Mein

Bodenseekreis Musizieren weckt Lust aufs Leben

29.10.2010
Bodenseekreis -  Überlingen – Zum Guten verführen, statt das Schlechte verbieten. Kann man so die Zukunft retten?
Musizieren weckt Lust aufs Leben

Kriminologe Christian Pfeiffer spricht über die belebende Wirkung von Musik und über die Gefahren der Bildschirmmedien.  Bild: Bild: bast

Service
Artikel drucken  Artikel drucken
  Artikel versenden

  Newsletter
  RSS-Feed


Der namhafte Kriminologe Christian Pfeiffer hält diesen Weg für einen sinnvollen, wie er bei einem von der Musikschule veranstalteten Vortrag zum Thema „Frühes Musizieren als Schutzimpfung gegen die Gefahren des extensiven Medienkonsums“ in Überlingen erklärt.

„Wenn Kinder eine Leidenschaft für Sport oder Musik entwickeln, dann sitzen sie nachmittags nicht vor dem Computer.“ Zum Sport und zur Musik zu verführen, um die Kinder von dem Schlechten, dem Bildschirm, wegzulocken, sei nicht zuletzt Aufgabe der Schulen. Ganztagesschulen heiße das Zauberwort: Aber nicht, und hierfür bekommt Pfeiffer Zwischenapplaus, im Sinne von vormittags pauken, nachmittags pauken und zwischen drin Suppenküche. „Was die Schüler in der Schule lernen müssen, ist Neugierde auf Wissen und die Fähigkeit, sich eigenständig Themen zu erschließen.“

Die Siegerländer der PISA-Studie hätten weniger Unterrichtsstunden, aber Ganztagesschulen, die keine Paukeinrichtungen sind. „Ich finde Abi nach acht Jahren super, aber dann doch bitteschön den Lehrplan so entrümpeln, dass der Nachmittag den Lehrern dazu dienen kann, bei den Schülern Lust auf Leben zu wecken. Dann erst sind wir richtig aufgestellt und fördern die Persönlichkeit unserer Kinder in der Weise, wie sie es verdienen.“ Und wenn man zu diesen Attraktionen des Lebens verführe, dann müsse man die Kinder auch nicht vor den „viereckigen Medien“ wegzerren, mit denen sie viele Stunden ihrer Nachmittage verbrächten. „Wir sind deswegen gravierend hinten dran bei PISA, weil wir die Kinder nachmittags sich selber überlassen“, mahnt Pfeiffer. Und viele Kinder fühlten sich von den „viereckigen Mediengeräten“ eben magisch angezogen.

Hinsichtlich des Medienkonsums gebe es ein starkes Gefälle zwischen Norddeutschland und Süddeutschland. „In Süddeutschland haben 28 Prozent der zehnjährigen Kinder bereits einen eigenen Fernseher, in Norddeutschland sind es über 40 Prozent“, sagt Pfeiffer. Bei der Frage, wie oft die Kinder Zeit mit Bildschirmmedien verbringen, spiele auch das Bildungsniveau der Eltern eine große Rolle: „Wenn beide Eltern Abi haben, besitzen elf Prozent der Zehnjährigen eine Spielkonsole. Wenn beide die Hauptschule besucht haben, sind es über 40 Prozent“, erläutert der Kriminologe. Kinder aus der Unterschicht verbrächten als Zehnjährige durchschnittlich drei Stunden pro Tag vor Bildschirmmedien, Kinder aus den oberen Schichten eine.

Viel gesünder und bildender für die Kinder sei es, zu musizieren, denn: „Musik ist integrativ, gemeinsames musizieren fördert die sozialen Kontakte“, sagt Pfeiffer. Und ein Musikinstrument zu erlernen, das sei eine echte Herausforderung. „Man lernt Grob und Feinmotorik, Taktgefühl.“

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln