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Bodenseekreis Lehrer diskutieren sonderpädagogischen Förderbedarf von Kindern

13.12.2011
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Waldorf-Pädagogen äußern sich zum Thema Bildungsperspektive. Strukturelle Veränderungen in Didaktik und Pädagogik werden als notwendig erachtet.
Der Begriff „Inklusion“ hat in der Bildungspolitik als Schlagwort den Begriff Integration abgelöst. An die Stelle einer Aufteilung von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, die über eine Integration zusammengebracht werden sollen, will die Inklusion von der Besonderheit und den individuellen Bedürfnissen eines jeden Kindes ausgehen.

Der Begriff der Inklusion soll in diesem Sinne eine andere Perspektive auf den Einzelnen vermitteln. „Es ist normal, verschieden zu sein“, hat der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker gesagt. Was in der Theorie gut klingt, ist in der Praxis und im Schulalltag so leicht nicht umzusetzen. Mit den konkreten Aspekten der Inklusion setzt sich schon seit zwei Jahren ein Arbeitskreis auseinander, den Thomas Maschke, Leiter der Kaspar-Hauser-Schule und Herausgeber des Buches „Schule für alle“, ins Leben gerufen hat.

Auch an Waldorfschulen gehört weder Integration noch Inklusion zum Standard. Doch die Waldorfschule in Emmendingen hat sich von Anfang an als eine „Schule für alle“ verstanden und dieses Status 2008 gegen vehemente Widerstände des Kultusministeriums behaupten können. Über dieses Konzept berichtete Silke Engesser aus Emmendingen, die aktuelle Situation in der Region stellte Steffen Rooschüz vom Staatlichen Schulamt Markdorf dar. Rooschüz ist bei der Behörde für Frühförderung zuständig und „Beauftragter für gemeinsamen Unterricht“, er ist zugleich an der Förderschule Salem in der Praxis tätig.

„Wie müssen die Einrichtungen sich verändern, damit eine Inklusion möglich ist?“ formulierte Thomas Maschke als Leitfrage: „Was müssen wir tun, damit viele gemeinsam unterrichtet werden können?“ Zum einen werde „keine Welle der Behinderten anrollen“, sagt der Pädagoge und verweist auf Zahlen des Bildungsforschers Klaus Klemm.

Im Gesamtdurchschnitt seien dies auf eine Gruppe von 20 Kindern nur ein oder zwei Kinder, die einer sonderpädagogischen Förderung bedürften. Auf jede sechste Klasse käme – statistisch betrachtet – ein geistig behindertes Kind, auf jede vierzehnte Klasse ein körperbehindertes. Ziel sei es auch nicht, alle Sonderschulen abzuschaffen, sondern für jedes Kind einen Platz zu finden, wo Teilhabe an Bildung und Gesellschaft, Barrierefreiheit und Selbstbestimmung möglich seien.

Inklusion beginne „in Köpfen und Herzen“, erklärte Steffen Rooschüz vom Staatlichen Schulamt. Dann gehe es darum, die Strukturen zu schaffen und die Ressourcen bereit zustellen, damit Vielfalt zur neuen Norm werden könne.

Das Schulamt gehe derzeit noch nicht „offensiv“ mit diesem Thema um, räumte Rooschüz offen ein. Didaktik und Methodik des Unterrichts müssten sich verändern, damit „andere Kinder auch ihren Platz haben“. Dies bedürfe auch großer Fortbildungsanstrengungen unter den Pädagogen. „Doch per Erlass zwingen wir kein Kind in einer Sonderschule“, lautet ein wichtiges Fazit für Eltern. Denn das war in der Vergangenheit nicht immer so.

„Was uns sehr stark beschäftigt, sind die Erwartungen der Eltern“, räumt Silke Engesser offen ein. Mit der Behinderung, dem Handicap oder der Beeinträchtigung des eigenen Kindes umzugehen, die eigenen Ansprüche und Hoffnungen damit in Einklang zu bringen, sei für die Schule eine schwierige Aufgabe.

„Da bräuchten wir manchmal einen Psychologen“, sagt Engesser. „Individuelle Lösungen“ zu suchen und „Flexibilität ohne Beliebigkeit“ zu praktizieren, nennt Engesser als Leitlinien der Schule.

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