Ein 48 Jahre alter Mann vom Bodensee hat den großangelegten illegalen Handel mit Hunderttausenden Pornofilmen eingeräumt. Der Angeklagte bestätigte am Freitag vor dem Landgericht Mannheim im Wesentlichen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Demnach hatte er rund 375 000 Kopien von Pornofilmen herstellen lassen, ohne die dafür notwendigen Rechte zu besitzen. Die Filme hatte er sich bei US-Pornofilmfirmen beschafft. Durch den Verkauf der Streifen soll den US-Firmen ein Schaden von gut drei Millionen Euro entstanden sein.
Titel lassen Beobachter zusammenzucken
Im Saal des Mannheimer Gerichts für Wirtschaftsstrafsachen geht es sonst um eher trocken klingende Themen: Insolvenzrecht, Steuerhinterziehung und Ähnliches. An Freitagmorgen fallen hier nun Begriffe, die dem einen oder anderen die Schamesröte ins Gesicht treiben. Filmtitel wie „Feel the heat“ und „Hot Body Shop“ sind noch harmlos, es fallen aber auch Namen wie „Big Tit Challenge“ und „The tits, that saved X-Mas“ - und es geht noch deutlich tiefer unter die Gürtellinie. Staatsanwalt Adrian Jung verliest einen Auszug aus der Titelliste und an einigen Stellen zuckt mancher Beobachter zusammen.
Der Angeklagte macht auf den ersten Blick eine seriösen Eindruck. Mit leiser Stimme versucht er sich für einzelne Dinge zu rechtfertigen, gesteht aber ein, dass er Fehler gemacht habe. Der Verteidiger sagt, sein Mandant habe Zweifel gehabt, ob er die Rechte für die Filme besitze, habe sie aber gleichwohl kopieren lassen.
Unter anderem in Tschechien wurden die Streifen vervielfältigt und dann für ein Vielfaches des Einkaufswertes verkauft. 2002 hatte der Mann am Bodensee seinen Filmgroßhandel gegründet, 2004 kündigte sich der Zoll zu einer Überprüfung an. Da habe er gemerkt „Holla, da haben wir ein Problem“, erzählt der Angeklagte. Die Rechnungen, die er von den US-Firmen bekommen habe, hätten nämlich nicht mit dem tatsächlichen Warenwert übereingestimmt.
Deshalb habe er vier Filmlizenzverträge gefälscht und dem Zoll vorgelegt. Als der Beschuldigte betont, dass er die Unterschriften selbst gefälscht habe, klingt er fast ein bisschen stolz.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann neben der Urkundenfälschung rund 300 Verstöße gegen das Urheberrecht vor. Da sich die Vorwürfe auf die Jahre 2005 bis 2007 beziehen, winkt dem Mann wegen der langen Verfahrensdauer eine Strafmilderung. In Gesprächen vor dem Prozess hatte das Gericht zu erkennen gegeben, dass es bei einem umfassenden Geständnis eine Bewährungsstrafe verhängen könnte. Vorerst sind mindestens zwei weitere Verhandlungstermine geplant.