, zumindest beim Brotfisch Blaufelchen, besser waren als 2015. Das führten die Fischer auf das Hochwasser und die dadurch erfolgten Nährstoffeinträge in den See zurück. Daran, dass die derzeitige Situation des Felchenbestands "extrem schlecht ist", sei zu 50 Prozent der Nahrungskonkurrent Stichling schuld, erklärte Alexander Brinker, Leiter der Fischereiforschungsstelle Langenargen.

Wenn man diesem beikomme, könnten sich die Zahlen wieder "elementar nach oben korrigieren", so Brinker. Er betonte, die Fänge 2016 seien trotz der erhöhten Phosphatwerte unterdurchschnittlich gewesen. Marco Knoblauch glaubt: "Die Laichfischerei ist die wichtigste Schraube, an der wir drehen können." Er schlug vor, dafür die Berufsfischer verstärkt einzusetzen sowie mehr Netze als bisher auszubringen. Eine Idee, die gut ankam.

Fischer und Fangzahlen

Die badischen Berufsfischer am Bodensee fingen im vergangenen Jahr 46,8 Tonnen Blaufelchen, das ist im Vergleich zu 2015 eine Steigerung von 72 Prozent. An Gangfelchen gingen ihnen 13,1 Tonnen ins Netz, 16 Prozent weniger als im Vorjahr. Andere Fischarten, die wirtschaftlich aber keine große Rolle spielen: Beim Barsch gab es mit 5,8 Tonnen ein Plus von zwei Prozent, beim Hecht mit drei Tonnen ein Minus von 28 Prozent. Karpfen mit 2,1 Tonnen ein Plus von 138 Prozent.

Am See gab es 2015 noch 110 Berufsfischer. Bis 2020 soll die Zahl der Vollpatente auf 80 verringert werden, in ganz Baden-Württemberg auf 36. Im Bereich Baden gibt es derzeit 35 Fischer, davon 26 Vollpatente, acht Alterspatente und ein Zusatzpatent. Für die vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium 2016 angebotene Abstandszahlung gab nur ein badischer Fischer sein Patent zurück. (flo)

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