Verbindliche Aussagen zum Fracking am Bodensee vermied Landesumweltminister Franz Untersteller. Dennoch ließ er gestern bei einer Bootsfahrt der Arbeitsgemeinschaft Wasserwerke Bodensee-Rhein (AWBR) durchblicken, dass die Anwohner des Bodensees aufatmen können. Die neuartige Förderung von Erdgas aus Schiefergestein kommt wohl nicht.
„So weit zu sagen, es ist gelaufen, würde ich nicht gehen. Aber erste Auswertungen sagen, dass sich die Gasvorkommen in überschaubaren Grenzen halten. Es sind in nächster Zeit keine Anträge auf Bohrungen zu erwarten.“ Auf Nachfrage gibt er seine Einschätzung: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Bodenseegebiet so was zugelassen wird.“ Die Wasserbehörden, die über die Anträge zu entscheiden haben, hätten kein Interesse daran, das Verfahren zuzulassen, solange eine Gefahr für die Gewässer bestehe. Auch die Landesregierung lehnt diese Art von Erdgasförderung zum jetzigen Stand der Dinge ab. „Die Bundesländer haben sich einhellig für ein Moratorium ausgesprochen.“ Die Gefahren für Wasser und Umwelt seien nicht abschätzbar. Ebenso wenig sei geklärt, wie die Fracking-Flüssigkeit entsorgt werde. Der Landtag hatte ohnehin bereits Fracking in Trinkwasserschutzgebieten ausgeschlossen.
Derzeit sind in Konstanz, Biberach und Saulgau/Wangen Konzessionen für die Suche nach Erdgasvorkommen im Schiefergestein vergeben. Sie dienen aber ausschließlich der Datenerhebung und erlauben keine Bohrungen.
Welche negativen Auswirkungen das Fracking haben kann, zeigen die Erfahrungen in Ländern, in denen die Methode bereits angewandt wird. In den USA gelangte Methangas ins Grundwasser und floss mit aus dem Wasserhahn. Das Wasser konnte so angezündet werden, was der Film „Gasland“ dokumentiert. In Großbritannien wurden die Bohrungen gestoppt, weil sie Erdbeben verursacht hatten. Unbeeindruckt davon ist offenbar Polen, dort wird das Fracking staatlich unterstützt.
Stecken in der Erde unter dem Bodensee Vorkommen von Gas und Öl? Konzerne vermuten das. Mit dem Fracking-Verfahren könnte man die Bodenschätze ausbauten. Womöglich ist das Verfahren aber eine Gefahr für die Umwelt.
