Bodenseekreis In der Kfz-Branche fehlt der Nachwuchs

Viele Betriebe suchen Auszubildende und geeignete Nachfolger. Die Diesel-Verkaufszahlen sind 2017 eingebrochen.

Bodenseekreis – Der Nachwuchsmangel im Handwerk geht auch an der Kfz-Branche nicht spurlos vorüber. Die deshalb drohende Schließung von Berufsschulklassen zusammen mit dem Abgasskandal und der Diskussion um Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Innenstädten belasten die Branche. Anlässlich der Wiederwahl von Hanna-Vera Müller zur Pressesprecherin und Volker Etzel zum Obermeister der Kfz-Innung informierte die Kreishandwerkerschaft Ravensburg über die Chancen und Risiken der Branche.

"Wir betreuen aktuell etwa 200 Innungsfachbetriebe, die insgesamt 370 Auszubildende und 2500 Mitarbeiter beschäftigen", sagte Franz Moosherr, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Ravensburg und der Kfz-Innung im Bodenseekreis. Dabei spiegle die Fachkräftesituation in den Betrieben die Alterspyramide in der Gesellschaft wider. Zu lange habe es das Kfz-Gewerbe nicht nötig gehabt junge Menschen gezielt anzusprechen und für den Beruf zu begeistern, stellte Etzel fest. "Auch wir spüren einen Rückgang an Bewerbern", sagte Hanna-Vera Müller, Geschäftsführerin von AMF Auto-Müller in Friedrichshafen und Pressesprecherin der Innung. Doch glaubt sie, dass aufgrund der Strahlkraft der Marke Mercedes Benz, ihr Betrieb eine Sonderstellung einnimmt. Viele Abiturienten, vor allem Mädchen mit besten Noten, würden sich bewerben. Von 15 Azubis seien derzeit vier weiblich. Das sei einmalig in der Branche.

Berufsschulstandorte bedroht

Moosherr sieht die Talsohle, wie auch in vielen anderen Gewerken, bereits durchschritten und stellt einen leichten Zuwachs an Bewerbern fest. Mit dem neu konzipierten Stand bei der jährlichen Bildungsmesse in Ravensburg und Bildungspartnerschaften mit den Schulen würden bereits viele Jugendliche erreicht. Von den fünf betreuten Berufsschulstandorten sieht Etzel jedoch Leutkirch und Wangen bedroht. Denn wird die vom Regierungspräsidium festgelegte Mindestzahl von 16 Schülern drei Jahre in Folge unterschritten, droht die Schließung der Klasse. Weite Anfahrtswege in andere Berufsschulen bei unzureichendem öffentlichem Nahverkehr in ländlichen Gebieten würde die Attraktivität der Ausbildung weiter schwächen. Da dränge sich ihm die Frage auf, ob die Politik das Limit nicht auf zehn Schüler senken könne, die den Betrieben später als Fachkräfte zur Verfügung stehen. Denn trotz mancher Verunsicherung stehe das Kfz-Gewerbe, laut Kreishandwerkerschaft, gut da.

Landesweit gingen 2016 die Umsätze in den Bereichen Neuwagen, Gebrauchtwagen und Werkstatt um 12,8 Prozent nach oben, wobei sich auch die Umsatzrendite von 1,4 auf 1,6 Prozent steigern ließ. Dabei wäre im Neuwagenverkauf noch kräftig Luft nach oben, würden die Direktverkäufe durch die Hersteller nicht ständig steigen. "Etwa ein Drittel der Umsätze gehen am Händler vorbei", beklagt Moosherr die Situation. Zusätzlich verzögere die Umstellung der Euronorm und die Diskussionen um den Dieselmotor die Kaufentscheidung der Kunden.

Fahrverbote befürchtet

War das erste Quartal 2017 beim Gebrauchtwagenverkauf noch mit 2016 vergleichbar, ging der Verkauf von Dieselfahrzeugen ab April spürbar zurück Der Verkauf von neuen Dieselfahrzeugen brach um beinahe 21 Prozent ein. Private Kunden würden Dieselfahrverbote in den Innenstädten wie Stuttgart fürchten und hätten derzeit keine Planungssicherheit.

Ausbildung

Der Kraftfahrzeug-Mechatroniker ist seit der Ausbildungsreform 2003 Mechaniker und Elektroniker in einem. Die Ausbildung erfolgt im Dualen System und dauert dreieinhalb Jahre. Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben, doch stellen die Betriebe vornehmlich Bewerber mit gutem, mittlerem Bildungsabschluss ein. Die Berufsausbildung gliedert sich sowohl in gemeinsame Ausbildungsinhalte als auch spezielle Ausbildungsinhalte für einen der fünf Schwerpunkte: Personenkraftwagen-, Nutzfahrzeug-, Karosserie-, Motorrad-, sowie System- und Hochvolttechnik. Die Ausbildung schließt mit der Gesellenprüfung ab. Im Anschluss kann eine Fortbildung zum Kfz-Servicetechniker oder Diagnosetechniker absolviert werden. Für eine Führungsposition ist der Meistertitel hilfreich, zudem kann man sich damit selbstständig machen. Da in den nächsten sieben Jahren rund 20 Prozent der Betriebe zur Übernahme anstehen, bietet die Ausbildung gute Karrierechancen.

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